Klimawandel: Gefahr auch für die kleinen Knutts

Er gehört nicht einmal zu den »Flying Five«, den fliegenden Markenbotschaftern des Wattenmeers: Die Rede ist vom Knutt. Dabei ist er in großer Zahl und in Schwärmen überall am Wattenmeer zu sehen. Bis zu 72.000 dieser geselligen, amselgroßen Vögel sind allein in Niedersachsen unterwegs. Zweimal im Jahr machen sie an der Nordseeküste Zwischenstation. Sie haben bereits eine 4.000 Kilometer lange Strecke hinter sich, wenn sie im Frühjahr aus ihren Winterquartier in Westafrika ankommen, und eine ebenso lange vor sich, wenn sie weiterfliegen zu ihren Brutgebieten in Nordsibirien.

Während des anstrengenden Fluges reichlich abgemagert, haben die ausgesprochenen Langstreckenzieher keinerlei Reserven mehr und müssen dringend auftanken. Die weiten, geschützten Flächen des Nationalparks Wattenmeer sind dazu ideal. Auf seinen relativ kurzen Beinen sucht der Knutt dann im feuchten Boden der Ebbe nach Nahrung, watet durch flaches Wasser und stochert nach seiner Leibspeise: kleinen Muscheln und Wattschnecken, die er unzerkaut frisst und im Muskelmagen verdaut. Dabei legt er in seinem Körper ein Fettdepot an und kann in nur vier Wochen sein Gewicht von 140 auf 240 Gramm fast verdoppeln. Damit ist er bestens gerüstet für die bevorstehende lange Weiterreise in die arktische Küstentundra.

Dort droht der Vogelart seit einigen Jahren Gefahr. Denn durch den Klimawandel tritt die Schneeschmelze in den arktischen Zonen einige Wochen früher als bisher ein. Damit schlüpfen auch die Insekten in den Brutgebieten früher. Für Knutt-Küken, die wie gewohnt später auf die Welt kommen und sich von diesen Insekten ernähren, ist das ein schwerer und hungriger Start ins Leben. Sie wachsen schlechter, auch ihr Schnabel ist merklich kürzer. Was ihnen im Winter in Afrika zum tödlichen Verhängnis wird, da sie bestimmte, im Watt vergrabene Muscheln als Nahrungsquelle nicht mehr erreichen.

Wenn der Knutt sein Prachtgewand trägt, dann leuchtet die Unterseite rotbraun. Am Wattenmeer sieht man ihn nur in seinem Schlichtkleid, weiß mit grau gefleckter Brust. Auch im Winter kann man übrigens Knutts beobachten. Diese Gruppen sind dann nicht auf Durchreise wie die aus Afrika, sondern kommen aus Nordostkanada und Grönland zum Überwintern hierher.


All das ist nachzulesen in „111 Dinge über das Wattenmeer, die man wissen muss“ – ein Buch, das dieses Jahr ganz neu im Emons Verlag erschienen ist. Neben der Geschichte über die gefährdeten Knutts, kann man darin auch viel Interessantes über andere Vogelarten des Wattenmeers erfahren, über den Vogelzug und die Welt dieser faszinierenden Wesen des Himmels.

Das Wattenmeer ist ein wildes Stück Deutschland. Seit 2009 ist das Schwemmland im Norden, das sich von den Niederlanden bis nach Dänemark erstreckt, mit dem Titel UNESCO-Weltnaturerbe geadelt. Eine amphibische Landschaft, die von oben so schön ist wie das Mündungsdelta des Orinoco, heißt es. Das Buch nimmt Sie mit auf eine Reise in dieses Zwischenreich, nicht Land, nicht Meer, im ewigen Rhythmus von Ebbe und Flut, angezogen von gewaltigen kosmischen Kräften. Es erzählt von Spionage im Wattenmeer, von tragischen Unglücksfällen, kulinarischen Neuentdeckungen und spannenden Forschungsprojekten zu Klimawandel und Nachhaltigkeit. Ein Haufen Schlick? Mitnichten! Mehr Leben geht nicht.

