Vom gefährdeten Knutt, einem Nationalpark-Ranger und dem großen Zugvogelfest

Das grandiose Naturspektakel des Herbstes hat wieder begonnen: Millionen von Vögeln erheben sich nach ihrem überlebenswichtigen Stopp am Wattenmeer in die Lüfte und ziehen von uralten Instinkten gesteuert ihres Weges in den warmen Süden. Doch der Klimawandel verändert auch bei ihnen Verhalten und Gewohnheiten, und gefährdet sogar manche Arten. Wie etwa beim Knutt, einem kleinen Langstreckenzieher, dessen Jahresrhythmus und die Aufzucht des Nachwuchses von bestimmten Temperaturen im Brutgebiet abhängig ist.

Von den schweren Zeiten für die kleinen Knutts berichtet Ostfriesland Reloaded in seiner neuesten Ausgabe. Einer, der sich jahraus, jahrein für den Schutz der Vogelwelt einsetzt, ist Jochen Runar. Dem Nationalpark-Ranger von Langeoog ist ein Portrait gewidmet, das ihn und seine Arbeit vorstellt. Selbstverständlich dürfen auch Informationen über die 13. Zugvogeltage nicht fehlen, die kurz vor ihrem Höhepunkt stehen: dem Zugvogelfest in Horumersiel, der Treffpunkt schlechhin für alle Enthusiasten des Vogelzugs, für Ornithologen, für begeisterte Laien und fachkundige Experten.

Viel Spaß beim Lesen!

Klimawandel: Gefahr auch für die kleinen Knutts

Er gehört nicht einmal zu den »Flying Five«, den fliegenden Markenbotschaftern des Wattenmeers: Die Rede ist vom Knutt. Dabei ist er in großer Zahl und in Schwärmen überall am Wattenmeer zu sehen. Bis zu 72.000 dieser geselligen, amselgroßen Vögel sind allein in Niedersachsen unterwegs. Zweimal im Jahr machen sie an der Nordseeküste Zwischenstation. Sie haben bereits eine 4.000 Kilometer lange Strecke hinter sich, wenn sie im Frühjahr aus ihren Winterquartier in Westafrika ankommen, und eine ebenso lange vor sich, wenn sie weiterfliegen zu ihren Brutgebieten in Nordsibirien.

Während des anstrengenden Fluges reichlich abgemagert, haben die ausgesprochenen Langstreckenzieher keinerlei Reserven mehr und müssen dringend auftanken. Die weiten, geschützten Flächen des Nationalparks Wattenmeer sind dazu ideal. Auf seinen relativ kurzen Beinen sucht der Knutt dann im feuchten Boden der Ebbe nach Nahrung, watet durch flaches Wasser und stochert nach seiner Leibspeise: kleinen Muscheln und Wattschnecken, die er unzerkaut frisst und im Muskelmagen verdaut. Dabei legt er in seinem Körper ein Fettdepot an und kann in nur vier Wochen sein Gewicht von 140 auf 240 Gramm fast verdoppeln. Damit ist er bestens gerüstet für die bevorstehende lange Weiterreise in die arktische Küstentundra.

Dort droht der Vogelart seit einigen Jahren Gefahr. Denn durch den Klimawandel tritt die Schneeschmelze in den arktischen Zonen einige Wochen früher als bisher ein. Damit schlüpfen auch die Insekten in den Brutgebieten früher. Für Knutt-Küken, die wie gewohnt später auf die Welt kommen und sich von diesen Insekten ernähren, ist das ein schwerer und hungriger Start ins Leben. Sie wachsen schlechter, auch ihr Schnabel ist merklich kürzer. Was ihnen im Winter in Afrika zum tödlichen Verhängnis wird, da sie bestimmte, im Watt vergrabene Muscheln als Nahrungsquelle nicht mehr erreichen.

