Ostfriesland November Blues: Von wahrer Lust und Leidenschaft

Wenn die dunklen Monate ins Land kommen, dann nimmt sich Ostfriesland Reloaded gerne Zeit für Bücher und Literaten. Auch in diesem Jahr und dieser Ausgabe geht es wieder um das geschriebene Wort. Im Mittelpunkt steht ein großer Dichter Ostfrieslands: Willrath Dreesen.

In den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war er im Hauptberuf zwar Bürgermeister und Kurdirektor von Langeoog, doch seine eigentliche Leidenschaft war die Literatur. Wann immer es ihm die Zeit erlaubte, zog er sich in sein kleines Refugium, seinen Hochsitz in den Dünen zurück, der heute noch wie einst dort thront und durch dessen Scheiben ein warmes Licht in den Abendhimmel strahlt. Man sieht den Schriftsteller dort förmlich noch sitzen an seinem Schreibtisch, die Zeilen formend und von Hand schreibend. Geboren in Norden, wurde er zu einem Heimatdichter von ganz eigenem Format. Nach vielen Jahren des Vergessens hat er besonders in 2022 ein kleines Revival erfahren. Zeit, Willrath Dreesen auch auf Ostfriesland Reloaded ein Portrait zu widmen plus ein kleines Herbstgedicht aus seinem Spätwerk zu präsentieren, dem „Eisvogel“.

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Revival für Willrath Dreesen, Direktor und Dichter zugleich

Der junge Mann aus Norden konnte nicht nur gut schreiben und dichten, sondern hatte auch ausgesprochene Managerqualitäten. Die setzte er auch immer wieder für die Literatur ein: in jungen Jahren als Verlagsdirektor bei Reclam in Leipzig, später dann als Leiter für Schrifttum bei der Ostfriesischen Landschaft und kurz vor seinem Tod als Organisator der ersten ostfriesischen Dichtertagung 1950 auf Langeoog. Dort lenkte er von 1924 bis 1928 als Bürgermeister und später als Kurdirektor erfolgreich auch die Geschicke der Insel.

Doch im Grunde seines Herzens war er immer ein Schriftsteller. Lyrik, Prosa und Dramen prägten ihn in jungen Jahren und dann wieder ganz spät im Alter, als er nach einem bewegten Leben, das von zwei Weltkriegen gezeichnet war, mit 70 Jahren als Pensionär nach Langeoog zurückkehrte und für kurze Zeit nochmals Kurdirektor der Insel wurde.

Man könnte viel über den Politiker Dreesen schreiben, der in den Zwanziger Jahren an der Spitze der Verwaltung wegweisende Entscheidungen für die Insel traf: Die Gemeinde übernahm damals selbst das Tourismusgeschäft und wurde ebenfalls zum Betreiber der Schifffahrt. Aber im Mittelpunkt dieses Beitrags soll der die Literatur liebende und schreibende Willrath Dreesen stehen.

Die Wiederentdeckung in den Medien

Denn nach vielen Jahren der Stille um Ostfrieslands vergessenen Dichter, erlebte er in 2022 ein regelrechtes Revival. In kurzer Abfolge erschienen gleich drei längere Artikel über ihn: In der Beilage zur Ostfriesen Zeitung stellte Paul Weßels im April in seiner Rubrik „Buch des Monats“ Willrath Dreesen und ausgewählte Werke aus seiner Feder vor. Ein weiterer, sehr lesenswerter Beitrag über Willrath Dreesens unterschiedliche Lebensstationen inklusive der Abbildung vieler Buchtitel wurde von ihm, dem Bibliotheksleiter der Ostfriesischen Landschaft, im Juni des Jahres im „Blog für ost-friesische Geschichte“ veröffentlicht. Es ist die bisher umfangreichste Würdigung Dreesens.

Im Langeooger Inselmagazin „de Utkieker“ war kurz vorher, im Mai, bereits eine ausführliche Darstellung vom Wirken dieses facettenreichen Mannes zu lesen, mit seltenen Bildern aus dem Privatarchiv der Familie. Darunter auch eine Aufnahme vom Bau seines kleinen Hauses in den Dünen 1926, in das sich der resolute Kurdirektor so gerne zum Schreiben zurückzog. Nun stellt auch Ostfriesland Reloaded zum Ende des Jahres diese bemerkenswerte Figur der ostfriesischen Literatur nochmals vor. 2022: Das war definitiv das Jahr der Wiederentdeckung Willrath Dreesens.

