200 Jahre Gauß: Vermessung Ostfrieslands oder Geodäsie mit Fernrohr und Satellit

Diese Ausgabe von Ostfriesland Reloaded ist wahren Abenteurern gewidmet. Denn das waren sie damals, die Landesvermesser, die mit ihren sperrigen Instrumenten Winkel vermaßen, lange Linien über das Land zogen und erstmals das Königreich Hannover genauestens kartografierten. Sie nahmen unglaubliche Strapazen auf sich, betraten auf ihren langen Expeditionsreisen oft weitestgehend noch unbekanntes Territorium. So auch in Ostfriesland. Das begrüßte sie mit Rauchschwaden vom Moorbrand, im Sturm schwankenden Türmen und sandigen Winden. Davon erzählen äußerst lebendig viele Briefe, die Carl Friedrich Gauß, der Chef der Mission, unablässig mit seinen Mitarbeitern austauschte. Komplett und zum ersten Mal vollständig nachzulesen sind sie nun in den „Correspondenzen“, geschrieben von André Sieland und so eben im Verlag Kessel erschienen.

„200 Jahre Gauß: Vermessung Ostfrieslands oder Geodäsie mit Fernrohr und Satellit“ weiterlesen

Expedition Ostfriesland: Terra Incognita

Spätestens seit dem Bestseller „Die Vermessung der Welt“ ist Deutschlands berühmtester Mathematiker, Carl Friedrich Gauß, auch jenen ein Begriff, die sich ansonsten wenig um die Kunst der Berechnung von Dreiecken scheren. Triangulation heißt ein bis heute eingesetztes Verfahren, das erlaubt, mit Hilfe der Mathematik und Winkelfunktionen die Länge der Schenkel von Dreiecken zu berechnen und damit Entfernungen zu ermitteln. Nach einer Reihe von technologischen Innovationen bei den Messinstrumenten, zu der auch Gauß maßgeblich beitrug, begann man im 19. Jahrhundert ganze Landstriche mit einem Spinnennetz an Dreiecken zu überziehen und sie so exakt zu kartieren.

„Expedition Ostfriesland: Terra Incognita“ weiterlesen

Dichtung und Wahrheit: der „echte“ Gauß

Zum 200. Jubiläum der „Königlich Hannoverschen Landvermessung“ wird der komplette Briefwechsel zur historischen Mission unter Leitung von Carl Friedrich Gauß erstmals in transkribierter Form veröffentlicht. Mehr als tausend Briefe zeichnen ein neues Bild vom berühmtesten Vermesser der Welt. Geplant hatte er anfangs mit etwa 400, am Ende sind es genau 1072 handschriftliche Briefe in altdeutscher Schrift, die nun für jedermann lesbar in Druckschrift und ins Hochdeutsche transkribiert vorliegen. Das zunächst überschaubare Unterfangen nahm im Verlauf immer gewaltigere Dimensionen an. Neue Korrespondenz von und an Gauß tauchte auf, so wurden 200 verschollen geglaubte Briefe zwischenzeitlich entdeckt. Der letzte aus Washington D.C. erreichte André Sieland noch Anfang 2021.

Sieland ist Vermessungsexperte wie Gauß, Fachgebietsleiter im Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) in Hannover, und damit zuständig für die Festpunkte der Gegenwart. In dieser Funktion erhielt er 2017 in Vorbereitung auf das bevorstehende Jubiläum eine Anfrage der Kollegen vom Landesamt für Denkmalpflege nach den alten Gauß’schen Messpunkten in Niedersachsen. Nur etwa 17 nachgewiesene seien ihnen bekannt. Doch schon erste Überprüfungen Sielands ergaben, es sind einige mehr. Schnell hatte er 120 gelistet, und bekam zunehmend Spaß an den Nachforschungen. Er investierte immer mehr Freizeit und schließlich jede freie Minute in das Projekt, unternahm Exkursionen und Wanderungen am Wochenende, traf auf leidenschaftliche Heimatkundler und konnte manch originalen alten Messpunkt neu verorten wie auf der Insel Langeoog oder sogar wiederentdecken wie auf dem Haußelberg in der Lüneburger Heide.

