Das Wattenmeer: Ein wildes Stück Deutschland oder 111 Geheimnisse zwischen Ebbe und Flut

Vor der Küste der Niederlande, Deutschlands und Dänemarks erstreckt sich ein Naturwunder: das größte Wattenmeer der Welt, ein einzigartiges und sich stetig veränderndes Ökosystem von 14.700 Quadratmetern zusammenhängendem Schlick- und Sandwatt. Es spannt sich über 500 Kilometer von der Halbinsel Den Helder vor Texel über die gesamte deutsche Nordseeküste bis zur Landspitze beim dänischen Nordseebad Blåvand. Für über 10.000 Tiere und Pflanzen sind die Biotope und Lebensräume des Wattenmeers ein Zuhause. Es ist Rastplatz für zehn bis zwölf Millionen Zugvögel, unverzichtbar für den Fortbestand ihrer Arten. Ein Grund, nicht der einzige, um es 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe zu erklären

Neues vom Wattenmeer gibt es nun zu berichten. Ostfriesland Reloaded informiert in der aktuellen Ausgabe über ein brandneues Buch aus dem Emons Verlag, das nicht nur die grandiose Natur, sondern auch die Menschen am Wattenmeer vorstellt, über die faszinierenden Wattenmeer-Bilder des Fotografen Andreas Klesse aus Jever sowie über das neue Domizil des Wattwanderzentrums Ostfriesland, das seit dem Frühjahr 2021 direkt am Strandzugang von Harlesiel zu finden ist:

In der unendlichen Weite dieser faszinierenden Landschaft, wo Meeresgrund und Horizont miteinander verschmelzen, bieten sich immer neue Perspektiven – auch für den Fotografen und die Autorin von „111 Dinge über das Wattenmeer, die man wissen muss.“ Die schreibt auch gerade diese Zeilen, denn Buch wie Ostfriesland Reloaded haben den gleichen Kopf, was hier nicht unerwähnt bleiben soll.

Viel Spaß beim Lesen!


Copyright: Sämtliche Bilder sind urheberrechtlich geschützt (Andreas Klesse, Petra Wochnik).

111 Dinge über das Wattenmeer: Vom Mensch in grandioser Natur

Das Buch fällt schon ein bisschen heraus aus der meistens schreiend bunten Riege an Neuerscheinungen aus dem Emons Verlag: die „111 Dinge über das Wattenmeer, die man wissen muss“. Und der Titel verrät einem dann auch sofort, warum das so ist. Denn hier geht es um das Watt, im Original farblich eher dezent gehalten in sandbeige oder schlickgrau – und sofort zu erkennen am Cover, das ein welliger Wattboden ziert. Auf dem erhebt sich dann mittig auch ganz stilecht als glänzendes Relief ein kleiner Wattwurmhaufen. Der Clou dabei: Man kann ihn sogar fühlen!

Den neuen Wattenmeer-Titel zeichnet vor allen Dingen seine große Vielfalt an Themen aus. Er ist ein Bildband mit grandiosen Fotos, Naturkundebuch, Reiseführer und Reportagemagazin – alles in einem. Ein kompakter Überblick in handlichem Format, 111 spannende Themen alphabetisch sortiert, und in dieser Form einmalig. Wer dieses Buch aufschlägt erfährt viel von den geologischen und biologischen Grundlagen dieses einzigartigen Ökosystems, von der reichen Tierwelt im Wasser und in der Luft, von seinen hoch spezialisierten Pflanzen. Doch neben der grandiosen Natur lernt man auch jede Menge Menschen kennen, die am Wattenmeer leben und arbeiten, und liest von wichtigen Organisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, diesen besonderen Lebensraum zu schützen, zu betreuen und zu verwalten.

Auch über ganz praktische Dinge wird man informiert, um danach eigene Ausflüge ins Watt zu unternehmen. Wie buche ich einen Ausflug ins Watt? Welche geführten Wattwanderungen gibt es, welche sind schwer und für Fortgeschrittene, welche eher für die ganze Familie geeignet? Wie bereite ich mich vor? Welche Schuhe ziehe ich an? Es werden einmalige Touren vorgestellt, entlang der Küste, zu den Inseln und zu bemerkenswerten Orten im Niedersächsischen, Hamburgischen und Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer, die zusammen mit den Teilen in den Niederlanden und Dänemark das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer bilden.

