Expedition Ostfriesland: Terra Incognita

Spätestens seit dem Bestseller „Die Vermessung der Welt“ ist Deutschlands berühmtester Mathematiker, Carl Friedrich Gauß, auch jenen ein Begriff, die sich ansonsten wenig um die Kunst der Berechnung von Dreiecken scheren. Triangulation heißt ein bis heute eingesetztes Verfahren, das erlaubt, mit Hilfe der Mathematik und Winkelfunktionen die Länge der Schenkel von Dreiecken zu berechnen und damit Entfernungen zu ermitteln. Nach einer Reihe von technologischen Innovationen bei den Messinstrumenten, zu der auch Gauß maßgeblich beitrug, begann man im 19. Jahrhundert ganze Landstriche mit einem Spinnennetz an Dreiecken zu überziehen und sie so exakt zu kartieren.

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Dichtung und Wahrheit: der „echte“ Gauß

Zum 200. Jubiläum der „Königlich Hannoverschen Landvermessung“ wird der komplette Briefwechsel zur historischen Mission unter Leitung von Carl Friedrich Gauß erstmals in transkribierter Form veröffentlicht. Mehr als tausend Briefe zeichnen ein neues Bild vom berühmtesten Vermesser der Welt. Geplant hatte er anfangs mit etwa 400, am Ende sind es genau 1072 handschriftliche Briefe in altdeutscher Schrift, die nun für jedermann lesbar in Druckschrift und ins Hochdeutsche transkribiert vorliegen. Das zunächst überschaubare Unterfangen nahm im Verlauf immer gewaltigere Dimensionen an. Neue Korrespondenz von und an Gauß tauchte auf, so wurden 200 verschollen geglaubte Briefe zwischenzeitlich entdeckt. Der letzte aus Washington D.C. erreichte André Sieland noch Anfang 2021.

Sieland ist Vermessungsexperte wie Gauß, Fachgebietsleiter im Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) in Hannover, und damit zuständig für die Festpunkte der Gegenwart. In dieser Funktion erhielt er 2017 in Vorbereitung auf das bevorstehende Jubiläum eine Anfrage der Kollegen vom Landesamt für Denkmalpflege nach den alten Gauß’schen Messpunkten in Niedersachsen. Nur etwa 17 nachgewiesene seien ihnen bekannt. Doch schon erste Überprüfungen Sielands ergaben, es sind einige mehr. Schnell hatte er 120 gelistet, und bekam zunehmend Spaß an den Nachforschungen. Er investierte immer mehr Freizeit und schließlich jede freie Minute in das Projekt, unternahm Exkursionen und Wanderungen am Wochenende, traf auf leidenschaftliche Heimatkundler und konnte manch originalen alten Messpunkt neu verorten wie auf der Insel Langeoog oder sogar wiederentdecken wie auf dem Haußelberg in der Lüneburger Heide.

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In ihren Briefen hat Buchautor André Sieland die vier wesentlichen Protagonisten der Königlich Hannoverschen Landesvermessung über viele Jahrzehnte begleitet. Sie waren allesamt gebildete Männer, die bis auf Carl Friedrich Gauß im Militär ihre Berufskarrieren machten und auch diesem mit ihren Vermessungsarbeiten wichtige Erkenntnisse lieferten. War es für ihn am Anfang teilweise noch schwierig, manche ihrer Zeilen zu lesen, ging es am Ende fast wie von selbst. Heute erkennt André Sieland sie alle sofort an ihren Handschriften, aber auch an ihren ganz eigenen Schreibstilen.

