Im Portrait: Sandra Lüpkes – ganz oben mit Juist

Ein Spitzentitel. Das hatten sie in der Literaturagentur gleich gespürt: „Die Schule am Meer“ ist ein großer Wurf. Und sie sollten Recht behalten. Der Juist-Roman, mit dem Sandra Lüpkes in 2020 der Durchbruch in die oberste Etage der deutschen Belletristik gelang, spielte vom Start weg in der ersten Liga mit. 20 Wochen war die bewegende Geschichte vom reformpädagogischen Internat an der rauhen Nordsee unter den ersten 20 Titeln der Spiegel-Bestsellerliste zu finden. Wie erlebt die Autorin, die viele Jahre auf Juist lebte und in Ostfriesland ihre literarischen Anfänge machte, diesen großen Erfolg?

Ostfriesland Reloaded im Gespräch mit Sandra Lüpkes

Ostfriesland Reloaded: Frau Lüpkes, auf Ihrer Autorinnen-Website ist zu lesen, dass die Ideen für Ihre Bücher zu Ihnen kommen, man eine richtig gute Geschichte daran erkennt, „dass sie einen nicht mehr los lässt und sich beinahe von selbst zu erzählen scheint“. Wie kam „Die Schule am Meer“ zu Ihnen?

Sandra Lüpkes: Ich lebe zwar nicht mehr auf Juist, sondern mittlerweile in Berlin. Aber bei einer Lesung auf der Insel vor einigen Jahren sah ich im Küstenmuseum, das sich in einem der ehemaligen Internatsgebäude im Inselort Loog befindet, eine vergilbte Schautafel über die historische „Schule am Meer“, die mich neugierig machte. So begann ich mehr darüber in Erfahrung zu bringen. Ich war mir anfangs gar nicht bewusst, und lange auch nicht sicher, dass und ob dieser Stoff einen Roman trägt. Ich habe mich dann im kalten Winter auf Juist vergraben, weiter geforscht und angefangen zu schreiben. Nach etwa achtzig Seiten stand für mich fest, dass diese Geschichte erzählt werden muss.

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Fürstliche Feder: Caroline von Ostfriesland

Sie wurde mit sechzehn Jahren nach Ostfriesland verheiratet, als zweite Gattin des Fürsten Georg Albrecht. Carolinensiel, der heute so lebendige historische Hafen an der Küste, trägt ihren Namen. Als junge Witwe zieht sie 1740 zu ihrer älteren Schwester, der Königin von Dänemark, nach Kopenhagen. Dort wird ihre große Sammlung von Gedichten erstmals veröffentlicht.

Caroline von Ostfriesland ist eine der wenigen Schriftstellerinnen der Geschichte, auch der ostfriesischen, für die es Belege und Zeugnisse ihres Wirkens gibt. Denn lesen und schreiben, das war über viele Jahrhunderte weitestgehend Männern vorbehalten. Nur in den höchsten Rängen der Gesellschaft beherrschten Frauen das Alphabet. Ihre Bildung beschränkte sich zumeist auf sehr Gottesfürchtiges, dem Studium der Bibel. So wundert es nicht, dass sich auch Caroline von Ostfriesland als Schriftstellerin eher den frommen Themen widmete: „Geistliche Gedichte“ ist der Titel und Inhalt ihres Buches, das 1756 am dänischen Hofe herausgegeben wird.

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Klimawandel: Der Untergang des sagenhaften „Doggerlandes“

Wäre man vor zehntausend Jahren über Ostfriesland und die Nordsee geflogen, hätte man keine Küste und kein Wasser gesehen, sondern nur Land. Denn die Nordsee ist ein relativ junges geologisches Meer, wie ein Blick auf die Karten der geologischen Erdgeschichte zeigt. Damals war sie noch sehr klein in ihren Ausmaßen. Auch England und die Themse gehörten noch zum europäischen Festland. Gut zu erkennen sind zu diesem frühen Zeitpunkt schon der Rhein, die Weser und die Elbe, die heute noch natürliche Grenzen bilden. Die Ems mündete in dieser Zeit laut Forschungen der Universität Bremen noch ins Elbe-Urstromtal und nicht wie heute ins Meer.

