Ostfriesland History: Geschichten von Gestern und goldenen Grenzen

In der letzten Ausgabe des Jahres wirft Ostfriesland Reloaded einen Blick zurück:

Es stellt Ihnen ein Buch vor, das neu aufgelegt und gestaltet, soeben wieder erschienen ist: Ostfriesland. Ein schneller Ritt durch Raum und Zeit ist eine Sammlung spannender, historischer Artikel, von denen viele bisher nur vereinzelt auf Ostfriesland Reloaded zu lesen waren. In der gedruckten Version fügen sich die Beiträge nun ein in ein größeres historisches Ganzes. Das ostfriesische Geschichte(n)-Buch ist die ideale Couchlektüre zum Schmökern zwischen den Jahren – auch als Geschenk immer gut geeignet, und das nicht nur zu Weihnachten! Sofort und versandkostenfrei bestellbar über den Shop des Verlages www.soeker-druckshop.de.

Neben dem Buchtipp in eigener Sache punktet die neue Ausgabe von Ostfriesland Reloaded mit zwei Artikeln zu einem ebenfalls historischen Thema: Es geht dabei um die sagenumwobene „Goldene Linie“, die einst zwischen Ostfriesland und Oldenburg gezogen wurde. Begeben Sie sich mit Ostfriesland Reloaded auf Spurensuche nach dieser berühmten Geraden, machen Sie eine kleine Zeitreise in die Gegenwart und das Grenzgebiet. Und lernen Sie ganz nebenbei mehr über die Hintergründe und Vermessung dieser bis heute relevanten Linie.

Viel Spaß beim Lesen!

Spannend! Ein schneller Ritt durch Raum und Zeit

Geschichte muss nicht langweilig sein. Das beweist auf jeder Seite dieses Buch, das pünktlich zu Weihnachten in einer aktualisierten Neuauflage erscheint: Mit „Ostfriesland. Ein schneller Ritt durch Raum und Zeit“ tritt man auf sehr unterhaltende Weise in die Fußstapfen unserer Vorfahren. Denn das Buch ist keine Geschichte Ostfrieslands. Es erzählt nicht chronologisch Jahrhundert um Jahrhundert die Meilensteine auf. Es ist eher eine pralle Sammlung vieler unterschiedlicher Geschichten. 7 x 7 Schnappschüsse, die alle einen kurzen Blick auf wesentliche Momente in der Vergangenheit Ostfrieslands richten.

Durch die punktuelle Sicht auf die Dinge entsteht so eine vielschichtige Historie von Land und Leuten in Ostfriesland. Ein Mosaik von Reportagen aus der Vergangenheit.

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Die „Goldene Linie“ heute: Eine Spurensuche

Am Anfang der langen Geraden steht noch ein kleiner Grenzstein, ganz unscheinbar im Grün. Ihn zu finden, war nicht so einfach wie gedacht. Von der Spurensuche nach der berühmten Grenze zwischen Ostfriesland und Oldenburg, der „Goldenen Linie“, erzählt diese Geschichte: Was sieht man heute noch von ihr? Wo ist ihr Ausgangspunkt, wie ist ihr Verlauf? Ein Ausflug mit kleinen Irrwegen, ein Trip mit überraschenden Ergebnissen und Eindrücken von unterwegs.

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Zu einer Grenzziehung besonderer Art ist es 1666 zwischen Oldenburg, als dem damaligen Besitzer des Jeverlandes, und Ostfriesland gekommen: nicht vorhandenes, sondern erst entstehendes Land galt es untereinander aufzuteilen.

Die Harlebucht reichte zu Beginn des Deichbaus, also in der Zeit um 1000 n. Chr., tief ins Landesinnere hinein, etwa bis Funnix und Berdum. Schwere Sturmfluten haben sie im 14. Jahrhundert teilweise noch bis Esens, Burhave und Wittmund vergrößert. Doch seit dem 15./16. Jahrhundert verlandete die Harlebucht allmählich. Es begann eine Epoche langsam voranschreitender Eindeichungen, bis mit dem Elisabethgroden von 1895 der heutige Zustand einer geraden Küstenlinie erreicht war, der nichts mehr von der alten Bucht erahnen lässt.