13,5 x 20,5 cm, 240 Seiten

ISBN 978-3-7408-1081-8

Euro 16,95 [D] , 17,50 [AT]

Der Austernfischer | Omnipräsent: nicht zu übersehen und zu überhören – Die Flying Five | Der Alpenstrandläufer ist einer – von ganz vielen – Der Knutt | Viel unterwegs, der kleine Langstreckenzieher – Die Löfflerkolonie | Eine „absolute Erfolgsstory“ des Vogelschutzes – Der Ostatlantische Vogelzug | Raststätte Wattenmeer: die globale Drehscheibe – Die Pfuhlschnepfe | Langstreckenrekord eines bedrohten Zugvogels – Die Ringelgans | Vom gejagten Federvieh zum Halligen-Superstar – Der Rotschenkel | Ein sicheres Revier für den Nachwuchs und die Art – Die Seeschwalbe | Auf die lange Distanz: einmal um die ganze Welt – Die Silbermöwe | Groß und gesellig: als Paar durch ein langes Leben – Der Vogelbeobachtungssturm | Am Hafen von Neßmersiel: Watvögel zum Greifen nah – Die Zugvogeltage | Das große Fest im Herbst: die „Nomaden der Lüfte.


Die beiden Vogelbilder dieses Beitrages wie auch die Bilder des Buches sind von Andreas Klesse aus Jever, vielfach ausgezeichnet für seine meisterhaften Fotografien. Auf seiner Webseite www.klesse-fotos.de gibt es jede Menge weitere Motive zu sehen sowie diverse Foto-Kalender zu bestellen. Natürlich auch einer über das Wattenmeer!

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Traumberuf Nationalpark-Ranger: Jochen Runar

Seinen Rangerhut, den „Mounty“, trägt er nur zu besonderen Anlässen und durch die Dünenlandschaft streift er auch nicht wie Indiana Jones mit der Waffe im Anschlag, sondern friedlich mit dem E-Bike und in Dienstkleidung der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. Dennoch ist sein Beruf einer von denen, bei dem der Gedanke an Abenteuer, Wildnis und grenzenloser Freiheit sehr schnell kommt. Jochen Runar ist der Nationalpark-Ranger von Langeoog.

Langeoog hat kein Nationalparkhaus wie die anderen Ostfriesischen Inseln. Dennoch muss sich einer vor Ort um den Nationalpark Wattenmeer kümmern, der mit Ausnahme des bebauten Dorfes und den für Tourismus reservierten Strandabschnitten weite Flächen der Insel einschließt: Es gilt die Natur im UNESCO Welterbe zu schützen, aber auch einer der zentralen Ansprechpartner und Informationsvermittler für viele Menschen zu sein. So lautet in etwa die Berufsbeschreibung eines Nationalpark-Rangers auf einer Urlaubsinsel. Jochen Runar ist in Ausübung seines Berufs immer beides: Wächter und Kommunikator in Personalunion. Die Medien schauen gerne vorbei zum Gespräch und Interview mit dem Ranger. Nicht nur Ostfriesland Reloaded, auch die FAZ war zum Portrait über ihn schon da, Buchautor:innen, und das Fernsehen sowieso.

Zugvogeltage – ein Highlight im Kalender des Nationalparks

Zu den größten Informationsveranstaltungen der Nationalparkverwaltung zählen die Zugvogeltage, das große Event des Jahres im Herbst, das in der gesamten Küstenregion Niedersachsens mit mehr als 250 Terminen und Veranstaltungen gerade wieder gefeiert wird. Jochen Runar trägt wie immer seinen Teil zum Programm bei: Neben täglichen Sprechstunden, die er die ganze Woche über zwischen 11 und 13 Uhr im Vogelwärterhaus des Nationalparks gegeben hat, hatte er in diesem Jahr zwei spezielle Highlights für Langeoog im Programm:

Am Montag fand im Anschluss an die Sprechstunde eine von ihm geführte Tour ganz in den Osten der Insel, ans Osterhook, statt. Und gerade Gestern hatte er von 13 bis 16 Uhr zu einer vogelkundlichen Fahrt mit dem Spektiv eingeladen. Diese Touren waren allesamt gratis und wurden wie letztes Jahr von vielen Besuchern angenommen. „30 bis 40 Leute waren jeweils dabei. Wetter und Stimmung waren super“, berichtet ein gut gelaunter und nach einer Woche unermüdlicher Öffentlichkeitsarbeit im Dienst der Natur leicht erschöpfter Ranger. „Wir konnten sogar einige Ohrenlerchen beobachten“, was die Vogelfreunde gefreut haben dürfte.