Von Skurilem, Gefährlichem und spannenden Ereignissen im Watt wird ebenfalls berichtet, auch von Zukunftsprojekten und Forschung. Oder wussten Sie, dass man früher mit der Postkutsche durch das Watt nach Norderney fuhr? Dass das Blut des Wattwurms der ideale Kandidat für menschliche Blutkonserven ist? Dass im Watt zwischen Langeoog und Spiekeroog der Anstieg des Meeresspiegels gemessen wird? Dass man in Emden für ein Forschungsprojekt der EU zu Salzwasserpflanzen erfolgreich experimentiert? Oder wo im Wattenmeer die Toten bestattet werden?

Wer dieses Buch gelesen hat, weiß danach viele Dinge über das Wattenmeer. Doch Worte allein reichen nicht, um es zu begreifen:

Man muss es selbst erleben: eintauchen in diese Wunderwelt, weit hinauslaufen durch Schlick und Sand. Wer über den silbernen Spiegel eines vollkommen freigelegten Wattbodens bis zum Horizont mit seinem endlosen Himmel blickt, der bekommt eine Ahnung und wird als Mensch ganz klein inmitten eines Reiches, in dem nur noch die Natur das Sagen hat – und wir im besten Fall ein Teil von ihr werden.


Petra Wochnik: 111 Dinge über das Wattenmeer, die man wissen muss

Mit zahlreichen Fotografien von Andreas Klesse

Köln, Emons Verlag, seit 22. April 2021 im Buchhandel erhältlich

ISBN: 978-3-7408-1081-8 | 240 Seiten | 16,95 Euro

Harlesiel: Wattwanderzentrum Ostfriesland in neuem Domizil

Dem gewaltigen Wattenmeer noch ein bisschen näher gerückt als bisher ist das Wattwanderzentrum Ostfriesland. Nach vielen Jahren im Erdgeschoss vom „Wattkieker“-Gebäude am Hafen von Harlesiel, hat es mit der Saison 2021 direkt am Zugang zum Strand Platz genommen. Es ist damit genau da, wo alle sind, die die weite Nordsee und die frische Brise genießen: ganz nah der Ebbe und der Flut.

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Hinterm Horizont geht’s weiter: Ein Mann und sein Weg zum »waddensea.travel« Kosmos

Der Name ist Programm. Zeigt er doch gleich, wo es langfristig hingehen soll. Denn das erklärte Ziel von Joke Pouliart, dem Gründer des Unternehmens und Inhaber der Domain waddensea.travel, war von Anfang an ein internationales Publikum. Das ließ jedenfalls auch die Ernennung des Wattenmeers zum UNESCO Weltnaturerbe 2009 erwarten. Nun, ganz so schnell ist es nicht gekommen, das internationale Publikum muss erst noch erobert werden. Die Konkurrenz ist groß mit Grand Canyon und Great Barrier Reef. Aber warum sollten nicht irgendwann, eines Tages, Reisegruppen aus dem Ausland das Wattenmeer besuchen wie auch wir ganz selbstverständlich die tiefe Schlucht in Arizona besichtigen oder in den Gewässern Australiens abtauchen. Gut, es ist noch ein weiter Weg bis dahin, aber unvorstellbar ist es nicht. „Hinterm Horizont geht’s weiter: Ein Mann und sein Weg zum »waddensea.travel« Kosmos“ weiterlesen