Vor 10.000 Jahren an der Nordsee

Doggerbank und weite Landstriche des ehemaligen Küstenverlaufs, das frühzeitliche „Doggerland“, sind heute überflutet und bilden den Boden der Nordsee. Denn die gewaltigen Gletscher der Eiszeit schmolzen über die Jahrtausende dahin: Der Wasserstand stieg in viertausend Jahren um unglaubliche 40 Meter an. Das ist ein Anstieg von einem Meter in 100 Jahren.

Solche Werte erwartet man jetzt wieder für das 21. Jahrhundert, nachdem der Anstieg sich in den letzten Jahrhunderten auf etwa 30 Zentimeter pro Jahrhundert eingependelt hatte. Langfristig betrachtet nähern wir uns mit dem Anstieg des Meeresspiegels also wieder dem Durchschnittswert der geologischen Erdgeschichte.

Nur das dieses Mal die Erderwärmung hausgemacht ist, wir sträflich besseren Wissens die schützende Ozonschicht unserer Erde schädigen. Wenn auch die Ursache der deutlichen Erderwärmung heute eine andere ist als in den Jahrtausenden zuvor, können die Folgen für die Nordseeküste ähnlich gravierend sein.

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Spannend! Ein schneller Ritt durch Raum und Zeit

Geschichte muss nicht langweilig sein. Das beweist auf jeder Seite dieses Buch, das pünktlich zu Weihnachten in einer aktualisierten Neuauflage erscheint: Mit „Ostfriesland. Ein schneller Ritt durch Raum und Zeit“ tritt man auf sehr unterhaltende Weise in die Fußstapfen unserer Vorfahren. Denn das Buch ist keine Geschichte Ostfrieslands. Es erzählt nicht chronologisch Jahrhundert um Jahrhundert die Meilensteine auf. Es ist eher eine pralle Sammlung vieler unterschiedlicher Geschichten. 7 x 7 Schnappschüsse, die alle einen kurzen Blick auf wesentliche Momente in der Vergangenheit Ostfrieslands richten.

Durch die punktuelle Sicht auf die Dinge entsteht so eine vielschichtige Historie von Land und Leuten in Ostfriesland. Ein Mosaik von Reportagen aus der Vergangenheit.

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Die große Liebe: einmal Afrika, immer Afrika

Ostfriesland ist seine Heimat, doch sein Herz hängt an Afrika. Als junger Mann, das Universitätsdiplom als Internationaler Agrarwissenschaftler gerade in der Tasche, beginnt Detlef Stang seine berufliche Laufbahn in der Demokratischen Republik Kongo, die damals, 1985, noch Zaire heißt und von Mobutu beherrscht wird. Fast zwanzig Jahre wird er auf dem schwarzen Kontinent arbeiten, immer im Dienst für namhafte Firmen und Organisationen. Diktatoren, Völkermord, Apartheid – Detlef Stang hat alles erlebt und gesehen in afrikanischen Ländern, auch viel Leid und Hunger. Doch die Liebe zu Afrika war von Anfang da und ist immer geblieben: zu den Menschen und der Schönheit einer gewaltigen Natur.

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Gauß und der Granitstein auf Langeoog

Ein kleines Quadrat aus Stein guckt aus dem Boden. Ganz unscheinbar liegt es neben der eigentlichen Attraktion auf den Kaapdünen von Langeoog: dem Wasserturm. Der Blick der meisten Besucher geht an dieser Stelle nach oben oder in die Ferne auf die Weiten der Dünenlandschaft und die Nordsee. Nach unten fällt er eher selten. Dabei hat der Granitstein neben dem Wahrzeichen der Insel viel zu erzählen. Denn die Platte mit dem eingeritzten Kreuz in der Mitte ist eigentlich das oberste Ende eines Pfeilers, der hier in den Boden geht. Und der befindet sich an historisch bedeutender Stelle. „Gauß und der Granitstein auf Langeoog“ weiterlesen