Das Gebiet südlich der Harlebucht gehörte teils zu Ostfriesland, teils zum Jeverland. Mit der zunehmenden Verlandung, mit dem Voranschreiten der Einpolderung erhob sich im 17. Jahrhundert der Streit, wo im anwachsenden Land die Grenze zwischen den beiden Territorien verliefe. Da vor der Harlebucht die ostfriesische Insel Spiekeroog und die jeverländisch-oldenburgische Wangerooge liegen, einigte man sich am 22. Dezember 1666 schließlich auf eine Grenzlinie, die die Mitte zwischen beiden Inseln anpeilte.

Jede Seite beauftragte einen Ingenieur, die Ostfriesen den aus den Niederlanden stammenden „beeidigten und am Hofe von Holland promovierten“ Ingenieur Johann von Honart, die Oldenburger den jeverschen Ingenieur Falke. Das Ergebnis ihrer Vermessungen hält die hier abgebildete Karte fest:

Ausgangspunkt war der ostfriesisch-jeverländische Grenzpfahl auf dem 1658 erbauten Deich zwischen Neufunnixsiel und Neugarmssiel. Mit den beiden „Baken“, die man auf dem Rand der hohen Dünen im Osten von Spiekeroog und dem Westen von Wangerooge setzte, bildete er ein rotes Vermessungsdreieck. Von diesem Grenzpfahl aus zog man eine „goldene Scheitlinie“ zur Mitte der Verbindungslinie zwischen den beiden Baken. Die Farbe der „Scheitlinie“ auf dieser Karte gab der Grenze ihren Namen: „Goldene Linie“, die laut dem Vertragstext „von nun an und fürters zu ewigen Tagen sollte gehalten und geachtet werden.“

Und in der Tat hat sie bis heute wenigstens im Bereich des festen Landes Bestand. Die Karte enthält noch zwei weitere Linien, die von dem Grenzpfahl ausgehen. Das eine ist die Peillinie auf den Wangerooger Kirchturm. Nach ostfriesischer Auffassung hätte nach altem Herkommen diese die Grenzlinie sein sollen – ihr entsprach ja auch die Grenze des 1658 angelegten Enno-Ludwigs-Groden (während die Oldenburger die auf Spiekeroog zulaufende Kapte-Balje links neben dem linken Dreiecksschenkel als Grenze ansahen). Um die besser begründeten ostfriesischen Ansprüche endlich abzufinden, ist bei der erst Jahrzehnte später erfolgten Ratifizierung des Grenzvergleichs im Jahre 1743 den Ostfriesen eine Entschädigung von 11 000 Reichstalern zugestanden worden. Die andere Linie, die über die Wangerooger Dünen hinwegführt, zeigt die Himmelsrichtung nach Norden an. Die Beschriftung vermerkt, dass von ihr die „Goldene Linie“ um 20 Grad abweicht.

Dank der genauen Vermessungen, trägt diese Karte dazu bei, den Zustand der Küste, die Lage der Inseln vor gut dreihundert Jahre zu rekonstruieren, und sie lässt im Vergleich mit modernen Karten erkennen, wie stark sich die Inseln infolge der Meeresströmungen seither ostwärts verlagert haben: Die „Golden Linie“ verläuft heute über den Ostteil von Spiekeroog.

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Dieser Beitrag ist eine wortgetreue Abschrift von Texten, die im „Grenzhäuschen“ von Middoge im friesischen Wangerland angebracht sind.

Von einem, der in die Welt zog, um in Ostfriesland seine Heimat zu finden

Auch die Medien merkten schnell, da ist einer, der hat etwas zu sagen: Kraft seines Amtes, aber auch angetrieben von einer Leidenschaft, die ihn stets für Natur und Menschen gleichermaßen streiten lässt. Nachhaltigkeit ist sein großes Thema, für die Umwelt wie für das „Ökowerk Emden“ , um dessen Wirtschaftlichkeit und Existenzsicherung es ihm auch immer geht. Die Rede ist von Detlef Stang, dem Geschäftsführer des weit über die Region hinaus bekannten Umweltbildungszentrums an der Ems. Das dies heute so ist, ist auch ihm zu verdanken, der die Geschicke der Stiftung nun seit fast siebzehn Jahren ausgesprochen erfolgreich führt.

