Ostfriesland History: Geschichten von Gestern und goldenen Grenzen

In der letzten Ausgabe des Jahres wirft Ostfriesland Reloaded einen Blick zurück:

Es stellt Ihnen ein Buch vor, das neu aufgelegt und gestaltet, soeben wieder erschienen ist: Ostfriesland. Ein schneller Ritt durch Raum und Zeit ist eine Sammlung spannender, historischer Artikel, von denen viele bisher nur vereinzelt auf Ostfriesland Reloaded zu lesen waren. In der gedruckten Version fügen sich die Beiträge nun ein in ein größeres historisches Ganzes. Das ostfriesische Geschichte(n)-Buch ist die ideale Couchlektüre zum Schmökern zwischen den Jahren – auch als Geschenk immer gut geeignet, und das nicht nur zu Weihnachten! Sofort und versandkostenfrei bestellbar über den Shop des Verlages www.soeker-druckshop.de.

Neben dem Buchtipp in eigener Sache punktet die neue Ausgabe von Ostfriesland Reloaded mit zwei Artikeln zu einem ebenfalls historischen Thema: Es geht dabei um die sagenumwobene „Goldene Linie“, die einst zwischen Ostfriesland und Oldenburg gezogen wurde. Begeben Sie sich mit Ostfriesland Reloaded auf Spurensuche nach dieser berühmten Geraden, machen Sie eine kleine Zeitreise in die Gegenwart und das Grenzgebiet. Und lernen Sie ganz nebenbei mehr über die Hintergründe und Vermessung dieser bis heute relevanten Linie.

Viel Spaß beim Lesen!

Das Rätsel der Vermessung ist gelöst: Hier war’s!

„Gauß und der Granitstein auf Langeoog“ – diese spannende Geschichte kann weiter geschrieben werden. Denn einem Experten für historische Messpunkte aus Hannover, André Sieland, ist es im Herbst 2020 gelungen, den originalen Standort der historisch ersten Landesvermessung  von Langeoog zu seinen Nachbarinseln und der Küste zu verorten. Dieser befand sich vor dem heutigen Wasserturm und direkt neben der Aussichtsplattform mit dem Fernrohr, und zwar rechts in den Wildrosenbüschen, wie die erstmals durchgeführten Messungen ergaben. Ostfriesland gehörte damals zum Königreich Hannover. Damit war auch Langeoog Teil der berühmten Gauß’schen Landesvermessung, die nächstes Jahr ihr 200jähriges Jubiläum feiert.


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Die Vermessung der Welt oder ganz viele Dreiecke für Ostfriesland

Über Carolinensiel und Wangeroog bin ich westlich nicht hinausgekommen. Außer auf Norderney soll auf den übrigen Inseln kaum ein Unterkommen zu finden seyn, Postament und Signalpfähle müßen vom festen Lande herbeygeholt werden, bey stürmischer Witterung ist man festgebannt; zwischen Wangeroog und Borkum, die 11 Meilen auseinander liegen, sollen auf den übrigen Inseln gar keine Thürme liegen, die von Ferne sichtbar sind, und dabey die Kuppen der Sand-Dünen, welche die höchsten Punkte abgeben, sehr beweglicher Natur seyn.

Ostfriesland ist am 29. März 1841 noch Terra Incognita für Georg Wilhelm Müller. Doch das sollte sich bald ändern, denn der Empfänger dieser Zeilen ist kein geringerer als Carl Friedrich Gauß, der mit der Landesvermessung des Königreichs Hannover beauftragt war. Seit 1821 ist man schon dabei, das ganze Land mit Dreiecken zu überziehen und zu vermesssen, doch eine Randzone fehlt noch: die ostfriesische Küste und ihre vorgelagerten Inseln. „Die Vermessung der Welt oder ganz viele Dreiecke für Ostfriesland“ weiterlesen

Gauß und der Granitstein auf Langeoog

Ein kleines Quadrat aus Stein guckt aus dem Boden. Ganz unscheinbar liegt es neben der eigentlichen Attraktion auf den Kaapdünen von Langeoog: dem Wasserturm. Der Blick der meisten Besucher geht an dieser Stelle nach oben oder in die Ferne auf die Weiten der Dünenlandschaft und die Nordsee. Nach unten fällt er eher selten. Dabei hat der Granitstein neben dem Wahrzeichen der Insel viel zu erzählen. Denn die Platte mit dem eingeritzten Kreuz in der Mitte ist eigentlich das oberste Ende eines Pfeilers, der hier in den Boden geht. Und der befindet sich an historisch bedeutender Stelle. „Gauß und der Granitstein auf Langeoog“ weiterlesen