Mit Storm, Sturm und Drang – seine jungen Jahre

Er war Ostfriese, wurde am 14. Mai 1878 als Sohn eines Kolonialwarenhändlers in Norden geboren. Nach dem Abitur zog es ihn 1898 zum Theologiestudium nach Göttingen, dann nach Marburg, Basel und Bonn. Dort beschloss er 1902 Germanistik, Philosophie und Literaturgeschichte zu studieren. 1905 promovierte er mit einer Arbeit über Theodor Storm. Um den Lebensunterhalt für sich und seine kleine Familie zu bestreiten, er hatte 1907 geheiratet und einen kleinen Sohn bekommen, unterrichtete er als Lehrer am Pädagogicum in Godesberg und machte Vortragsreisen. 1913 wurde er Lektor für Sprechkunst und Ästhetik an der Universität Frankfurt.

In diesen Jahren des frühen 20. Jahrhunderts entstanden seine wichtigsten literarischen Werke: „Meer, Marsch und Leben“ (1904), ein von Storm inspirierter Gedichtband; „Eala freya fresena“ (1906), ein Buch mit Balladen über die Zeit der ostfriesischen Häuptlinge, das ihn bekannt macht. 1910 kommen gleichzeitig ein Drama, „Sturmflut“, der erfolgreiche Roman „Ebba Hüsing“ und ein Band „Gedichte“ von ihm heraus. Mehr als vierzig Jahre sollte es dann dauern, bis seine Witwe 1953 posthum unter dem Titel „Eisvogel“ sein Spätwerk veröffentlicht, einen Band mit 47 Gedichten.

1914 ist ein entscheidendes Jahr für den 36-Jährigen Dreesen. Er verbringt den Inselfrühling auf Langeoog im „Haus Poggfred“, dem Haus der Familie seiner späteren, zweiten Ehefrau Maria Kugel. Mit der Fabrikantentochter, die er nach seiner Scheidung 1919 heiratet, wird er einen weiteren Sohn und eine Tochter haben. Über diese Monate im April und Mai 1914 schreibt er ganz bezaubernd in einem Sonderabdruck, der mit dem Titel „Inselfrühling“ in der Pfingstnummer des Literatur- und Unterhaltungsblatts der „Kölnischen Zeitung“ vom 31. Mai erscheint. Es ist noch Frieden, und sein Text quillt über vor Glück und dem paradiesischen Zustand, den ihm das Erwachen der Natur vermittelt. Nur wenige Monate später geht es für ihn in den Ersten Weltkrieg.

Der Manager tritt in Erscheinung

Danach wird alles anders sein. Neben den privaten Änderungen im Leben zieht es ihn 1919 nach Leipzig zum renommierten Reclam Buchverlag. Über seine Funktion dort gibt es unterschiedliche Angaben: Redakteur, Lektor, Verlagsdirektor. In dieser leitenden Rolle mag er wohl ausgeschieden sein. Denn 1922 zieht es ihn in das Haus seiner Frau nach Langeoog. 1924 wird er Gemeindevorsteher der Insel. 1926 errichtet er sich sein kleines Refugium in den Dünen, oberhalb der heutigen, nach ihm benannten „Willrath-Dreesen-Straße“, der Verlängerung der Barkhausenstraße, die bis hinaus zum Deichschart läuft. Es diente ihm in seinen Langeooger Jahren auch als „Schreibklause“, als stiller Ort des Rückzugs. Selbst wenn die Zeit als führender Kopf der Gemeinde es nur noch selten zuließ, so ganz hat er der Literatur und Dichtung nie den Rücken gekehrt.

Auch an der Insel Langeoog hing weiter sein Herz, die er nach politischen Querelen verließ um 1930 als Kurdirektor nach Bad Lausick bei Leipzig zu gehen. Fast zwanzig Jahre später, nach seiner Pensionierung in 1948, kehrte er im März 1949 wieder zu ihr zurück.

Erste ostfriesische Dichtertagung auf Langeoog

Dort setzte er sich sofort wieder für die Literatur ein: 1949 wählte man Dreesen zum Leiter der Gruppe Schrifttum bei der Ostfriesischen Landschaft.1950 wurde Langeoog dann zum Austragungsort der ersten ostfriesischen Dichtertagung, die Dreesen leitend organisierte.