Beim „Aviathlon“ steht Langeoog in diesem Jahr scheinbar auch ganz gut da. Dabei handelt es sich um einen Wettbewerb, bei dem die Veranstaltungsorte möglichst viele unterschiedliche Vogelarten beobachten und zählen. In der Vergangenheit lag die Insel meistens im hinteren Mittelfeld. Sein Aufruf an Hobby-Ornithologen, ihn noch mehr zu unterstützen, hat scheinbar Früchte gezeigt: „Momentan stehen wir an dritter Stelle der Inseln hinter Norderney und Wangerooge.“

Jochen Runar freut sich schon auf Sonntag. Da geht es für ihn am 17. Oktober hinüber ans Festland, ins Wangerland, zum Abschlussfest der Zugvogeltage in Horumersiel: das große Treffen aller Freunde der Vogelwelt und des Wattenmeers, der so überlebenswichtigen Raststätte für Millionen Zugvögel auf der Welt.

Schnell ausgebucht: Mit dem Ranger ins UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer

Die Zugvogeltage sind der Höhepunkt des Jahres, doch auch in der Saison ist Runar regelmäßig in Sachen Informationsvermittlung unterwegs: „Denn nur was man kennt, wird man schätzen und schützen“. Auf Wunsch der Gemeinde bietet er im Sommer meist mittwochs seine „Führung durch das Weltnaturerbe Wattenmeer“ an. Sie gehört zu den beliebtesten Veranstaltungen im Angebot der Insel. Beim Deichschart am Seedeich geht es los mit einer Einführung zum Thema „UNESCO Weltnaturerbe“. Warum wurde das Wattenmeer überhaupt Weltnaturerbe? Und warum ist es eigentlich von universellem Wert für die Menschheit? Ohne zu viel zu verraten: Es sind genau drei Kriterien, mit denen das Wattenmeer punkten konnte. Schon eines davon hätte für die Ernennung ausgereicht.

Runar zieht mit seiner Gruppe und einem Spektiv radelnd weiter gen Osten zur Löfflerkolonie, einer der vogelreichsten Deutschlands. Während die „weißen Seltenheiten“ mit ihren auffälligen Schnäbeln durch das Wasser seihen, berichtet der Ranger von den größten Gefahren für die örtliche Vogelbrut: von den Igeln, die sich über die Eier hermachen und von den wilden Katzen, die die frisch geschlüpften Küken fressen. Das Problem mit den Igeln sei aktuell gelöst, mittlerweile seien wohl alle ans Festland verfrachtet. Doch mit den wilden Katzen sei es schwieriger – hier sei vor allem Kommunikation gefragt, man bitte um Verständnis für deren Regulierung.

Die Tour führt weiter auf den höchsten Punkt der Insel, die Melkhorndüne. In der Brutsaison lassen sich dort Möwen und ihre Küken so nah beobachten wie sonst wohl nirgendwo. Und das, ohne die Brut zu stören. Der Bestand der ehemals riesigen Kolonie an Silbermöwen hat stark abgenommen, dafür sind umso mehr Heringsmöwen zu sehen.

Unterwegs mit Runar lernt man auch viel über die Fauna: etwa über Arten, die nicht hier heimisch sind, wie die Kartoffelrose aus der Kamschatka, der japanische Knöterich, der Riesenbärenklau oder die Spätblühende Traubenkirsche (sie gedeihen hier allesamt prächtig und werden zu einem Problem der Naturschützer); aber auch über die heimische Krähenbeere, den Tüpfelfarn oder das Silbergras, die die so typische Dünenlandschaft Langeoogs prägen.