Wenn der Knutt sein Prachtgewand trägt, dann leuchtet die Unterseite rotbraun. Am Wattenmeer sieht man ihn nur in seinem Schlichtkleid, weiß mit grau gefleckter Brust. Auch im Winter kann man übrigens Knutts beobachten. Diese Gruppen sind dann nicht auf Durchreise wie die aus Afrika, sondern kommen aus Nordostkanada und Grönland zum Überwintern hierher.


All das ist nachzulesen in „111 Dinge über das Wattenmeer, die man wissen muss“ – ein Buch, das dieses Jahr ganz neu im Emons Verlag erschienen ist. Neben der Geschichte über die gefährdeten Knutts, kann man darin auch viel Interessantes über andere Vogelarten des Wattenmeers erfahren, über den Vogelzug und die Welt dieser faszinierenden Wesen des Himmels.

Das Wattenmeer ist ein wildes Stück Deutschland. Seit 2009 ist das Schwemmland im Norden, das sich von den Niederlanden bis nach Dänemark erstreckt, mit dem Titel UNESCO-Weltnaturerbe geadelt. Eine amphibische Landschaft, die von oben so schön ist wie das Mündungsdelta des Orinoco, heißt es. Das Buch nimmt Sie mit auf eine Reise in dieses Zwischenreich, nicht Land, nicht Meer, im ewigen Rhythmus von Ebbe und Flut, angezogen von gewaltigen kosmischen Kräften. Es erzählt von Spionage im Wattenmeer, von tragischen Unglücksfällen, kulinarischen Neuentdeckungen und spannenden Forschungsprojekten zu Klimawandel und Nachhaltigkeit. Ein Haufen Schlick? Mitnichten! Mehr Leben geht nicht.

13,5 x 20,5 cm, 240 Seiten

ISBN 978-3-7408-1081-8

Euro 16,95 [D] , 17,50 [AT]

Der Austernfischer | Omnipräsent: nicht zu übersehen und zu überhören – Die Flying Five | Der Alpenstrandläufer ist einer – von ganz vielen – Der Knutt | Viel unterwegs, der kleine Langstreckenzieher – Die Löfflerkolonie | Eine „absolute Erfolgsstory“ des Vogelschutzes – Der Ostatlantische Vogelzug | Raststätte Wattenmeer: die globale Drehscheibe – Die Pfuhlschnepfe | Langstreckenrekord eines bedrohten Zugvogels – Die Ringelgans | Vom gejagten Federvieh zum Halligen-Superstar – Der Rotschenkel | Ein sicheres Revier für den Nachwuchs und die Art – Die Seeschwalbe | Auf die lange Distanz: einmal um die ganze Welt – Die Silbermöwe | Groß und gesellig: als Paar durch ein langes Leben – Der Vogelbeobachtungssturm | Am Hafen von Neßmersiel: Watvögel zum Greifen nah – Die Zugvogeltage | Das große Fest im Herbst: die „Nomaden der Lüfte.


Die beiden Vogelbilder dieses Beitrages wie auch die Bilder des Buches sind von Andreas Klesse aus Jever, vielfach ausgezeichnet für seine meisterhaften Fotografien. Auf seiner Webseite www.klesse-fotos.de gibt es jede Menge weitere Motive zu sehen sowie diverse Foto-Kalender zu bestellen. Natürlich auch einer über das Wattenmeer!

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Traumberuf Nationalpark-Ranger: Jochen Runar

Seinen Rangerhut, den „Mounty“, trägt er nur zu besonderen Anlässen und durch die Dünenlandschaft streift er auch nicht wie Indiana Jones mit der Waffe im Anschlag, sondern friedlich mit dem E-Bike und in Dienstkleidung der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. Dennoch ist sein Beruf einer von denen, bei dem der Gedanke an Abenteuer, Wildnis und grenzenloser Freiheit sehr schnell kommt. Jochen Runar ist der Nationalpark-Ranger von Langeoog.