In seinem „Haus Poggfred“ kamen sie damals alle zusammen, darunter auch heute noch bekannte ostfriesische Autor:innen wie Wilhelmine Siefkes, Marie Ulfers, Berend de Vries oder Bruno Loets. In einem Grundsatzreferat sprach sich Dreesen für eine moderne Heimatdichtung aus, die sich nicht nur der Vergangenheit zuwenden solle und sich auch nicht auf die regionalen Grenzen beschränken müsse. Auch sei das Schreiben im Dialekt für gelungene Heimatliteratur eine Möglichkeit neben dem Hochdeutschen, aber nicht zwingend. Heimattümelei war nicht sein Ding – und damit hat Dreesen seine Heimat Ostfriesland auch einem überregionalen Lesepublikum nahegebracht.

Insel der Literaten und Literatur

Willrath Dreesen, der kurz nach der Dichtertagung auf Langeoog am 14. August 1950 im Alter von 72 Jahren an einem Herzschlag plötzlich verstarb, lohnt eine Wiederentdeckung. Insbesondere auf Langeoog, die wie kaum eine andere der Ostfriesischen Inseln eine Insel der Literaten und Literatur ist: Vom aktuellen Krimibestsellerautor Klaus-Peter Wolf über die Königin der Kurzgeschichte, Gabriele Wohmann, bis zum Literaturnobelpreisträger von 1908, Rudolf Eucken – sie alle haben ihre Kreativität auch von dieser Insel bezogen, zu der sie sich immer besonders verbunden fühlen und fühlten. 

Übrigens: Das Haus mit dem auffälligen halbrunden Tonnendach, die Schreibklause Willrath Dreesens, blitzt noch heute auf der Düne zwischen den Kiefern hervor. Heute sind es seine Enkelinnen aus Hannover mit ihren Familien, die den Fernblick im Familiennest genießen. So Elke und Joachim Nolle im Sommer 2022, die sich für Ostfriesland Reloaded nochmal genauso zum Foto vor die offene Tür gestellt haben wie vor vielen Jahrzehnten ihr Großvater mit seiner Frau.

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Dieser Text ist erstmals im Mai 2022 im de Utkieker, Ausgabe 2, Langeoog, erschienen. Es handelt sich hier um eine in Teilen veränderte und ergänzte Fassung.

Bildnachweis: Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind aus dem Privatarchiv der Nachkommen von Willrath Dreesen. Alle anderen Aufnahmen sind eigene Bildrecherchen von Ostfriesland Reloaded.

„Am Strand erklingt ein eigen kalter Ton“, wenn es Herbst wird an der rauhen Nordsee. Es sind zeitlose Eingangszeilen, die mit wenigen Worten die Stimmung der letzten Tage eines Jahres einfangen – oder eines Lebens. Denn dieses Gedicht von Willrath Dreesen ist durchaus auch persönlich zu verstehen: melancholische Gedanken eines alternden Dichters.

NUN MAG ES HERBSTEN

Am Strand erklingt ein eigen kalter Ton,
Um unsre Knie zieht der Nebel schon. –
So wirds der letzte schöne Tag wohl sein,
Daß hüllenlos wir stehn im Abendschein.

Von deinen Schultern glänzt ein sanftes Rot,
Das schöner noch aus deinen Augen loht –
Nachglanz des Sommers, der hinuntersank,
Und schmerzvoll – süß ein stummes „Habe Dank!“

Der Wind wird kalt und bläst die Wellen kraus.
Du schmiegst dich an mich, deutest still nach Haus.
Nun mag es herbsten, bald auch mag es schnein –
Wir gehn in einen langen Sommer ein.

Von Willrath Dreesen,
aus „Der Eisvogel und andere Gedichte“ (posthum 1953).

… und bald ist Weihnachten: 111 x Lesezeit mit Orten in Ostfriesland!