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Anja Domnick: Netzwerkerin im Auftrag des UNESCO-Welterbes

Extrem komplex sind die Zusammenhänge rund um das Weltnaturerbe Wattenmeer. Das sagt selbst diejenige, die sich blind in einer komplizierten Organisationsstruktur aus politischen Konferenzen, Councils und Boards auskennt und täglich mit internationalen Taskforces, Teams und Netzwerkgruppen zu tun hat. Anja Domnick sitzt als Projekt-Managerin im Gemeinsamen Wattenmeersekretariat der drei Anrainernationen in Wilhelmshaven mitten drin im Geflecht. Die Strategin ist dort ein wichtiger Knoten. Netzwerken ist ihr Geschäft und ihre Leidenschaft: das komplizierte Verwaltungsgebilde Wattenmeer zu erklären, mit Leben zu füllen und zu den Menschen der Region zu bringen.

Ostfriesland Reloaded im Gespräch mit Anja Domnick

Ostfriesland Reloaded: Frau Domnick, das Wattenmeer hat gerade erst wieder Geburtstag gefeiert. Vor genau zwölf Jahren wurde es zur Naturlandschaft von „außergewöhnlichem universellen Wert“ erklärt und damit das zweite UNESCO-Weltnaturerbe Deutschlands. Wie waren die Feierlichkeiten dieses Jahr?

Anja Domnick: Es gab vielfältige Veranstaltungen in allen Regionen, an der Küste, auf den Inseln: kostenlose Wattwanderungen für Einheimische, ausgewählte Fahrradrouten, eine Sternennacht im Wattenmeer und sogar einen Hof-Gottesdienst. Mich hat besonders gefreut, dass das Programm auch sehr gut von den Einheimischen angenommen wurde, nicht nur von den Feriengästen. Es wurde tatsächlich richtig gefeiert, bedingt durch die COVID19-Pandemie dieses Jahr erneut kleiner und mit Abstand oder digital in den sozialen Netzwerken. Der Facebook-Post, den unsere Kollegen vom Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer veröffentlichten, erreichte über 4.400 Personen.

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Happy Birthday, liebes Wattenmeer!

Das niedersächsische Wattenmeer (Foto: Andreas Klesse).

Seit genau zwölf Jahren bist Du nun UNESCO Weltnaturerbe – das Dutzend ist voll und das ist ganz wunderbar. Am 26. Juni 2009 wurde Dir dieser ganz besondere Ehrentitel offiziell verliehen, der wiederum uns Menschen dazu verpflichtet, Deine Einzigartigkeit in der Welt zu schützen. Über 10.000 Tiere und Pflanzen sind in Deinen Biotopen und Lebensräumen zu Hause. Du bist die Wildnis vor unserer Haustür, das nahrhafte Revier für Schweinswale, Kegelrobben und Seehunde im Wasser und für zwölf Millionen Zugvögel jährlich in der Luft.

Du bist einfach riesig: Auf fast fünfzehntausend Quadratkilometern erstreckst Du Dich über 500 Kilometer vor den Küsten der Niederlanden, Deutschlands und Dänemarks. Du verbindest Bundesländer, Nationen und Menschen. In Deinem Nordseereich, einem der letzten großflächigen Naturlandschaften Mitteleuropas, in der die geologischen und ökologischen Prozesse noch ganz unbeeinflusst von Menschenhand ablaufen, dürfen wir uns für kurze Augenblicke wieder wie Adam und Eva im Paradies fühlen.

Wir feiern Dich und danken Dir in diesem Jahr wieder mit ganz vielen Aktionen rund um Deinen Geburtstag: Wattwanderungen für die ganze Familie, sportliche Wattquerungen nach Baltrum und Norderney, Führungen zu Ebbe und Flut, stimmungsvolle Events im Sonnenuntergang. Eine eigene Webseite zum Geburtstag haben wir Dir auch eingerichtet: Hier gibt es den kompletten Überblick zu Deiner Geburtstagsparty.


Der UNESCO-Jahrestag lädt ein zum Lesen. Wie wär’s mit einem spannenden Buch zum Thema, das auch den Menschen im Wattenland noch viel Neues zu berichten weiß?

