Familienfest im Wattenmeer: Schwestern oder die Inseln der Nordsee

Sie haben definitiv Charakter, diese sandigen Schwestern: von Borkum vor den Niederlanden bis Sylt im Norden an der dänischen Grenze erstrecken sie sich wie Perlen auf der Schnur. Deff Westerkamp hat zehn von ihnen in seinem gerade erschienenen Bildband ein fotografisches Denkmal gesetzt: Seine „Panoramafotos der Nordseeinseln“ sind atemberaubend schöne Naturfotografien eines Mannes, der selbst Insulaner und auf Langeoog Zuhause, sich so intensiv wie kaum ein anderer mit den vielen kleinen Paradiesen, ihren Traumständen und weiten Dünenlandschaften auseinandergesetzt hat.

In Herkunft und Prägung verwandt und ähnlich, hat jede einzelne ihre Eigenart, sei „in ihrem Wesen so spezifisch, daß Insulaner und Gäste vor allem IHRE Insel lieben“, so Westerkamp. Zum Verlieben schön sind sie alle in diesem Buch: die eigene Lieblingsinsel, wie auch die vielen anderen, die sich im superbreiten Querformat von 15 auf 45 Zentimetern entfalten, besonders großartig weil großformatig auf den Doppelseiten des Bandes. Menschenleer zumeist, paradiesisch. So auch Norderney, wie etwa auf dem herrlichen Dünenpanorama zu sehen, das diesen Beitrag oben ziert.. Denn die vor allem als Partyinsel bekannte „Schwester“ glänzt bei Deff Westerkamp als wilde Naturschönheit.

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Revival für Willrath Dreesen, Direktor und Dichter zugleich

Der junge Mann aus Norden konnte nicht nur gut schreiben und dichten, sondern hatte auch ausgesprochene Managerqualitäten. Die setzte er auch immer wieder für die Literatur ein: in jungen Jahren als Verlagsdirektor bei Reclam in Leipzig, später dann als Leiter für Schrifttum bei der Ostfriesischen Landschaft und kurz vor seinem Tod als Organisator der ersten ostfriesischen Dichtertagung 1950 auf Langeoog. Dort lenkte er von 1924 bis 1928 als Bürgermeister und später als Kurdirektor erfolgreich auch die Geschicke der Insel.

Doch im Grunde seines Herzens war er immer ein Schriftsteller. Lyrik, Prosa und Dramen prägten ihn in jungen Jahren und dann wieder ganz spät im Alter, als er nach einem bewegten Leben, das von zwei Weltkriegen gezeichnet war, mit 70 Jahren als Pensionär nach Langeoog zurückkehrte und für kurze Zeit nochmals Kurdirektor der Insel wurde.

Man könnte viel über den Politiker Dreesen schreiben, der in den Zwanziger Jahren an der Spitze der Verwaltung wegweisende Entscheidungen für die Insel traf: Die Gemeinde übernahm damals selbst das Tourismusgeschäft und wurde ebenfalls zum Betreiber der Schifffahrt. Aber im Mittelpunkt dieses Beitrags soll der die Literatur liebende und schreibende Willrath Dreesen stehen.

Die Wiederentdeckung in den Medien

Denn nach vielen Jahren der Stille um Ostfrieslands vergessenen Dichter, erlebte er in 2022 ein regelrechtes Revival. In kurzer Abfolge erschienen gleich drei längere Artikel über ihn: In der Beilage zur Ostfriesen Zeitung stellte Paul Weßels im April in seiner Rubrik „Buch des Monats“ Willrath Dreesen und ausgewählte Werke aus seiner Feder vor. Ein weiterer, sehr lesenswerter Beitrag über Willrath Dreesens unterschiedliche Lebensstationen inklusive der Abbildung vieler Buchtitel wurde von ihm, dem Bibliotheksleiter der Ostfriesischen Landschaft, im Juni des Jahres im „Blog für ost-friesische Geschichte“ veröffentlicht. Es ist die bisher umfangreichste Würdigung Dreesens.

Im Langeooger Inselmagazin „de Utkieker“ war kurz vorher, im Mai, bereits eine ausführliche Darstellung vom Wirken dieses facettenreichen Mannes zu lesen, mit seltenen Bildern aus dem Privatarchiv der Familie. Darunter auch eine Aufnahme vom Bau seines kleinen Hauses in den Dünen 1926, in das sich der resolute Kurdirektor so gerne zum Schreiben zurückzog. Nun stellt auch Ostfriesland Reloaded zum Ende des Jahres diese bemerkenswerte Figur der ostfriesischen Literatur nochmals vor. 2022: Das war definitiv das Jahr der Wiederentdeckung Willrath Dreesens.

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Zeltlager anno 1936: Der Jugendkult der Nazis

Wenn man von Weitem auf die Szenerie blickt, unterscheidet sie sich abgesehen vom Schwarz-Weiß der Aufnahmen, gar nicht mal so sehr von einem Zeltlager heutiger Tage. In einem weiten Dünental verteilen sich viele weiße Rundzelte im Kreis. In der Mitte befindet sich ein großer Freiplatz mit einer gehissten Fahne: ein typisches Zeltlager. Es unterscheidet sich äußerlich nicht wesentlich von dem, das etwa der Sportbund Niedersachsen aktuell jedes Jahr im Sommer am Fuß der Melkhorndüne für Jugendliche auf Langeoog organisiert. Nur das dieses ein ganz spezielles ist: Es ist das Zeltlager der Hitlerjugend, das die Nationalsozialisten 1936 im Pirolatal der Insel, direkt am Meer, aufgeschlagen hatten. Hier sollte der Nachwuchs geformt werden, ganz im Sinne der Partei-Ideologie.