Langeoog hat kein Nationalparkhaus wie die anderen Ostfriesischen Inseln. Dennoch muss sich einer vor Ort um den Nationalpark Wattenmeer kümmern, der mit Ausnahme des bebauten Dorfes und den für Tourismus reservierten Strandabschnitten weite Flächen der Insel einschließt: Es gilt die Natur im UNESCO Welterbe zu schützen, aber auch einer der zentralen Ansprechpartner und Informationsvermittler für viele Menschen zu sein. So lautet in etwa die Berufsbeschreibung eines Nationalpark-Rangers auf einer Urlaubsinsel. Jochen Runar ist in Ausübung seines Berufs immer beides: Wächter und Kommunikator in Personalunion. Die Medien schauen gerne vorbei zum Gespräch und Interview mit dem Ranger. Nicht nur Ostfriesland Reloaded, auch die FAZ war zum Portrait über ihn schon da, Buchautor:innen, und das Fernsehen sowieso.

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Spektakel: Das große Fest der Zugvögel am Wattenmeer

Jetzt, im Herbst, ist wieder Hochsaison des Vogelzugs. Auf der ostatlantischen Route, die von Sibirien über Nordeuropa immer die Küste entlang bis hinunter nach Südeuropa und hinüber nach Afrika führt, spielt das Wattenmeer eine existenzielle Rolle für die Tiere. Mit seinem riesigen Nahrungsangebot aus Würmern, Muscheln und Krebsen ist es für 12 Millionen Zugvögel die zentrale Raststation auf der langen Strecke. Ohne das Wattenmeer der Nordsee würde der ostatlantische Vogelzug zum Erliegen kommen.

Mit einem umfangreichen Programm, das die Verwaltung vom Niedersächsischen Nationalpark Wattenmeer auf den Inseln und an den Küsten Ostfrieslands, rund um den Jadebusen und in Cuxhaven auf die Beine gestellt hat, wird dieses grandiose Naturspektakel auch in diesem Jahr wieder gefeiert. Mehr als 250 Termine und Veranstaltungen stehen im Kalender der 13. Zugvogeltage vom 9. bis 17. Oktober.

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Beziehungskiste: Hin gen Norden zieht die Möwe, Hin gen Norden zieht mein Herz

… Fliegen beide aus mitsammen, Fliegen beide heimatwärts.

So romantisch klingt es noch im 19. Jahrhundert bei Theodor Storm, dem großen Heimatdichter und Novellisten des Nordens, wenn er von den weißen Vögeln der Nordsee schreibt. Dem Autor des berühmten Schimmelreiter sind die gefiederten Wesen eine Herzensangelegenheit: Die Möwe und mein Herz heißt sein Gedicht. Möwen am Himmel, das war für die alten Seefahrer ein gutes Zeichen: Land war nicht mehr weit, die Heimat und die Liebste nah. Der Flug einer Möwe am Himmel war die Verheißung auf einen guten Ausgang der Seereise, auf glückliche Heimkehr.

1970 erschien die Möwe Jonathan des US-Autors Richard Bach. Es avancierte zum Kultbuch und Bestseller. Die kleine Möwe mit ihren immer riskanteren Flugmanövern wurde zum tierischen Vorbild für die Hippie-Generation und alle, die nach Freiheit und Selbstverwirklichung suchten: eine poetische Fabel, die dazu aufruft, unsere Träume und Sehnsüchte nicht aus den Augen zu verlieren.

Mit keiner anderen Tierart verbinden wir so stark Meeresrauschen und maritimes Leben. Neben dem Seehund ist die Möwe wohl das beliebteste tierische Fotomotiv der Nordsee, und darf auf keinem Postkartenständer fehlen. Fliegender Mülleimer, gefräßige Räuber – das sind Begriffe, die im Zusammenhang mit Möwen aber auch fallen. Auf der Suche nach Nahrung können sie so rechte Plagegeister werden.