Pioniere: Auf dem Weg zur UNESCO Biosphärenschule

Sie sind ganz vorne mit dabei, die sieben Berufsschüler aus Wittmund, und haben allen Grund zu strahlen. Ostfriesland will sich als Modellregion für eine nachhaltige Entwicklung positionieren und dabei spielt Bildung eine zentrale Rolle. Sie sind quasi Pioniere: Mit Thermobechern, aus denen möglichst bald alle in der berufsbildenden Schule trinken und die Plastikbecher in ihrer Cafeteria überflüssig machen sollen. Die BBS Wittmund ist eine von fünf Schulen, die der Nationalpark Wattenmeer im Rahmen eines Pilotprojekts zur „UNESCO Biosphärenschule“ zertifizieren will. „Pioniere: Auf dem Weg zur UNESCO Biosphärenschule“ weiterlesen

Welcome to the Weltwunder: Fressen und gefressen werden im weiten Wattenmeer

„So schön wie das Mündungsdelta des Orinoco“, das hat mal jemand über die amphibische Landschaft zwischen Nordseeküste und Ostfriesischen Inseln geschrieben. 10.000 Quadratkilometer ist es groß, dieses weltweit einzigartige Gebilde, das sich entlang der niederländischen und deutschen Küste bis nach Dänemark zieht. 2009 ist es von der UNESCO zum Weltnaturerbe der Menschheit ernannt worden: das Wattenmeer. Das Watt ist jener Teil des Wattenmeeres, der im Wechsel der Gezeiten regelmäßig überflutet wird und wieder trockenfällt. Das Watt nimmt zwei Drittel des gesamten Wattenmeeres ein. „Welcome to the Weltwunder: Fressen und gefressen werden im weiten Wattenmeer“ weiterlesen

Stiftung Ökowerk Emden: Eine Ideenschmiede für die Welt

SalFar steht für „Saline Farming“ und ist der Name eines internationalen Projektes, das die EU ins Leben gerufen hat, um innovative und neue Methoden bei der landwirtschaftlichen Nutzung von salzhaltigen Böden zu entwickeln. An der Küste Ostfrieslands, direkt hinter einem hohen Deich an der Emsmündung, befindet sich eines der zehn europäischen SalFar-Forschungslabore. Denn das Ökowerk in Emden vertritt Deutschland in dem ambitionierten Programm zu dem sechs weitere Nordsee-Anrainerstaaten beitragen: Norwegen, Schweden, Dänemark, Holland, Belgien und Großbritannien sind auch mit dabei. Insgesamt arbeiten 14 sehr unterschiedliche Partner an der Untersuchung, darunter auch Universitäten für die akademische Begleitung. „Wir sind eine gute Kombination aus Denkern und Machern“, meint Detlef Stang, Geschäftsführer der Emder Stiftung und deutscher Projektleiter für SalFar. „Stiftung Ökowerk Emden: Eine Ideenschmiede für die Welt“ weiterlesen

Austernsammeln im Watt: Ostfriesische Noblesse

Französische Lebensart an der Nordsee: Denn frische Austern sammeln, das geht auch in Ostfriesland! Wenn die Winde günstig stehen, dann kullern sie einem manchmal direkt vor die Füße. So genau geschehen im Niedersächsischen Watt an einem warmen Spätsommertag. Wohin man schaut, überall liegen sie am Boden, verstreut über den schillernden Schlickteppich – da greift die Dame von Welt doch gleich beherzt zu. Man muss sie nur noch aufheben und schon hat man sie in der Hand, die Delikatesse der Meere. Da fragt sich der Gourmet unwillkürlich: Warum noch in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? „Austernsammeln im Watt: Ostfriesische Noblesse“ weiterlesen

Einmalig: Mit der Postkutsche durch das Wattenmeer

Hilgenriedersiel ist heute ein stiller Fleck am Deich, mit grasenden Kühen und Schafen und dem einzigen Naturbadestrand an der gesamten Küste. Das war vor knapp 200 Jahren noch ganz anders, als landesweit ein einzigartiger Service für die ersten Touristen auf Norderney zur Verfügung stand: Mit der Postkutsche ging es mitten durchs Wattenmeer! Damals war der Sielort ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt auf dem Weg nach Norderney, hier tobte das Leben und das bunte Treiben der ankommenden und abfahrenden Gäste. „Einmalig: Mit der Postkutsche durch das Wattenmeer“ weiterlesen