Traumberuf an einem Sehnsuchtsort

Runar gibt hier ausgesprochenes Expertenwissen weiter: Denn er hat Forstwissenschaft studiert, kann dazu noch eine Lehre als Gärtner vorweisen, und eine spezielle Ausbildung als Sonderpädagoge hat er ebenfalls. Der 61jährige kam 2015 als Ranger nach Langeoog. Damals wurden diese Stellen vom Nationalpark neu geschaffen. Vorher war die Arbeit von den Dünen- und Vogelwarten des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz erledigt worden. Runar bekam einen der begehrten Posten und erfüllte sich damit einen Kindheitstraum: „Für mich ist das Wirken in dem spannendsten Naturraum, den Mitteleuropa zu bieten hat, eigentlich keine Arbeit. Es gibt meinem Leben sehr viel Sinn.“

13 Ranger, davon zwei Frauen, kümmern sich zurzeit im Niedersächsischen Nationalpark um den Naturschutz, bald werden es 14 sein. Zweimal im Jahr trifft man sich persönlich zu einer Dienstbesprechung und dem Austausch untereinander. Jedes Jahr am World Ranger Day, dem 31. Juli, präsentieren sie sich und ihren besonderen Berufsstand zudem mit vielen spannenden Aktionen an ihren jeweiligen Standorten. Dieses Jahr fiel der aber auch für Runar, der in der Flinthörnhütte des Nationalparks im äußersten Westen Langeoogs Position beziehen wollte, wegen orkanartiger Winde und heftiger Regenfälle ins Wasser. Zu seinen pädagogischen Aufgaben gehört ebenfalls die Ausbildung von Junior Rangern: „Da gab es in der Vergangenheit einen leichten Mädchenüberhang auf der Insel“, weiß er vom Nachwuchs zu vermelden.

Draußen in der Natur erkennt man den Ranger von Langeoog, außer am Fernglas, an seiner blauen Dienstkleidung mit dem Emblem der Nationalparkverwaltung. Er sieht sich zwar selbst nicht als „Reserve-Wachmann“, aber ein Freund der klaren Ansagen ist er schon.

Auf Jochen Runar sollte man hören, denn er hat viel zu erzählen. Regelmäßig tut er das auch im Utkieker, dem Monatsmagazin der Inselgemeinde. Dort öffnet er in jeder Ausgabe die Notizkladde und berichtet in seiner Rubrik über „Erfreuliches und weniger Erfreuliches aus der Langeooger Natur“. Die Themen für seine Beiträge gehen ihm, auch nach sechs Jahren des Schreibens, nie aus. Dazu gibt es jeden Monat einfach zu viel zu entdecken, liefert die Natur im Nationalpark Wattenmeer immer wieder neue spannende Geschichten.

Nationalpark-Ranger Jochen Runar weist den Weg: Da geht’s hinein ins UNESCO-Weltnaturerbe.

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Hinweise: Dieser Artikel ist in einer früheren Fassung in der Oktober-Ausgabe des „Utkieker“ zu lesen, dem Inselmagazin von Langeoog, das im Enno Söker Esens (ESE) – Verlag erscheint. Der Beitrag hier ist eine überarbeitete und längere Version, die weitere tagesaktuelle Informationen zu Jochen Runars Programm rund um die Zugvogeltage liefert. Das Bild der Dame mit dem Spektiv oben ist von Sina Winkmann.


Der digitale Hut: Ostfriesland Reloaded gefällt mir!

Ostfriesland Reloaded ist nicht kommerziell. Durch den Verzicht auf Werbung können Sie sich ganz auf den Inhalt konzentrieren: auf spannende Themen, unterhaltsame Texte und faszinierende Bilder. Gefällt Ihnen Ostfriesland Reloaded? Dann können Sie freiwillig dafür 1 Euro spenden – oder auch mehr. Die Anzahl der Euros können Sie über die Pfeile steuern oder direkt im Kasten ändern. Vielen Dank für Ihre Wertschätzung.