Terra X: Ein rastloser Abenteurer namens Müller

Das ist, was am Ende übrig blieb von der bedeutenden Königlich Hannoverschen Landvermessung: eine große Holzkiste. Sie enthielt Abschriften sämtlicher Daten und Berechnungen von Gauß und seinem Team und wurde am 15. März 1848 an das hannoversche Innenmisterium gesandt. Darin befanden sich 35 Hefte mit Messungsjournalen, sechs Hefte Abrisse und das Koordinatenverzeichnis. Zwischen diesen Buchdeckeln reihten sich die Zahlen, Daten und Fakten einer 23 Jahre langen Forschungsreise. Von Anfang an war Georg Wilhelm Müller mit dabei. „Terra X: Ein rastloser Abenteurer namens Müller“ weiterlesen

Unter Deck: Auf einen Tee mit dem Kapitän

Nun ja, es war dann mehr als eine Tasse Tee. Mindestens drei. Es steckt ja schon im Wort: Teetied. Sich Zeit nehmen – für Tee, aber so nebenbei auch für die wichtigen Dinge, mit denen sich ein Plattbodenschiffer wie Eckhard Janßen im Alltag immer wieder auseinandersetzen muss. Eines davon: das „Freie Liegen“ im Museumshafen von Carolinensiel.  Das war und ist eines der Erfolgsrezepte für den Tourismus am Ort.

Zur ersten Tasse ein paar Infos als Hintergrund: Die Idee, historischen Frachtenseglern kostenlos Liegeplätze im alten Hafen von Carolinensiel anzubieten, geht auf eine Initiative von Frerich Eilts zurück, der in einem der alten Kapitänshäuser direkt am Hafenrund wohnte. Damit zog man vor dreißig Jahren die ersten Traditionsschiffe an die Harle, und immer mehr folgten dem verlockenden Ruf. Eine Win-win-Situation für alle: Die einen hatten ihren Hafen sichtbar touristisch aufgewertet, die anderen eine überaus günstige Möglichkeit gefunden, ihren traditionellen Schiffen einen Liegeplatz zu sichern. „Unter Deck: Auf einen Tee mit dem Kapitän“ weiterlesen

Heiß geliebt und in Bronze gegossen: Lale Andersen

Bronzefiguren zählen in der Kunst zur Gattung der Bildhauerei. Doch gehauen wird hier in aller Regel nichts, sondern gegossen. Auch die wohl meist fotografierte Bronze Ostfrieslands, das Lale Andersen-Denkmal unter dem Wasserturm von Langeoog, ist ein Bronzeguss. Das Modell dazu fertigte die Langeooger Goldschmiedin und Künstlerin Eva Recker an. Pünktlich zum 23. März 2005, dem 100. Geburtstag des Weltstars, wurde die Skulptur feierlich eingeweiht. Die Sängerin der „Lili Marleen“ hatte sich auf der ostfriesischen Insel kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieg niedergelassen, hier war sie bis zu ihrem Lebensende Zuhause. Obwohl sie im Alter von 67 Jahren am 29. August 1972 in Wien starb, wurde sie auf eigenen Wunsch in den Dünen von Langeoog begraben.

Unter großer Anteilnahme der Insulaner geschah das. Bis heute ist Lale Andersen noch tief im Gedächtnis der Nordsee-Insel verwurzelt, wie auch ein eigener Raum, den das Langeooger Heimatmuseum ihr in großer Anerkennung widmet, belegt. Jede Woche erklingen ihre Lieder und Evergreens aus hunderten von Kehlen beim beliebten Dünensingen So war es vielleicht nur eine Frage der Zeit bis man der mit Abstand berühmtesten Frau der Insel ein eigenes Denkmal stiftete. Mittlerweile ist die Bronzefigur von Eva Recker fast ebenso bekannt wie der Wasserturm, das Wahrzeichen Langeoogs, hinter ihr. „Heiß geliebt und in Bronze gegossen: Lale Andersen“ weiterlesen