Zu kaum einen Tier haben wir Menschen wohl eine ambivalentere Beziehung als zu diesen Küstenvögeln. Die Spannweite der Emotionen ist groß – und immer auch Ausdruck seiner Zeit. In diesem Schwerpunkt beleuchtet Ostfriesland Reloaded die wechselhafte Beziehung zwischen Möwe und Mensch. Erzählt wird

Ein ganz besonderer Dank geht an Stephan Höstermann aus Esens, dem Zeichner der beliebten Hösti-Cartoons, der dieses Spezial mit seinen schreiend komischen Möwen-Bildern bereichert. Diese und noch viel mehr kann man hier bestellen.

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Titelfoto: Silbermöwe im Flug – Mit freundlicher Genehmigung von Andreas Klesse, Jever (https://www.klesse-fotos.de)

Die Kolonie, der Müll und die Silbermöwen

Der Möwenbestand schwankte in den letzten beiden Jahrhunderten stark und war auch immer Ausdruck seiner Zeit. Noch Ende des 19. Jahrhunderts wurden Möwen gerne nur zum Vergnügen und Zeitvertreib gejagt: Ihre langen Federn waren in Mode und zierten die Hüte der Damenwelt. Auch auf Langeoog war der Bestand daher fast komplett dezimiert. 1875 errichtete man für die Möwenkolonie beim »Dreebargen« ein Naturschutzgebiet, das deutschlandweit erste und älteste Naturschutzgebiet für eine Tierart.

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Zum Fressen gern! Von Menschen und Möwen

Man kann schon sagen: Die Beziehung zwischen dem fliegenden Federvieh und uns Zweibeinern ist vor allen Dingen eine kulinarische. Die Liebe zu den Vögeln ging für uns Menschen lange Zeit lange durch den Magen. Denn bis weit ins 20. Jahrhundert hinein galten Möweneier als Delikatesse. Historische Dokumente belegen etwa für Langeoog, dass das Sammeln von Möweneiern auf der Insel von jeher eine große Rolle spielte, als Nahrung und wichtige Einnahmequelle.

So beschwerte sich im Herbst 1824 die Pächterin der Meierei, eines Hofgutes im Osten der Insel, darüber, dass die Insulaner ihren Brunnen durch das Hineinwerfen von faulen Eiern verunreinigen würden. Die Hauptaufgabe der Vogelwarte von Langeoog war einst, die Seevogelkolonie vor Eierdieben zu schützen. „Zum Fressen gern! Von Menschen und Möwen“ weiterlesen

Welcome to the Weltwunder: Fressen und gefressen werden im weiten Wattenmeer

„So schön wie das Mündungsdelta des Orinoco“, das hat mal jemand über die amphibische Landschaft zwischen Nordseeküste und Ostfriesischen Inseln geschrieben. 10.000 Quadratkilometer ist es groß, dieses weltweit einzigartige Gebilde, das sich entlang der niederländischen und deutschen Küste bis nach Dänemark zieht. 2009 ist es von der UNESCO zum Weltnaturerbe der Menschheit ernannt worden: das Wattenmeer. Das Watt ist jener Teil des Wattenmeeres, der im Wechsel der Gezeiten regelmäßig überflutet wird und wieder trockenfällt. Das Watt nimmt zwei Drittel des gesamten Wattenmeeres ein. „Welcome to the Weltwunder: Fressen und gefressen werden im weiten Wattenmeer“ weiterlesen

Naturspektakel: Der ostatlantische Vogelzug macht Halt am Wattenmeer

12 Millionen Vögel fliegen jedes Jahr zum Wattenmeer. Hier brüten und hier rasten sie und machen vor allen Dingen eins: fressen. In der amphibischen Landschaft an den Küsten der Niederlande, Deutschlands und Dänemarks finden sie ein wahres Paradies um „Naturspektakel: Der ostatlantische Vogelzug macht Halt am Wattenmeer“ weiterlesen