„Dichtung und Wahrheit: der „echte“ Gauß“ weiterlesen

In ihren Briefen hat Buchautor André Sieland die vier wesentlichen Protagonisten der Königlich Hannoverschen Landesvermessung über viele Jahrzehnte begleitet. Sie waren allesamt gebildete Männer, die bis auf Carl Friedrich Gauß im Militär ihre Berufskarrieren machten und auch diesem mit ihren Vermessungsarbeiten wichtige Erkenntnisse lieferten. War es für ihn am Anfang teilweise noch schwierig, manche ihrer Zeilen zu lesen, ging es am Ende fast wie von selbst. Heute erkennt André Sieland sie alle sofort an ihren Handschriften, aber auch an ihren ganz eigenen Schreibstilen.

„Portrait: Wer sie waren, wie sie schrieben“ weiterlesen

Im Portrait: Sandra Lüpkes – ganz oben mit Juist

Ein Spitzentitel. Das hatten sie in der Literaturagentur gleich gespürt: „Die Schule am Meer“ ist ein großer Wurf. Und sie sollten Recht behalten. Der Juist-Roman, mit dem Sandra Lüpkes in 2020 der Durchbruch in die oberste Etage der deutschen Belletristik gelang, spielte vom Start weg in der ersten Liga mit. 20 Wochen war die bewegende Geschichte vom reformpädagogischen Internat an der rauhen Nordsee unter den ersten 20 Titeln der Spiegel-Bestsellerliste zu finden. Wie erlebt die Autorin, die viele Jahre auf Juist lebte und in Ostfriesland ihre literarischen Anfänge machte, diesen großen Erfolg?

Ostfriesland Reloaded im Gespräch mit Sandra Lüpkes

Ostfriesland Reloaded: Frau Lüpkes, auf Ihrer Autorinnen-Website ist zu lesen, dass die Ideen für Ihre Bücher zu Ihnen kommen, man eine richtig gute Geschichte daran erkennt, „dass sie einen nicht mehr los lässt und sich beinahe von selbst zu erzählen scheint“. Wie kam „Die Schule am Meer“ zu Ihnen?

Sandra Lüpkes: Ich lebe zwar nicht mehr auf Juist, sondern mittlerweile in Berlin. Aber bei einer Lesung auf der Insel vor einigen Jahren sah ich im Küstenmuseum, das sich in einem der ehemaligen Internatsgebäude im Inselort Loog befindet, eine vergilbte Schautafel über die historische „Schule am Meer“, die mich neugierig machte. So begann ich mehr darüber in Erfahrung zu bringen. Ich war mir anfangs gar nicht bewusst, und lange auch nicht sicher, dass und ob dieser Stoff einen Roman trägt. Ich habe mich dann im kalten Winter auf Juist vergraben, weiter geforscht und angefangen zu schreiben. Nach etwa achtzig Seiten stand für mich fest, dass diese Geschichte erzählt werden muss.

„Im Portrait: Sandra Lüpkes – ganz oben mit Juist“ weiterlesen

Von Langeoog zur Literatur: Gabriele Wohmann

Sie gilt als die unangefochtene „Königin der Kurzgeschichte“. Immerhin hat sie mehr als 600 davon in ihrem Leben geschrieben, immer ganz nah am Zeitgeist und den absurden Dingen, die Menschen im Alltag so treiben. Zu ihren erfolgreichsten Zeiten gehörte sie wie die Schriftstellergrößen Grass und Böll zum literarischen Inventar der Bonner Bundesrepublik.

Die Schriftstellerin mit dem scharfen Blick auf die kleinen Dinge des Lebens war zeitlebens in Darmstadt zu Hause, dem Sitz des PEN-Zentrums und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Hier wurde sie am 21. Mai 1932 geboren, hier starb sie am 22. Juni 2015 im Alter von 83 Jahren. Doch sie, die so fest an ihrem heimatlichen Nest hielt, ist in ihren jungen Jahren Richtung Norden ausgeflogen – nach Langeoog.

Hierhin zog es sie gleich zweimal: 1950 als Abiturientin für ein Jahr und drei Jahre später nochmals zusammen mit ihrem Mann Reiner, den sie gerade geheiratet hatte. 1954 ging es nach dem zweiten Intermezzo auf Langeoog dann wieder endgültig zurück nach Darmstadt. Wie kommt aber ein junges Mädchen dazu, plötzlich auf ein Internat an die ferne Nordsee zu gehen?