Der Kölner Emons Verlag ist bekannt für seine originellen Reiseführer der 111-Orte-Reihe. Im Sommer 2022 ist mit „111 Orte in der Krummhörn, die man gesehen haben muss“ der jüngste Band zu ostfriesischen Orten und ihren Geschichten erschienen. Der kleinste und der größte Leuchtturm an der deutschen Nordsee stehen beide in der Krummhörn. Wie der berühmte „Otto-Leuchtturm“, ursprünglich ganz rot gestrichen, zu seinen drei gelben Streifen kam und damit zu seinem markanten rot-gelben Ringellook, an dem das Wahrzeichen Ostfrieslands schlechthin sofort zu erkennen ist, davon erzählt das Buch. Wie auch von dem „kleinen Bruder des Eiffelturms“, der seine Rekordhöhe als Leuchtfeuer einer zu seiner Bauzeit absolut modernen Stahlfachwerkskonstruktion zu verdanken hat.

Die Krummhörn ist ein Landstrich ganz im Nordwesten Deutschlands, nur durch die Emsmündung getrennt von den Niederlanden, die in Sichtweite genau gegenüber liegen. Die Krummhörn befindet sich nur wenige Meter oberhalb des Meeresspiegels und ist flach, sehr flach. Die Deiche sind die einzige Erhebung weit und breit. Das Land ist fruchtbares Marschenland, durchzogen von vielen Entwässerungsgräben und Kanälen. Selbst für ostfriesische Verhältnisse ist die Krummhörn nur dünn besiedelt. Der mit Abstand größte Ort ist Pewsum, und der hat gerade einmal 3.200 Einwohner. Doch kulturell ist die Krummhörn eine echte Größe. In fast jedem der Dörfer sind historische Kirchen mit imposanten Glockentürmen zu finden. Einzigartig ist ebenfalls die Zahl der historischen Orgeln, darunter auch eine der ältesten Orgeln der Welt von 1457 in Rysum.

Das 111-Orte Buch über die Krummhörn entführt nun in diese Landschaft mit sehr viel Horizont. Es geht zu jeder Menge rotem Backstein, grünen Parks und blauen Tiefs, zu den Krabbenkuttern von Greetsiel und auch zu Ub Iwerks und dem Dorf, aus dem die Vorfahren des Comiczeichners von Walt Disneys berühmter „Micky Maus“ stammen. Hollywood hat Ostfriesland, und speziell der Krummhörn, also viel zu verdanken…

Rund 25 kleine Dörfer bis kleinste Flecken der Krummhörn und 111 bemerkenswerte Orte, die dort zu finden sind, werden im Buch alphabetisch sortiert vorgestellt: Los geht’s mit Campen, dann folgen Canum, Eilsum, Freepsum, Greetsiel, Grimersum, Groothusen, Gross Midlum, Hamswehrum, Hauen, Hinte, Jennelt, Locquard, Manslagt, Pewsum, Pilsum, Rysum, Sielmönken, Upleward, Uttum, Visquard, Wirum, Woltzeten, Woquard und zum Schluss Wybelsum.

Der Autor Bernd Flessner, Wissenschaftler an der Uni Erlangen-Nürnberg, ist in Greetsiel aufgewachsen und kennt sich daher bestens mit den Orten seiner Kindheit aus. Seine Tochter Hannaha Flessner, Kunstgeschichtlerin und ebenfalls im Fränkischen Zuhause, hat ihn bei diesem Familenprojekt vor allem auch als Fotografin der 111 Bilder zu den Orten unterstützt.

    Bernd Flessner, Hannah Fleßner: 111 Orte in der Krummhörn, die man gesehen haben muss
    2022 |13,6 x 20,6 cm | 240 Seiten | ISBN 978-3-7408-1216-4 |18,00 € [DE] 18,60 € [AT]


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    Zeltlager anno 1936: Der Jugendkult der Nazis

    Wenn man von Weitem auf die Szenerie blickt, unterscheidet sie sich abgesehen vom Schwarz-Weiß der Aufnahmen, gar nicht mal so sehr von einem Zeltlager heutiger Tage. In einem weiten Dünental verteilen sich viele weiße Rundzelte im Kreis. In der Mitte befindet sich ein großer Freiplatz mit einer gehissten Fahne: ein typisches Zeltlager. Es unterscheidet sich äußerlich nicht wesentlich von dem, das etwa der Sportbund Niedersachsen aktuell jedes Jahr im Sommer am Fuß der Melkhorndüne für Jugendliche auf Langeoog organisiert. Nur das dieses ein ganz spezielles ist: Es ist das Zeltlager der Hitlerjugend, das die Nationalsozialisten 1936 im Pirolatal der Insel, direkt am Meer, aufgeschlagen hatten. Hier sollte der Nachwuchs geformt werden, ganz im Sinne der Partei-Ideologie.