Das Wattenmeer ist ein wildes Stück Deutschland. Seit 2009 ist das Schwemmland im Norden, das sich von den Niederlanden bis nach Dänemark erstreckt, mit dem Titel UNESCO-Weltnaturerbe geadelt. Eine amphibische Landschaft, die von oben so schön ist wie das Mündungsdelta des Orinoco, heißt es. Das Buch nimmt Sie mit auf eine Reise in dieses Zwischenreich, nicht Land, nicht Meer, im ewigen Rhythmus von Ebbe und Flut, angezogen von gewaltigen kosmischen Kräften. Es erzählt von Spionage im Wattenmeer, von tragischen Unglücksfällen, kulinarischen Neuentdeckungen und spannenden Forschungsprojekten zu Klimawandel und Nachhaltigkeit. Ein Haufen Schlick? Mitnichten! Mehr Leben geht nicht.

13,5 x 20,5 cm, 240 Seiten

ISBN 978-3-7408-1081-8

Euro 16,95 [D] , 17,50 [AT]

Im April neu 2021 erschienen. Direkt zu kaufen hier oder beim Buchhandel.

Wattenmeer: Ein wildes Stück Deutschland oder 111 Geschichten zwischen Ebbe und Flut

Vor der Küste der Niederlande, Deutschlands und Dänemarks erstreckt sich ein Naturwunder: das größte Wattenmeer der Welt, ein einzigartiges und sich stetig veränderndes Ökosystem von 14.700 Quadratmetern zusammenhängendem Schlick- und Sandwatt. Es spannt sich über 500 Kilometer von der Halbinsel Den Helder vor Texel über die gesamte deutsche Nordseeküste bis zur Landspitze beim dänischen Nordseebad Blåvand. Für über 10.000 Tiere und Pflanzen sind die Biotope und Lebensräume des Wattenmeers ein Zuhause. Es ist Rastplatz für zehn bis zwölf Millionen Zugvögel, unverzichtbar für den Fortbestand ihrer Arten. Ein Grund, nicht der einzige, um es 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe zu erklären.

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111 Dinge über das Wattenmeer: Vom Mensch in grandioser Natur

Das Buch fällt schon ein bisschen heraus aus der meistens schreiend bunten Riege an Neuerscheinungen aus dem Emons Verlag: die „111 Dinge über das Wattenmeer, die man wissen muss“. Und der Titel verrät einem dann auch sofort, warum das so ist. Denn hier geht es um das Watt, im Original farblich eher dezent gehalten in sandbeige oder schlickgrau – und sofort zu erkennen am Cover, das ein welliger Wattboden ziert. Auf dem erhebt sich dann mittig auch ganz stilecht als glänzendes Relief ein kleiner Wattwurmhaufen. Der Clou dabei: Man kann ihn sogar fühlen!

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Atemraubende Bilder einer paradiesischen Landschaft

Das Wattenmeer ist ein Fest für die Augen. Und das versteht Fotograf Andreas Klesse im neuen Emons-Band auf 111 Bildseiten meisterlich zu feiern: Mit spektakulären Panoramen aus der Luft, beeindruckenden Motiven eines ganz besonderen Bodens und bezaubernden Tieraufnahmen hält er die Faszination dieser einmaligen Wildnis fest. Unglaublich – auch das ist ein Stück Deutschland!

Das Wattenmeer von oben: aus der Vogelperspektive

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Harlesiel: Wattwanderzentrum Ostfriesland in neuem Domizil

Dem gewaltigen Wattenmeer noch ein bisschen näher gerückt als bisher ist das Wattwanderzentrum Ostfriesland. Nach vielen Jahren im Erdgeschoss vom „Wattkieker“-Gebäude am Hafen von Harlesiel, hat es mit der Saison 2021 direkt am Zugang zum Strand Platz genommen. Es ist damit genau da, wo alle sind, die die weite Nordsee und die frische Brise genießen: ganz nah der Ebbe und der Flut.

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