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Im Portrait: Detlef Stang, Macher und Mensch

Der Geschäftsführer vom Ökowerk Emden ist ein ganz besonderer Chef. Das spüren alle, die mit ihm zu tun haben: die Mitarbeiter, Pädagogen, Gäste und Besucher des weit über die Region hinaus bekannten Umweltbildungszentrums. Wenn Detlef Stang nun bald in Rente geht, dann werden es am Ende genau 16 Jahre und elf Monate sein, in denen er die Geschicke der großartigen Anlage an der Ems geleitet hat. Dabei deutete in der Schulzeit des heute 65jährigen nicht gerade viel auf eine Berufskarriere und Leitungsfunktionen im In- und Ausland hin.

Rebell und Romantiker zugleich

Geboren am 25. April 1955 in Hagen, wuchs Detlef Stang in einem ganz kleinen sauerländischen Dorf in der Gemeinde Schalksmühle auf, als der mittlere von drei Söhnen. Mehr als die Eltern prägte ihn sein Großvater, ein waschechter Kommunist, Wegbegleiter noch von Ernst Thälmann. So wuchs in dem Teenager der Rebell, der fortwährend über die Rettung der Welt sinnierte. Auf dem Zeppelin-Gymnasium im nahe gelegenen Lüdenscheid tat er sich ein wenig schwer, „Ich war ein schlechter und unmutiger Schüler. Zudem noch Opfer des Kurssystems, das damals eingeführt wurde.“ Sein Lieblingsfach war Geschichte, und Deutsch mochte er auch gerne. Vor allen Dingen den Poesiekurs, den man gemeinsam im Klassenverbund mit dem eben zusammengelegten Mädchengymnasium absolvierte. Er war der einzige Junge unter 32 Mädchen, was unter anderem zur Folge hatte, dass er wegen seiner dunkleren Stimme häufig zum Rezitieren von Gedichten aufgerufen wurde.

Gedichte rezitieren, das macht er heute noch gerne. Auch im Ökowerk Emden merkt man von dieser Leidenschaft für die Poesie, überall zieren Tafeln mit Gedichten das Gelände. Ausgelöst durch Goethes berühmte Zeilen vom Gingko-Baum entstand 2015 die Idee eines Gedichtwettbewerbs. Einem öffentlichen Aufruf in der Zeitung folgte die unglaubliche Zahl von 1.400 Einsendungen. Stang hat sie damals alle gelesen. 86 davon kamen in die engere Wahl, Freunde wurden beteiligt, schließlich waren es am Ende 27 Gedichte, die heute auf dem „Pfad der Poesie“ zu lesen sind. Eines seiner liebsten ist vom relativ unbekannten Dichter Yvan Goll:

Am fünftausendsten Tag unserer Liebe
Bin ich noch immer so schüchtern wie einst
Beflecke meine weißen Handschuhe mit dem Blau
Zu früh gepflückter Glockenblumen
Und ersticke ungeschickt die Lerche
Die ich Dir mitgebracht habe in meiner Tasche
Noch immer weiß ich nicht wie ich Dir lächeln soll
Um die Traurigkeit meines Glücks zu verstecken
Und wenn ich Dich umarmen will
Werf ich die Sonne um

In dieses Gefühl könne er sich gut hinein versetzen. Genauso sei es ihm als junger Mann ergangen in seiner ungeschickten, nicht geäußerten und daher letztendlich auch unerwiderten Liebe zu einem Mädchen. Detlef Stang ist bis heute ein Romantiker.

Ein spät Berufener geht seinen Weg

Nach dem Abitur führt es ihn weg von der Poesie zunächst zur Bundeswehr, wo er eine Ausbildung zum Kfz- und Panzerschlosser mitnahm. Ansonsten hat er, wie als Schüler immer schon, hart gearbeitet, in Tag- und Nachtschicht in einer Fabrik. Er wollte unabhängig werden. Ihn trieb die Sehnsucht nach endloser Freiheit. Sein großes Ziel war damals eine Weltumseglung für die er sparte. Zu der kam es dann doch nicht. Denn mit 25 Jahren entschloss sich Stang schließlich zum Studium der Internationalen Agrarwissenschaft an der Universität Kassel. Eine wegweisende Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. „Es war damals auch der einzige Studiengang, der es ermöglichte, gezielt für den Entwicklungsdienst zu studieren.“ Der Standort des Instituts war in Witzenhausen, das auch bekannt ist als Sitz des Deutschen Tropeninstituts, dem Nachfolger der im Kaiserreich gegründeten Deutschen Kolonialschule.