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Keine Panik auf der Titanic: Noch gehen die Ostfriesischen Inseln nicht unter

Der Klimawandel steht nicht mehr vor der Haustür, wir sind längst schon mittendrin. Während in den Alpen die Gletscher abschmelzen, kämpft die deutsche Nordseeküste vor allen Dingen mit der Zunahme von Wetterextremen: Die Zahl der Sturmfluten pro Jahr häuft sich erkennbar. Wie gerade jetzt gesehen und geschehen als das Orkantief „Nadia“ über den Norden Deutschlands mit bis zu 144 Stundenkilometern hinwegfegte. Drei weitere Sturmfluten hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bereits für diese Woche angekündigt. Besonders betroffen und getroffen hat es wieder einmal die Ostfriesischen Inseln, sind diese doch direkt den Gewalten der Nordsee ausgesetzt.

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The Day After: Langeoog nach Orkantief „Nadia“

Zum Fressen, als Futter für die Nordsee, waren sie von Anfang an gedacht – die riesigen „Verzehrsandberge“, die die niedersächsischen Küstenschützer den Dünen vor dem Pirolatal vor die Füße spülten. 700.000 Kubikmeter Sand bildeten im September 2020 ein sattes, zwei Kilometer langes Polster. Doch diesmal hat die Nordsee gewaltig an ihnen genagt und kräftig zugebissen. Nur 18 Monate hat sie gebraucht und das Futter, was man ihr mit viel Aufwand gereicht hatte, ist nahezu weg. Das Orkantief „Nadia“ brachte am 29. und 30. Januar zwei Stumfluten hintereinander, riss dem Strandpolster am Hundestrand riesige Brocken heraus und verschob die bisherige Abbruchkante des schützenden Sandpolsters deutlich Richtung Dünen. Schlimmer noch: Es beschädigte in den weiter östlich gelegenen Abschnitten bereits den Dünenfuß des Pirolatals, hinter dem die Brunnen für die Trinkwasserversorgung der gesamten Insel liegen.

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Küstenschützer: Keine Gefahr für die Süßwasserlinse

Lang hat das Sandpolster nicht gehalten, das erst im Sommer 2020 vor dem Pirolatal aufgespült wurde. Wieviel sich die Nordsee bereits zurückgeholt hat, zeigt sehr schön diese Luftaufnahme des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Rund 700 000 Kubikmeter Sand wurden hier vor gerade eineinhalb Jahren aufgespült, jetzt ist fast alles weg. Rechts oben im Bild sieht man gut das Pirolatal, in dem über 17 Brunnen das gesamte Trinkwasser der Insel aus einer unterirdischen Süßwasserlinse gewonnen wird. Bei einer Versalzung mit Nordseewasser nach einem Dünendurchbruch wären diese für viele Jahre unbrauchbar. Langeoog müsste dann wohl wie die anderen Ostfriesischen Inseln über eine Leitung zum Festland mit Trinkwasser versorgt werden. Die Insel und ihr Hauptort sind nicht gefährdet von Sturmfluten.

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Sturmflutopfer: Eine Kegelrobbe auf Abwegen

Sturmfluten sind nicht nur für Menschen bedrohlich: Eine kleine Kegelrobbe versuchte sich am Sonntag auf Langeoog vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen und strandete mitten im Dünenübergang. Nicht mehr weit und sie wäre oben angekommen beim Atelier des Inselkünstlers Anselm an der Strandpromenade. Laut dem Langeooger Fotografen Deff Westerkamp, dem diese außergewöhnliche Aufnahme gelang, ging es dem Kleinen aber gut. (Foto: Deff Westerkamp)

Traumberuf Nationalpark-Ranger: Jochen Runar

Seinen Rangerhut, den „Mounty“, trägt er nur zu besonderen Anlässen und durch die Dünenlandschaft streift er auch nicht wie Indiana Jones mit der Waffe im Anschlag, sondern friedlich mit dem E-Bike und in Dienstkleidung der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. Dennoch ist sein Beruf einer von denen, bei dem der Gedanke an Abenteuer, Wildnis und grenzenloser Freiheit sehr schnell kommt. Jochen Runar ist der Nationalpark-Ranger von Langeoog.

Langeoog hat kein Nationalparkhaus wie die anderen Ostfriesischen Inseln. Dennoch muss sich einer vor Ort um den Nationalpark Wattenmeer kümmern, der mit Ausnahme des bebauten Dorfes und den für Tourismus reservierten Strandabschnitten weite Flächen der Insel einschließt: Es gilt die Natur im UNESCO Welterbe zu schützen, aber auch einer der zentralen Ansprechpartner und Informationsvermittler für viele Menschen zu sein. So lautet in etwa die Berufsbeschreibung eines Nationalpark-Rangers auf einer Urlaubsinsel. Jochen Runar ist in Ausübung seines Berufs immer beides: Wächter und Kommunikator in Personalunion. Die Medien schauen gerne vorbei zum Gespräch und Interview mit dem Ranger. Nicht nur Ostfriesland Reloaded, auch die FAZ war zum Portrait über ihn schon da, Buchautor:innen, und das Fernsehen sowieso.

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Speed und ganz viel Action: Strandsegeln, Ostfrieslands exotischster Outdoor-Sport

In Frankreich ist Strandsegeln Nationalsport. In Deutschland ist man davon zwar noch weit entfernt, doch auf den Ostfriesischen Inseln wird der wohl exotischste Sport der Nordsee bis heute mit viel Leidenschaft und Erfolg betrieben. Mit ihren Traumstränden sind sie geradezu prädestiniert für diese einzigartige Disziplin, die mit rasanten Fahrten auf weißen Sandpisten die Kunst des Segelns auf dem Land zelebriert – angetrieben von der unbändigen Kraft des Windes und vor atemberaubender Kulisse der wilden Meereswogen.

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