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    Keine Panik auf der Titanic: Noch gehen die Ostfriesischen Inseln nicht unter

    Der Klimawandel steht nicht mehr vor der Haustür, wir sind längst schon mittendrin. Während in den Alpen die Gletscher abschmelzen, kämpft die deutsche Nordseeküste vor allen Dingen mit der Zunahme von Wetterextremen: Die Zahl der Sturmfluten pro Jahr häuft sich erkennbar. Wie gerade jetzt gesehen und geschehen als das Orkantief „Nadia“ über den Norden Deutschlands mit bis zu 144 Stundenkilometern hinwegfegte. Drei weitere Sturmfluten hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bereits für diese Woche angekündigt. Besonders betroffen und getroffen hat es wieder einmal die Ostfriesischen Inseln, sind diese doch direkt den Gewalten der Nordsee ausgesetzt.

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    The Day After: Langeoog nach Orkantief „Nadia“

    Zum Fressen, als Futter für die Nordsee, waren sie von Anfang an gedacht – die riesigen „Verzehrsandberge“, die die niedersächsischen Küstenschützer den Dünen vor dem Pirolatal vor die Füße spülten. 700.000 Kubikmeter Sand bildeten im September 2020 ein sattes, zwei Kilometer langes Polster. Doch diesmal hat die Nordsee gewaltig an ihnen genagt und kräftig zugebissen. Nur 18 Monate hat sie gebraucht und das Futter, was man ihr mit viel Aufwand gereicht hatte, ist nahezu weg. Das Orkantief „Nadia“ brachte am 29. und 30. Januar zwei Stumfluten hintereinander, riss dem Strandpolster am Hundestrand riesige Brocken heraus und verschob die bisherige Abbruchkante des schützenden Sandpolsters deutlich Richtung Dünen. Schlimmer noch: Es beschädigte in den weiter östlich gelegenen Abschnitten bereits den Dünenfuß des Pirolatals, hinter dem die Brunnen für die Trinkwasserversorgung der gesamten Insel liegen.

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    Küstenschützer: Keine Gefahr für die Süßwasserlinse

    Lang hat das Sandpolster nicht gehalten, das erst im Sommer 2020 vor dem Pirolatal aufgespült wurde. Wieviel sich die Nordsee bereits zurückgeholt hat, zeigt sehr schön diese Luftaufnahme des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Rund 700 000 Kubikmeter Sand wurden hier vor gerade eineinhalb Jahren aufgespült, jetzt ist fast alles weg. Rechts oben im Bild sieht man gut das Pirolatal, in dem über 17 Brunnen das gesamte Trinkwasser der Insel aus einer unterirdischen Süßwasserlinse gewonnen wird. Bei einer Versalzung mit Nordseewasser nach einem Dünendurchbruch wären diese für viele Jahre unbrauchbar. Langeoog müsste dann wohl wie die anderen Ostfriesischen Inseln über eine Leitung zum Festland mit Trinkwasser versorgt werden. Die Insel und ihr Hauptort sind nicht gefährdet von Sturmfluten.

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    Wieder weg: Der Hauptstrand von Wangerooge

    Es ist fast jedes Jahr das gleiche Spiel: Ausgerechnet an der Stelle des Strandes, der zum Herz des Inseltourismus im Sommer zählt, ist nach einer Sturmflut oftmals das blanke Nichts. Da, wo sich in der Saison sonst Tausende von Badegästen in bunten Strandkörben räkeln, öffnet sich unvermittelt eine Steilküste. Es ist jedes Mal – auch eine finanzielle – Katastrophe für die Insel und ihren Kurdirektor. Dann geht sie wieder los: Die große Baggerei: Am Strand von Wangerooge. So hieß 2018 bereits ein Beitrag von Ostfriesland Reloaded, der zeigte, mit welch schwerem Gerät man von Mitte März bis Pfingsten in Tag- und Nachtschichten im Einsatz war, um das verloren gegangene Terrain wieder zu gewinnen. Der Sand kam ganz aus dem Osten der Insel, so weit weg wie nie zuvor.

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