„Das Studium war eine der schönsten Zeiten meines Lebens. Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe“, schwärmt Stang noch heute. Ein hoher Anteil von Praktika gehörte zur Ausbildung. So machte Stang als Student erste Auslandserfahrungen, kam schon früh in Kontakt mit anderen Kulturen: Er arbeitete ein halbes Jahr lang für ein Bewässerungsprojekt in Portugal. Für seine Diplomarbeit lebte er drei Monate in Peru, überquerte Pässe in 4.800 Meter Höhe und forschte über „Die Folgen der Abholzung am Osthang der Anden“. Sein Abschluss macht er 1985 mit dem Titel Dipl.-Ing. arg. trop. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass ein ausgewiesener Experte tropischer Flora und Fauna später in Ostfriesland seine berufliche Heimat fand.  

Afrika – die längste Liebe seines Lebens

Bevor es aber ins norddeutsche Flachland ging, führte der Weg für den frisch gebackenen Ingenieur in eine ganz andere Richtung. In den Süden, nach Afrika, an den Äquator. Lange lebte er in Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), noch viel länger in Ruanda. Stationen in Tansania, Kamerun und Namibia folgten. Über diese aufregende Zeit erfahren Sie mehr in einem Extra-Beitrag hier auf Ostfriesland Reloaded: Die große Liebe: einmal Afrika, immer Afrika. Das prägende Kapitel im Leben von Detlef Stang geht Anfang der 2000er Jahre zu Ende, als er mit seiner Familie wieder zurückkehrt nach Deutschland – in sein Haus in Ostfriesland, das er bereits 1990 gekauft hatte als sicheres Nest, wenn die Zeiten in Afrika mal wieder zu unruhig wurden. Hierhin ist er immer wieder zurückgekehrt, zum Auftanken und Ausruhen zwischen den vielen Reisen und Projekten.

In Ostfriesland wird der rastlose Entwicklungshelfer und Agraringenieur sesshaft und beginnt 2004 ein weiteres Lebensprojekt: das Ökowerk Emden.

Emden – fast so schön wie Afrika

Als er dort startet gibt es das Ökowerk Emden seit zirka zehn Jahren. Es war anfangs eine Gründung idealistischer Menschen, die sich Sorgen um die Umwelt machten und in Bildung einen wichtigen Weg sahen, für deren Schutz zu sensibilisieren. Zu Beginn war das Zentrum noch unter städtischer Trägerschaft. In der Amtszeit Stangs wurde die Trägerschaft 2008 in eine Stiftung überführt, sein Arbeitgeber.

„Als ich anfing, war ich der einzige Angestellte des Ökowerks. Momentan zählen wir 27 Beschäftigte. Wir sind ein richtig kleines Unternehmen geworden, was auch meine Aufgaben als Geschäftsführer mit der Zeit erheblich verändert hat.“ Auch wenn das Zentrum heute viele Standbeine hat, in unterschiedlichen Feldern aktiv ist, ist das Wichtigste die Umweltbildung. Alles andere ist diesem untergeordnet und dient vor allem der Hauptaufgabe, die Finanzierung des Kerns des Ökowerks sicherzustellen. Stang nennt das „an der eigenen Nachhaltigkeit arbeiten“ – und dadurch auch dessen Unabhängigkeit zu sichern.

Dynamisch war das Umfeld seines Wirkens, meint er leicht schmunzelnd. Wenig war anfangs strukturiert, einiges musste erst entwickelt werden. In seiner Zeit seien viele Projekte entstanden und betreut worden, man sei neue Kooperationen eingegangen, und vor allem habe man Wert auf den Aufbau dauerhafter Strukturen gesetzt.