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Spektakel: Das große Fest der Zugvögel am Wattenmeer

Jetzt, im Herbst, ist wieder Hochsaison des Vogelzugs. Auf der ostatlantischen Route, die von Sibirien über Nordeuropa immer die Küste entlang bis hinunter nach Südeuropa und hinüber nach Afrika führt, spielt das Wattenmeer eine existenzielle Rolle für die Tiere. Mit seinem riesigen Nahrungsangebot aus Würmern, Muscheln und Krebsen ist es für 12 Millionen Zugvögel die zentrale Raststation auf der langen Strecke. Ohne das Wattenmeer der Nordsee würde der ostatlantische Vogelzug zum Erliegen kommen.

Mit einem umfangreichen Programm, das die Verwaltung vom Niedersächsischen Nationalpark Wattenmeer auf den Inseln und an den Küsten Ostfrieslands, rund um den Jadebusen und in Cuxhaven auf die Beine gestellt hat, wird dieses grandiose Naturspektakel auch in diesem Jahr wieder gefeiert. Mehr als 250 Termine und Veranstaltungen stehen im Kalender der 13. Zugvogeltage vom 9. bis 17. Oktober.

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Beziehungskiste: Hin gen Norden zieht die Möwe, Hin gen Norden zieht mein Herz

… Fliegen beide aus mitsammen, Fliegen beide heimatwärts.

So romantisch klingt es noch im 19. Jahrhundert bei Theodor Storm, dem großen Heimatdichter und Novellisten des Nordens, wenn er von den weißen Vögeln der Nordsee schreibt. Dem Autor des berühmten Schimmelreiter sind die gefiederten Wesen eine Herzensangelegenheit: Die Möwe und mein Herz heißt sein Gedicht. Möwen am Himmel, das war für die alten Seefahrer ein gutes Zeichen: Land war nicht mehr weit, die Heimat und die Liebste nah. Der Flug einer Möwe am Himmel war die Verheißung auf einen guten Ausgang der Seereise, auf glückliche Heimkehr.

1970 erschien die Möwe Jonathan des US-Autors Richard Bach. Es avancierte zum Kultbuch und Bestseller. Die kleine Möwe mit ihren immer riskanteren Flugmanövern wurde zum tierischen Vorbild für die Hippie-Generation und alle, die nach Freiheit und Selbstverwirklichung suchten: eine poetische Fabel, die dazu aufruft, unsere Träume und Sehnsüchte nicht aus den Augen zu verlieren.

Mit keiner anderen Tierart verbinden wir so stark Meeresrauschen und maritimes Leben. Neben dem Seehund ist die Möwe wohl das beliebteste tierische Fotomotiv der Nordsee, und darf auf keinem Postkartenständer fehlen. Fliegender Mülleimer, gefräßige Räuber – das sind Begriffe, die im Zusammenhang mit Möwen aber auch fallen. Auf der Suche nach Nahrung können sie so rechte Plagegeister werden.

Zu kaum einen Tier haben wir Menschen wohl eine ambivalentere Beziehung als zu diesen Küstenvögeln. Die Spannweite der Emotionen ist groß – und immer auch Ausdruck seiner Zeit. In diesem Schwerpunkt beleuchtet Ostfriesland Reloaded die wechselhafte Beziehung zwischen Möwe und Mensch. Erzählt wird

Ein ganz besonderer Dank geht an Stephan Höstermann aus Esens, dem Zeichner der beliebten Hösti-Cartoons, der dieses Spezial mit seinen schreiend komischen Möwen-Bildern bereichert. Diese und noch viel mehr kann man hier bestellen.

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Titelfoto: Silbermöwe im Flug – Mit freundlicher Genehmigung von Andreas Klesse, Jever (https://www.klesse-fotos.de)

Die Kolonie, der Müll und die Silbermöwen

Der Möwenbestand schwankte in den letzten beiden Jahrhunderten stark und war auch immer Ausdruck seiner Zeit. Noch Ende des 19. Jahrhunderts wurden Möwen gerne nur zum Vergnügen und Zeitvertreib gejagt: Ihre langen Federn waren in Mode und zierten die Hüte der Damenwelt. Auch auf Langeoog war der Bestand daher fast komplett dezimiert. 1875 errichtete man für die Möwenkolonie beim »Dreebargen« ein Naturschutzgebiet, das deutschlandweit erste und älteste Naturschutzgebiet für eine Tierart.