„Von Langeoog zur Literatur: Gabriele Wohmann“ weiterlesen

Fürstliche Feder: Caroline von Ostfriesland

Sie wurde mit sechzehn Jahren nach Ostfriesland verheiratet, als zweite Gattin des Fürsten Georg Albrecht. Carolinensiel, der heute so lebendige historische Hafen an der Küste, trägt ihren Namen. Als junge Witwe zieht sie 1740 zu ihrer älteren Schwester, der Königin von Dänemark, nach Kopenhagen. Dort wird ihre große Sammlung von Gedichten erstmals veröffentlicht.

Caroline von Ostfriesland ist eine der wenigen Schriftstellerinnen der Geschichte, auch der ostfriesischen, für die es Belege und Zeugnisse ihres Wirkens gibt. Denn lesen und schreiben, das war über viele Jahrhunderte weitestgehend Männern vorbehalten. Nur in den höchsten Rängen der Gesellschaft beherrschten Frauen das Alphabet. Ihre Bildung beschränkte sich zumeist auf sehr Gottesfürchtiges, dem Studium der Bibel. So wundert es nicht, dass sich auch Caroline von Ostfriesland als Schriftstellerin eher den frommen Themen widmete: „Geistliche Gedichte“ ist der Titel und Inhalt ihres Buches, das 1756 am dänischen Hofe herausgegeben wird.

„Fürstliche Feder: Caroline von Ostfriesland“ weiterlesen

Ostfriesland History: Geschichten von Gestern und goldenen Grenzen

In der letzten Ausgabe des Jahres wirft Ostfriesland Reloaded einen Blick zurück:

Es stellt Ihnen ein Buch vor, das neu aufgelegt und gestaltet, soeben wieder erschienen ist: Ostfriesland. Ein schneller Ritt durch Raum und Zeit ist eine Sammlung spannender, historischer Artikel, von denen viele bisher nur vereinzelt auf Ostfriesland Reloaded zu lesen waren. In der gedruckten Version fügen sich die Beiträge nun ein in ein größeres historisches Ganzes. Das ostfriesische Geschichte(n)-Buch ist die ideale Couchlektüre zum Schmökern zwischen den Jahren – auch als Geschenk immer gut geeignet, und das nicht nur zu Weihnachten! Sofort und versandkostenfrei bestellbar über den Shop des Verlages www.soeker-druckshop.de.

Neben dem Buchtipp in eigener Sache punktet die neue Ausgabe von Ostfriesland Reloaded mit zwei Artikeln zu einem ebenfalls historischen Thema: Es geht dabei um die sagenumwobene „Goldene Linie“, die einst zwischen Ostfriesland und Oldenburg gezogen wurde. Begeben Sie sich mit Ostfriesland Reloaded auf Spurensuche nach dieser berühmten Geraden, machen Sie eine kleine Zeitreise in die Gegenwart und das Grenzgebiet. Und lernen Sie ganz nebenbei mehr über die Hintergründe und Vermessung dieser bis heute relevanten Linie.

Viel Spaß beim Lesen!

Das Rätsel der Vermessung ist gelöst: Hier war’s!

„Gauß und der Granitstein auf Langeoog“ – diese spannende Geschichte kann weiter geschrieben werden. Denn einem Experten für historische Messpunkte aus Hannover, André Sieland, ist es im Herbst 2020 gelungen, den originalen Standort der historisch ersten Landesvermessung  von Langeoog zu seinen Nachbarinseln und der Küste zu verorten. Dieser befand sich vor dem heutigen Wasserturm und direkt neben der Aussichtsplattform mit dem Fernrohr, und zwar rechts in den Wildrosenbüschen, wie die erstmals durchgeführten Messungen ergaben. Ostfriesland gehörte damals zum Königreich Hannover. Damit war auch Langeoog Teil der berühmten Gauß’schen Landesvermessung, die nächstes Jahr ihr 200jähriges Jubiläum feiert.


„Das Rätsel der Vermessung ist gelöst: Hier war’s!“ weiterlesen