Ein Literatur-Nobelpreisträger aus Ostfriesland: Rudolf Eucken, der Richard David Precht von 1908

Heute, am 10. Dezember, wird in Stockholm der Literatur-Nobelpreis verliehen. Zum 118. Mal. 2021 geht die renommierte Auszeichnung an Abdulrazak Gurnah, einen 72jährigen Schriftsteller aus Tansania „für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten.“

Der Literaturnobelpreis ist immer ein Ausdruck seiner Zeit. Das war auch 1908 nicht anders, als mit Rudolf Eucken ein Philosoph zum König der Literatur ausgerufen wurde, der es verstand, die Nöte der Menschen beim Aufbruch in die Moderne zu thematisieren – ausgelöst durch die vielen neuen Maschinen und Technologien, das Tempo und den schnellen Takt der Industrialisierung. Er erklärte, und er bot einen Ausweg mit seiner Philosophie des Lebens, die der überforderten Seele fern von allem Materiellen Heilung versprach. Er war der Richard David Precht der frühen Moderne – und er war gebürtiger Ostfriese. Gute Gründe also, ihn in der neuesten Ausgabe von Ostfriesland Reloaded genauer vorzustellen:

Aurich: Heimatstadt eines Literatur-Nobelpreisträgers

Lebensphilosoph Rudolf Eucken: Der ganze Mensch im Blick

Literatur-Nobelpreis: 8 Deutsche unter 118 Preisträger:innen

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Literatur-Nobelpreis: 8 Deutsche unter 118 Preisträger:innen

Den Nobelpreisträger für Literatur ernennt die „Schwedische Akademie“, die bereits 1786 nach dem Vorbild der Académie française gegründet wurde. Die Schwedische Akademie besteht aus insgesamt 18 Mitgliedern, die auf nummerierten Stühlen Platz nehmen. Daher ist sie auch unter dem Namen De Aderton (deutsch: Die Achtzehn) bekannt. 2018 kam es nach Austritten mehrerer Jurymitglieder zu einer Krise, die die Akademie handlungsunfähig machte. Nach Änderungen der Statuten sind alle Plätze des rein schwedischen Gremiums nunmehr wieder besetzt. Der Nobelpreis für 2018 wurde zeitgleich mit der Verleihung für 2019 nachträglich vergeben.

Seit der ersten Verleihung 1901 haben insgesamt 118 Schriftsteller den Literatur-Nobelpreis erhalten. Darunter befinden sich 102 Männer (86 %) und 16 Frauen (14 %). Bisher wurde noch niemand mehrfach mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Viermal wurde der Preis zwischen zwei Personen aufgeteilt (1904, 1917, 1966 und 1974). Sieben Mal wurde er – meistens kriegsbedingt – nicht verliehen.

Es waren auch beileibe nicht immer Schriftsteller, denen ein Literaturnobelpreis verliehen wurde. So ist etwa auch der Politiker Winston Churchill unter den Literaturpreisträgern zu finden. Er erhielt 1953 die Auszeichnung „für seine Meisterschaft in der historischen und biographischen Darstellung sowie für die glänzende Redekunst, mit welcher er als Verteidiger von höchsten menschlichen Werten hervortritt“.

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Ein Stück Heimatkunde: Was ist die DNA Ostfrieslands?

Eines steht auf jeden Fall fest: Der Ostfriese an sich ist eine Rarität. Die weibliche Form dieser Spezies eingeschlossen. Im Ostfriesland seiner historisch politischen Grenzen – also ohne Jever und das Oldenburger Land im Osten der ostfriesischen Halbinsel – leben heute rund 466.000 Menschen, gemessen am Stichtag 31. Dezember 2017. Im Vergleich zu der rund 82,8 Millionen großen Gesamtbevölkerung in Deutschland im gleichen Zeitraum heißt das: Genau 0,56 Prozent aller Deutschen sind Ostfriesen. Nur ein halbes Prozent! Ein exklusiver Verein. „Ein Stück Heimatkunde: Was ist die DNA Ostfrieslands?“ weiterlesen

Der Hype um die Heimat: Im Gespräch mit …

… Rico Mecklenburg, dem Präsidenten der Ostfriesischen Landschaft. Denn wer über Heimat und Ostfriesland nachdenkt, der kommt an dieser in Deutschland einmaligen Institution nicht vorbei: „Die Ostfriesische Landschaft ist berufen, auf der viele Jahrhunderte alten Grundlage der Selbstbestimmung und Selbstverwaltung zum Wohle ganz Ostfrieslands und aller seiner Bewohner überparteilich zu wirken und heimatliche Interessen wahrzunehmen.“ So steht es geschrieben in ihrer Verfassung. Ihr Präsident ist sozusagen Ostfrieslands „Heimatminister“. Wen kann man zum Thema also besser fragen als den Amtsinhaber, Rico Mecklenburg? „Der Hype um die Heimat: Im Gespräch mit …“ weiterlesen

Faktencheck Ostfriesland: Lasst Zahlen sprechen, Schafe zählen!