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Zum Fressen gern! Von Menschen und Möwen

Man kann schon sagen: Die Beziehung zwischen dem fliegenden Federvieh und uns Zweibeinern ist vor allen Dingen eine kulinarische. Die Liebe zu den Vögeln ging für uns Menschen lange Zeit lange durch den Magen. Denn bis weit ins 20. Jahrhundert hinein galten Möweneier als Delikatesse. Historische Dokumente belegen etwa für Langeoog, dass das Sammeln von Möweneiern auf der Insel von jeher eine große Rolle spielte, als Nahrung und wichtige Einnahmequelle.

So beschwerte sich im Herbst 1824 die Pächterin der Meierei, eines Hofgutes im Osten der Insel, darüber, dass die Insulaner ihren Brunnen durch das Hineinwerfen von faulen Eiern verunreinigen würden. Die Hauptaufgabe der Vogelwarte von Langeoog war einst, die Seevogelkolonie vor Eierdieben zu schützen. „Zum Fressen gern! Von Menschen und Möwen“ weiterlesen

Naturnah: Bildung ganzheitlich erleben im Ökowerk Emden

Dieses seltsame Gebilde ist ein Schlickstein. Ein expressives Kunstwerk aus Kinderhand, das ziemlich gut zeigt, worum es beim Ökowerk in Emden immer wieder geht: Um einen ganzheitlichen Blick auf die Dinge. Hier auf den Schlick, den man gesammelt und dann getrocknet hat, und aus dem ein Stück Kunst wurde. Die kleinen Künstler wissen danach, wo das Material her kommt, wie es sich anfühlt und was man daraus alles machen kann. Spielerisch lernen, kreativ an die Dinge herangehen, alle Sinne einsetzen – das ist hier direkt am Deich in Emden eines der wichtigsten Grundprinzipien bei der Vermittlung von Wissen. „Naturnah: Bildung ganzheitlich erleben im Ökowerk Emden“ weiterlesen

Eine Hausdame mit ganz viel Sanddorn im Dünen-Garten

Heidi Eisengarten ist die Hausdame im Hermann Lietz-Internat auf Spiekeroog. Wie bitte? Hausdame? Was ist das denn? Gut, man könnte auch Housekeeping Manager sagen. Das ist ein Begriff aus der Hotellerie und der trifft es eigentlich recht genau. Denn es geht hier ums Organisieren, um den reibungslosen Ablauf der kleinen Maschine „Lietz“ – und das Internat hat viel gemeinsam mit einem Hotelbetrieb. Der Arbeitsbereich einer Hausdame ist sehr vielfältig und in aller Regel im Management angesiedelt. Noch jeder Lietz-Direktor wusste um die Wichtigkeit dieser Funktion im Getriebe. „Eine Hausdame mit ganz viel Sanddorn im Dünen-Garten“ weiterlesen

Welcome to the Weltwunder: Fressen und gefressen werden im weiten Wattenmeer

„So schön wie das Mündungsdelta des Orinoco“, das hat mal jemand über die amphibische Landschaft zwischen Nordseeküste und Ostfriesischen Inseln geschrieben. 10.000 Quadratkilometer ist es groß, dieses weltweit einzigartige Gebilde, das sich entlang der niederländischen und deutschen Küste bis nach Dänemark zieht. 2009 ist es von der UNESCO zum Weltnaturerbe der Menschheit ernannt worden: das Wattenmeer. Das Watt ist jener Teil des Wattenmeeres, der im Wechsel der Gezeiten regelmäßig überflutet wird und wieder trockenfällt. Das Watt nimmt zwei Drittel des gesamten Wattenmeeres ein. „Welcome to the Weltwunder: Fressen und gefressen werden im weiten Wattenmeer“ weiterlesen