Wieder weg: Der Hauptstrand von Wangerooge

Es ist fast jedes Jahr das gleiche Spiel: Ausgerechnet an der Stelle des Strandes, der zum Herz des Inseltourismus im Sommer zählt, ist nach einer Sturmflut oftmals das blanke Nichts. Da, wo sich in der Saison sonst Tausende von Badegästen in bunten Strandkörben räkeln, öffnet sich unvermittelt eine Steilküste. Es ist jedes Mal – auch eine finanzielle – Katastrophe für die Insel und ihren Kurdirektor. Dann geht sie wieder los: Die große Baggerei: Am Strand von Wangerooge. So hieß 2018 bereits ein Beitrag von Ostfriesland Reloaded, der zeigte, mit welch schwerem Gerät man von Mitte März bis Pfingsten in Tag- und Nachtschichten im Einsatz war, um das verloren gegangene Terrain wieder zu gewinnen. Der Sand kam ganz aus dem Osten der Insel, so weit weg wie nie zuvor.

Bereits Anfang April, zum frühen Ostern in 2018, waren damals zentrale Bereiche des Hauptbadestrands direkt vor dem Inselzentrum wieder hoch aufgeschüttet, die ersten Urlauber genossen die warme Frühjahrssonne schon in den Strandkörben. Doch nebenan wurde noch schwer gearbeitet: Immer wieder näherten sich die gelben Sandkipper aus der Ferne, brachten tonnenweise Sand aus dem Osten und luden ihn vor der Promenade ab: wieder, wieder, und immer wieder, bis sich Berge über Berge aus Sand neu auftürmten, neuer Strand gewonnen war.

Waren es im Herbst 2017 der Orkan Herwart und das Sturmtief Xavier, die unbarmherzig zuschlugen und rund 80 Prozent des Sandes an diesem Strandabschnitt wegrissen, folgte im Februar 2020 das Sturmtief Sabine. Abermals hinterließ es große Schäden, brachen auf Wangerooge Teile des Nordseestrandes weg. Die Abbruchkante vor zwei Jahren war nach Angaben der Kommunalbehörden an manchen Stellen bis zu zwei Meter hoch und erstreckte sich am Hauptstrand über eine Länge von etwa einem Kilometer. Es geschah mal wieder an zentraler Stelle Wangerooges, direkt unterhalb der Strandpromenade, direkt vor dem „Pudding“, dem Kultcafé der Insel. Schöne Aussichten.

Jetzt hat das Orkantief Nadia der Insel wieder dramatische Sandverluste beschert. 50.000 Kubikmeter sollen es allein am letzten Wochenende mit den beiden Sturmfluten am Samstagabend (29.1.) und am Sonntagmorgen (30.1.) gewesen sein. Insgesamt summiert sich der Schaden für Wangerooge in diesem Winter auf geschätzte rund 70.000 Kubikmeter Strandsand. Nadia hat ausgerechnet wieder da zugeschlagen, wo es für die Touristen am Schönsten ist. Am Hauptstrand, wo sonst? Der ist mit einem Mal um die Hälfte dezimiert und muss nun schnellstens wieder mit Sand aufgebaggert werden. Und dann wird es wieder so sein wie 2018. Die gelben Bagger werden wieder anrollen, es wird geschuftet und gerackert und im Sommer merkt der Badegast wieder nichts mehr von den unzähligen Fahrten, die nötig waren, um ihm sein gewohntes Bade- und Bräunvergnügen zu sichern, dafür die notorisch klamme Insel umso mehr im Gemeindesäckel.

Die Nordsee kommt Wangerooge und dem Inselort ganz nah. Mit Ausnahme der großen Sandplate im Osten läuft nur ein schmaler Streifen Sand im Westen und Norden um die kleine Insel, deren Umriss einem Seepferdchen gleicht. Wenn der von einer Sturmflut weggerissen wird, dann müssen die Küstenschützer manchmal schnell eingreifen, auf jeden Fall aber die Touristiker. Denn eine Ostfriesische Insel ohne Strandkorb auf feinem Sand, das ist tatsächlich ein Ding der Unmöglichkeit und der drohende Untergang.

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