Man hat das wunderbare Gefühl, als schaue man ihm gerade über die Schulter, wie er in Ostfriesland seine Postamente errichtet oder in dunkle Rauchschwaden blickt: So lebendig ist der Brief geschrieben, mit dem Georg Wilhelm Müller ausführlich Carl Friedrich Gauß in Göttingen über den Fortgang der Vorbereitungen für die geplante Landesvermessung auf den Ostfriesischen Inseln und der Küste informiert. Auf Norderney sollten die ersten Peilungen gemacht werden, wie dem im Original erhaltenen Rapport vom 15. Juni 1841 zu entnehmen ist. Von der Insel schreibt Müller auch seinem Chef – Sr Hochwohlgeboren |dem Herrn Hofrath Gauss |Ritter mehrerer Orden |etc etc etc |in |Göttingen – und berichtet etwa von den Gefahren, die einem Geodäten in hohen Kirchtürmen direkt unter Glocken drohen: „Als wäre es Gestern: Bezaubernder Briefwechsel“ weiterlesen

Terra X: Ein rastloser Abenteurer namens Müller

Das ist, was am Ende übrig blieb von der bedeutenden Königlich Hannoverschen Landvermessung: eine große Holzkiste. Sie enthielt Abschriften sämtlicher Daten und Berechnungen von Gauß und seinem Team und wurde am 15. März 1848 an das hannoversche Innenmisterium gesandt. Darin befanden sich 35 Hefte mit Messungsjournalen, sechs Hefte Abrisse und das Koordinatenverzeichnis. Zwischen diesen Buchdeckeln reihten sich die Zahlen, Daten und Fakten einer 23 Jahre langen Forschungsreise. Von Anfang an war Georg Wilhelm Müller mit dabei. „Terra X: Ein rastloser Abenteurer namens Müller“ weiterlesen

Alles aus Bronze: Von großer Kunst im weiten Raum

Sie gehören einfach zu Ostfriesland wie Deiche, Dünen und Doornkaat: Figuren aus Bronze. In wohl keiner Region Deutschlands gibt es so viele davon zu sehen, wenn man jedenfalls all die Denkmäler herausrechnet, die hierzulande Bismarck und den kaiserlichen Wilhelms gewidmet sind. In ostfriesischen Breiten sind es mit wenigen Ausnahmen nicht die Herrscher, sondern die Menschen des Landes, denen man die Skulpturen widmete: etwa den Fischern wie im romantischen Kutterhafen von Neuharlingersiel oder wie in Emden, wo sich mittlerweile drei „Delftspucker“ am historischen Hafen versammeln. „Alles aus Bronze: Von großer Kunst im weiten Raum“ weiterlesen

Heiß geliebt und in Bronze gegossen: Lale Andersen

Bronzefiguren zählen in der Kunst zur Gattung der Bildhauerei. Doch gehauen wird hier in aller Regel nichts, sondern gegossen. Auch die wohl meist fotografierte Bronze Ostfrieslands, das Lale Andersen-Denkmal unter dem Wasserturm von Langeoog, ist ein Bronzeguss. Das Modell dazu fertigte die Langeooger Goldschmiedin und Künstlerin Eva Recker an. Pünktlich zum 23. März 2005, dem 100. Geburtstag des Weltstars, wurde die Skulptur feierlich eingeweiht. Die Sängerin der „Lili Marleen“ hatte sich auf der ostfriesischen Insel kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieg niedergelassen, hier war sie bis zu ihrem Lebensende Zuhause. Obwohl sie im Alter von 67 Jahren am 29. August 1972 in Wien starb, wurde sie auf eigenen Wunsch in den Dünen von Langeoog begraben.

Unter großer Anteilnahme der Insulaner geschah das. Bis heute ist Lale Andersen noch tief im Gedächtnis der Nordsee-Insel verwurzelt, wie auch ein eigener Raum, den das Langeooger Heimatmuseum ihr in großer Anerkennung widmet, belegt. Jede Woche erklingen ihre Lieder und Evergreens aus hunderten von Kehlen beim beliebten Dünensingen So war es vielleicht nur eine Frage der Zeit bis man der mit Abstand berühmtesten Frau der Insel ein eigenes Denkmal stiftete. Mittlerweile ist die Bronzefigur von Eva Recker fast ebenso bekannt wie der Wasserturm, das Wahrzeichen Langeoogs, hinter ihr. „Heiß geliebt und in Bronze gegossen: Lale Andersen“ weiterlesen

Was macht eigentlich der Alte Fritz an der Knock?

Er ist hier nun wirklich nicht zu übersehen: Friedrich der Große, der mächtige Herrscher über Ostfriesland. Mehr als vierzig Jahre lang bestimmte der Preußenkönig aus Berlin über die Geschicke des Landes, auf dessen Weite er hier als Monumentalkunstwerk aus Bronze so entschlossen blickt. Der Standort jedenfalls ist außergewöhnlich. Eigentlich hätte man ein Denkmal von solchem Format – 2,75 Meter ist allein die Figur groß, dazu kommt noch ein 1,50 Meter hoher Sockel – an etwas repräsentativerer Stelle vermutet. Was macht er eigentlich hier an der Knock, ganz am Rande von Emden, am Rysumer Nacken, dem südwestlichsten Zipfel Ostfrieslands, wo die Straße nach nur wenigen Metern im Niemandsland endet? „Was macht eigentlich der Alte Fritz an der Knock?“ weiterlesen