Zu den schönsten Aufgaben gehörte für ihn der Aufbau des „Pomarium Frisiae“. Darin befinden sich weit über 1.000 Obstsorten, darunter mehr als 650 Apfelsorten – die größte Sammlung von Apfelsorten im gesamten Nordwesten Deutschlands. Für dieses Projekt gab es von Anfang an große Unterstützung: „Allein zum Start haben wir 504 unterschiedliche Apfelsorten bekommen.“ Diese bildeten den Grundstock eines heute ausschließlich für die Wissenschaft zur Verfügung stehenden Genpools, zu dem ausgesprochene Raritäten gehören. Auch auf dem öffentlich zugänglichen Gelände des Ökowerks sind weitere Hunderte von Obstbäumen und rund 300 verschiedene Apfelsorten verteilt. Das Fachsimpeln unter Apfelfreunden mache ihm immer noch großen Spaß, auch die Feste und das Pressen des Mostes, so Stang.

Breit ist das Spektrum der Aufgabenbereiche, das er an seine Nachfolgerin im Ökowerk Emden, Dr. Katharina Mohr, übergibt: von der Umweltbildung über das Fund-Raising bis zur Sozialgesetzgebung. In den letzten Jahren ist noch das Meistern von Antragsformularen an die Europäische Union hinzugekommen.

Liebling der Medien: das „SalFar“-Projekt

Denn das Ökowerk Emden ist eines von zehn europäischen Forschungslaboren des EU-Projektes „SalFar“, eine Abkürzung für „Saline Farming“. Mit dem Anstieg der Meeresspiegel drohen immer mehr Böden entlang der Küstenzonen der Welt zu versalzen. Um diese weiterhin landwirtschaftlich nutzen zu können, sucht man rund um den Globus nach Nutzpflanzen, die es im Salz aushalten. Vom Anfang an ist das ostfriesische Umweltzentrum dabei und vertritt Deutschland in dem ambitionierten Programm, zu dem sechs weitere Nordsee-Anrainerstaaten beitragen.

Mit diesem Projekt hat das Ökowerk Emden das Interesse auch vieler überregionaler Medien geweckt: Die Nachrichtenagentur dpa und der NDR mit einer TV-Reportage haben öffentlichkeitswirksam darüber berichtet. Auch Ostfriesland Reloaded gehörte mit einer großen Story zu den ersten Publikationen, die das internationale Projekt vorstellten. Während etwa die beteiligten Universitäten im Verbund einen Fokus auf Lehre und Forschung setzen, ist das Team des Ökowerks eher ergebnisorientiert auf die Entwicklung neuer Absatzmärkte ausgerichtet.

Sehr Erfolg versprechend scheint in diesem Zusammenhang ein Naturdünger zu sein, der aus dem Teek gewonnen wird, den die Flut an den Deichen hinterlässt. Auch mit dem Queller und anderen Salzpflanzen laufen viel versprechende Untersuchungsreihen.

„Wir sind keine Produzenten von Dünger, wir sind keine Produzenten von Queller. Wir sind nach wie vor im Kern ein Umweltbildungszentrum“, hält Stang fest. Doch seien die verschiedenen Experimente des Ökowerks eine gute Basis für weiterführende Projekte. Das Forschungsteam fungiert dabei als Berater für zukünftige Partner, die wirtschaftliches Interesse haben, bringt Erfahrungen mit ein und gibt Impulse.

Auch „SalFar“ dient der großen Aufgabe, das Ökowerk mit den Projektgeldern der EU finanziell auf sichere Beine zu stellen. „Wir müssen das machen, damit wir überleben“, so Stang. Seine Quintessenz nach vielen Jahren Geschäftsführung lautet: „Ökonomie und Ökologie müssen sich vernünftig verbinden.“ Das sei nicht immer ganz einfach, erfordere Kompromisse  – und Konflikte gehörten dazu.

