Im Portrait: Andreas Klesse

Fotografiert hat er eigentlich schon immer. Er war vierzehn als er mit der Kamera des Vaters losgezogen ist, und seitdem hat ihn die Leidenschaft einfach nicht mehr losgelassen: den Augenblick festzuhalten, gegen die Vergänglichkeit der Zeit. „Fotografieren, das ist eine Art zu schreien, sich zu befreien… Es ist eine Art zu leben.“ In großen Lettern schreit Andreas Klesse dieses Zitat von Henri Cartier-Bresson auf seiner Webseite klesse-fotos.de heraus. Sie ist wohl auch ein Kontrastprogramm zu seinem Hauptberuf. Denn in dem ist er ein geschätzter Spezialist für alle Fragen rund um die Arbeitsvermittlung, seit 2005 stellvertretender Leiter des Jobcenters in Wittmund.

Trotz wachsender Anerkennung ist seine Fotografie immer ein reines Hobby geblieben. Entwickelt hat sie sich aber schon: „Mit dem Einzug der Digitalfotografie wurde ich vom Knipser zum Fotografen. Sie hat meinem Fotografieren nochmals einen ungeheuren Schub gegeben. Ich habe damals sofort mit der ersten digitalen Spiegelreflex, einer Canon 300D, losgelegt“, erinnert er sich. Spätestens als die ersten Preise und Auszeichnungen kamen, wurde es doch ein wenig ernster um seine private Leidenschaft. Als im Juni 2008 etwa die „Chip-Foto-Welt“ ihn zum Fotografen des Monats kürte und ihn mit einer Doppelseite im Heft ehrte. Oder 2011, als er den ersten Platz beim renommierten RICOH-Wettbewerb in der Kategorie „Streetfotografie“ erhielt. Regelmäßig erreicht er vorderste Plätze bei den Monatswettbewerben der „fotocommunity“, der bundesweit größten Online-Plattform für Fotografen. Viermal hat er diesen schon gewonnen. Im Januar 2015 wurde er von der Zeitschrift „ColorFoto“ sogar mit einem ganzseitigen Portrait als „fotocommunity“-Fotograf des Monats vorgestellt.

Darin heißt es: „Andreas Klesse hat eine ganz eigene Linie entwickelt. Seine Bilder wirken klar und durchdacht. Bevorzugt fotografiert Klesse in Schwarzweiß, und in der Regel hat er beim Fotografieren schon das Bildergebnis im Kopf.“ Und weiter verriet er dem Magazin:

Außerdem mag ich Bilder mit inhaltlichem Subtext, der sich vielleicht erst auf dem zweiten Blick erschließt.

Diese sprechenden Bilder sind seine Spezialität, haben oft einen ganz eigenen Humor, einen leicht schwarzen. Wie seine Lieblingsfarbe. Im monochromen Schwarzweiß zeigt sich seine ganze Meisterschaft. Andreas Klesse beherrscht die Kunst, die Linien zu entdecken im Motiv, den markanten Schattenriss oder den ganz speziellen Ausschnitt im Dreidimensionalen, grafische Kostbarkeiten. Nicht umsonst hat sich sein Kalender Ost-Friesische Schwarz-Weiß Ansichten zu seinem kleinen Bestseller entwickelt.

Ostfriesland Schwarz-Weiß
Ein Landschaftskalender mit ganz neuen Perspektiven © Andreas Klesse

Seine Bilder haben einen ganz eigenen Stil, man erkennt sie sofort wieder. Er ist mittlerweile zu einer Marke geworden – und überzeugt auch in Farbe mit großartigen Natur- und Landschaftsbildern. Die Motive dazu findet Klesse natürlich an Land, Küste und Meer der heimatlichen Nordseeregion, aber mitunter zieht es den sehr Reiselustigen hinaus in die weite Welt, insbesondere in die Vereinigten Staaten und nach Island. Oder nach Costa Rica, dort hat er einmal sogar sechs Wochen verbracht – als Praktikant im größten Schlangenzoo Mittelamerikas!

Großartige Landschaften und eine Leidenschaft für Leuchttürme

Die letzte USA-Reise in 2019 hat ihn zu den Wüsten des Landes geführt, in die von Nevada und von Arizona. Und wieder hatte er Glück: Es hat dort geblüht, was ganz selten der Fall ist. Das mag dem Pflanzenliebhaber in ihm besonders gefallen haben: Denn der Arbeitsmarktsexperte und Fotograf Andreas Klesse ist gelernter Gärtner, besitzt in diesem Metier sogar ein Ingenieurs-Diplom der Universität Osnabrück. Zurückgekommen ist er jedenfalls mit großartigen Impressionen und Fotografien von der majestätischen Natur der amerikanischen Nationalparks.

Sein besonderes fotografisches Steckenpferd sind die Leuchttürme dieser Welt. Mehr als hundert hat er auf seinen vielen Reisen bereits mit seiner Kamera abgelichtet und in beeindruckenden Aufnahmen festgehalten. Mit dem Bild eines Leuchtturms auf den Färöer Inseln zwischen Island und Dänemark gelang ihm sogar auf der Photokina, der Leitmesse der Branche, 2018 der Sprung in die Top 100. Auch ein anderes Klesse-Bild wurde auf der Messe ausgestellt: „Augenblicke“, das die fotocommunity.de in eine Auswahl aus den Einreichungen ihrer Mitglieder ausgewählt hatte. Besonders ragt ein aktueller Preis heraus. In der Novemberausgabe der renommierten Zeitschrift Photographie gewann er 2019 mit dieser Aufnahme den zweiten Platz in der Sparte Lesergallerie:

Andreas Klesse_Ausgezeichnet Photographie_Nov 2019
Ausgezeichnet! © Andreas Klesse

Die Bilder des Fotografen mit dem Auge für die besonderen Linien sind immer wieder in Ausstellungen zu sehen, auf vielen Kalendern präsentiert er seine Werke, und gerade eben ist er mit einem ersten Buchprojekt erschienen: 111 Orte auf Langeoog, die man gesehen haben muss aus dem Kölner Emons Verlag. Darin sind gleich 111 Aufnahmen zu entdecken, und auch hier ist seine Handschrift unverkennbar.

In der Welt unterwegs und Friesland im Herzen

Geboren 1957 im hügeligen Hochsauerlandkreis, genauer in Arnsberg, ist Andreas Klesse seit 34 Jahren im friesischen Jever zu Hause. Und das mit Leib und Seele. In der fotocommunity ist er weit und breit bekannt als der Jeverman. Seit vielen Jahren ist er in der Fotogruppe im Künstlerforum Jever aktiv, immer beteiligt an der jährlichen Fotoausstellung „Sichtweisen“. In Kürze gibt es wieder ganz in der Nähe Bilder von ihm zu sehen: in einer Gemeinschaftsausstellung mit Dorothe Menzel und Lars Bergmann „Landschaften der Faröer“, die am 2. März im Bürgerhaus Schortens eröffnet wird.

Andreas Klesse ist da schon wieder auf dem Sprung zur nächsten Reise. Es geht wieder in die USA, nach Florida. Und eins ist sicher: Ohne überwältigende Fotografien kehrt er nicht zurück!

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