Hier kommt der ultimative Faktencheck: Wie steht es um die Region? Was sagen die Zahlen der Statistiker? Das herauszufinden ist nicht ganz so einfach, wie es sich anhört. Da Ostfriesland als Gebietskörperschaft verwaltungstechnisch nicht mehr existiert, muss man die Daten für die Landesteile, die Ostfriesland heute noch kulturell-historisch repräsentieren, einzeln zusammentragen. Und das heißt unvermeidlich, sich auf die kommunale Ebene der niedersächsischen Landesstatistik zu begeben und seine Schäfchen zu zählen. Das heißt nachschauen, wie die Zahlen ganz konkret für die Landkreise Aurich, Leer, Wittmund und die kreisfreie Stadt Emden lauten und diese, wo erforderlich, zu einer Summe für Ostfriesland zu addieren. „Faktencheck Ostfriesland: Lasst Zahlen sprechen, Schafe zählen!“ weiterlesen

Juliane von Ostfriesland: Geliebt und verehrt, gehasst und verlassen

Dies ist die unglaubliche Geschichte einer hessischen Prinzessin, die einst über Ostfriesland herrschte. Juliane von Ostfriesland führt mitten in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ein Leben in Saus und Braus, gönnt sich einen Barockgarten und regiert vom Lustschloss aus das Land. Bis man ihr alles entreißt: Macht, Vermögen – und ihren mutmaßlichen Liebhaber köpft. „Juliane von Ostfriesland: Geliebt und verehrt, gehasst und verlassen“ weiterlesen

Die Braut friert, Ostfriesland freut sich

Am 5. März 1631 bejubelt ganz Aurich noch die junge Gemahlin beim Einzug in die festlich geschmückte Residenz des ostfriesischen Grafen Ulrich II. Eine strapaziöse Reise liegt hinter ihr. Vom sonnenverwöhnten Darmstadt mit seiner romantischen Umgebung aus Rhein und Odenwald ist sie wochenlang in der Kutsche Richtung Norden gereist. Die Landschaft wird immer flacher, abwechslungsloser, morastiger. Dazu kommen Wind, die kalten Temperaturen des ausgehenden Winters. Was mag wohl in der 24-Jährigen vorgegangen sein, als sie noch am Tage ihrer Ankunft mit dem für sie fremden Mann fern der Heimat getraut wird? „Die Braut friert, Ostfriesland freut sich“ weiterlesen

Die süßen Jahre der herrschaftlichen Dekadenz

Ulrich und Juliane lassen es sich gut gehen. Sie lieben beide den Luxus, gutes Essen und das ausschweifende Leben. Man nascht jede Menge Süßes. Laut dem Inventarium der Auricher Silberkammer besitzt das Herrscherpaar 1634 allein 27 Konfektschalen. Drei davon sind innen wie außen vergoldet und mit dem ostfriesischen und hessischen Wappen verziert. Die Regierungsgeschäfte interessieren das junge Grafenpaar nicht sonderlich, das erledigen ihre Räte. Ein Geheimer Rat, sich an seine bewegte Zeit am Hof von Aurich erinnernd, hat keine allzu gute Meinung von der munteren Gattin seines hohen Herrn: „Die Gemahlin, Fürstin Juliane, nahm sich auf Befehl ihres Gemahls der Landessachen und Regierung, auch des Hauswesens an, war aber mehr zum Spazierenfahren und Reiten als zu ernstlichen Sachen geneigt.“ „Die süßen Jahre der herrschaftlichen Dekadenz“ weiterlesen

Familiendrama: Der Sohn nimmt blutige Rache

Im Handstreich entreißt ihr der älteste Sohn Enno Ludwig am 11. Mai 1651 nach fast drei Jahren die Regierungsgeschäfte. Er war in Wien vom Kaiser zum Reichshofrat ehrenhalber ernannt worden. Damit gilt der Achtzehnjährige offiziell als volljährig und regierungsfähig. Auf vehementem Drängen einflussreicher ostfriesischer Kreise und aufgehetzt von erbitterten Gegnern des Ehepaars Marenholz und Julianes, kehrt der junge Thronfolger überraschend in seine Heimat an den Auricher Hof zurück, um sein Erbe und seine Regierungsaufgabe sofort anzutreten. „Familiendrama: Der Sohn nimmt blutige Rache“ weiterlesen