Afrika war immer da, wird immer sein

Am 31. Januar 2021 heißt es für Detlef Stang endgültig Abschied zu nehmen vom Ökowerk Emden. Doch wie es aussieht, geht es für ihn nicht in den Ruhestand, sondern wieder nach Afrika, den Kontinent, den er für immer ins Herz geschlossen hat. Er hat sich bereits beim „Senior-Expertenservice“ für den Entwicklungsdienst beworben. Einsatzbereit wäre er in vielen Ländern. Gleich fünf Sprachen beherrscht er neben der deutschen: portugiesisch, spanisch, englisch, französisch und sogar Kisuaheli.

Ein Traumziel wäre der Kongo, wo seine Liebe zu Afrika vor 35 Jahren begann. Aber wie mit dem schönen Mädchen seiner Jugend, wird auch diese wohl eine tragische bleiben. Denn in den Kongo reisen, dort leben, das kann er heute nicht mehr: Es ist ein Land im Krieg. Und diese Erfahrung möchte er nicht noch Mal haben. Es wird für ihn wohl wieder unerfüllt ausgehen mit der Liebe, aber die Sehnsucht nach diesem Land, die wird immer bleiben. Wie es sich für einen echten Romantiker gehört. 

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Über das Ökowerk Emden sind bisher auf Ostfriesland Reloaded folgende Artikel erschienen:

Naturnah: Bildung ganzheitlich erleben im Ökowerk Emden, 31. Oktober 2018

Stiftung Ökowerk Emden: Eine Ideenschmiede für die Welt, 28. August 2018

Pomarium Frisiae: Ostfrieslands großes Paradies der Früchte, 3. Dezember 2017

Ihr persönlicher Apfelbaum, zu Weihnachten frisch veredelt, 3. Dezember 2017

Das große Apfelfest: Köstliche Buchtipps zu Weihnachten, 3. Dezember 2017

Bildnachweis: Sämtlich Bilder des Beitrags sind von Andreas Klesse, Jever (mit Ausnahme der Anden-Bilder aus dem privaten Archiv von Detlef Stang).

Der digitale Hut: Ostfriesland Reloaded gefällt mir!

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Die große Liebe: einmal Afrika, immer Afrika

Ostfriesland ist seine Heimat, doch sein Herz hängt an Afrika. Als junger Mann, das Universitätsdiplom als Internationaler Agrarwissenschaftler gerade in der Tasche, beginnt Detlef Stang seine berufliche Laufbahn in der Demokratischen Republik Kongo, die damals, 1985, noch Zaire heißt und von Mobutu beherrscht wird. Fast zwanzig Jahre wird er auf dem schwarzen Kontinent arbeiten, immer im Dienst für namhafte Firmen und Organisationen. Diktatoren, Völkermord, Apartheid – Detlef Stang hat alles erlebt und gesehen in afrikanischen Ländern, auch viel Leid und Hunger. Doch die Liebe zu Afrika war von Anfang da und ist immer geblieben: zu den Menschen und der Schönheit einer gewaltigen Natur.

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Was man wohl machen würde, wenn man Häuptling von Ostfriesland wäre? Das fragen wir in dieser Rubrik auch Detlef Stang. Aber vorher muss er erst noch sieben andere beantworten:

1. Was gefällt Ihnen an Ostfriesland, Herr Stang?

Mir gefällt an Ostfriesland die Ruhe, der Frieden und die Beschaulichkeit.

2. Was nicht?

Dazu fällt mir jetzt spontan nichts ein.

„Nachgefragt: Heute beim Umweltexperten Detlef Stang“ weiterlesen

Das Rätsel der Vermessung ist gelöst: Hier war’s!

„Gauß und der Granitstein auf Langeoog“ – diese spannende Geschichte kann weiter geschrieben werden. Denn einem Experten für historische Messpunkte aus Hannover, André Sieland, ist es im Herbst 2020 gelungen, den originalen Standort der historisch ersten Landesvermessung  von Langeoog zu seinen Nachbarinseln und der Küste zu verorten. Dieser befand sich vor dem heutigen Wasserturm und direkt neben der Aussichtsplattform mit dem Fernrohr, und zwar rechts in den Wildrosenbüschen, wie die erstmals durchgeführten Messungen ergaben. Ostfriesland gehörte damals zum Königreich Hannover. Damit war auch Langeoog Teil der berühmten Gauß’schen Landesvermessung, die nächstes Jahr ihr 200jähriges Jubiläum feiert.


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