Hinterm Horizont geht’s weiter: Ein Mann und sein Weg zum »waddensea.travel« Kosmos

Der Name ist Programm. Zeigt er doch gleich, wo es langfristig hingehen soll. Denn das erklärte Ziel von Joke Pouliart, dem Gründer des Unternehmens und Inhaber der Domain waddensea.travel, war von Anfang an ein internationales Publikum. Das ließ jedenfalls auch die Ernennung des Wattenmeers zum UNESCO Weltnaturerbe 2009 erwarten. Nun, ganz so schnell ist es nicht gekommen, das internationale Publikum muss erst noch erobert werden. Die Konkurrenz ist groß mit Grand Canyon und Great Barrier Reef. Aber warum sollten nicht irgendwann, eines Tages, Reisegruppen aus dem Ausland das Wattenmeer besuchen wie auch wir ganz selbstverständlich die tiefe Schlucht in Arizona besichtigen oder in den Gewässern Australiens abtauchen. Gut, es ist noch ein weiter Weg bis dahin, aber unvorstellbar ist es nicht.

Visionäres vom Wattenmeer war denn auch der Titel einer Story, die Ostfriesland Reloaded vor gut drei Jahren veröffentlicht hat, und in der Joke Pouliart schon damals sehr weit voraus gedacht hat. Wie stehen die Dinge heute? Wie hat sich sein waddensea.travel entwickelt? Denn der Unternehmer Pouliart ist hauptberuflich nicht Visionär, sondern muss ganz praktisch pragmatisch sein Geschäft rund um die Watt-, Natur- und Kulturführungen am Laufen halten und ausbauen.

Der Kern: Das Wattwanderzentrum Ostfriesland

Das 2016 eröffnete Ladenlokal am Hafen von Harlesiel hat sich sehr schnell etabliert, ist zu einer festen Größe in der Region geworden. Rund sieben unabhängige Watt- und Nationalpark-Guides haben sich mittlerweile unter dem Dach des Wattwanderzentrum Ostfriesland vernetzt, allesamt zertifizierte Natur- und Landschaftsführer des Nationalpark Wattenmeer. Sie sind wie das Wattwanderzentrum selbst offizielle Partner des Nationalparks. So kann für das gesamte Angebot ein hoher und vor allem ökologisch hochwertiger und nachhaltiger Standard gewährleistet werden – „ausgezeichnete Touren“ eben, die ein Gebiet von der Krummhörn bis Cuxhaven, von Borkum bis Neuwerk abdecken. Im Angebot sind klassische Wattwanderungen, aber auch viele Natur- und Gästeführungen. Mit dem Buchungsportal im Internet, das einzigartig entlang der niedersächsischen Nationalpark-Küste ist, können die Touren des Wattwanderzentrums bequem vorab gebucht werden.

Joke Pouliart schnürt gerne ganzheitliche Pakete aus dem Trio Watt, Natur und Kultur. Eine Philosophie, die erste Erfolge zeigt. In 2019 betreute er etwa die ersten Schweizer Gruppen, die über den führenden Anbieter des Landes für naturnahe Aktivreisen für eine Woche am Wattenmeer und auf den Ostfriesischen Inseln unterwegs waren. Er fungiert dann als Berater und mit waddensea.travel als Incoming-Agentur für Reiseunternehmen wie hier der ARCATOUR, die bei der Planung auf das Expertenwissen und sein Netzwerk vor Ort setzen. Da spielt das Wattwandern als eine Komponente des Gesamtpakets natürlich eine Rolle, aber eben auch das Wissen um die Kultur- und Naturlandschaft Ostfrieslands. Für nächstes Jahr sind wieder Reisen geplant, auch eine zusätzliche Tour im Herbst zur Farbenpracht, die sich auch im Wattenmeer um diese Jahreszeit entwickelt. Denn wo andernorts sich die Laubbäume färben, leuchtet an der Nordsee die Flora der Salzwiesen mit dem Queller in den herrlichsten Rottönen.

Mit der Schweiz ist ein wichtiger Kontakt ins Ausland gemacht. Im Sommer 2019 war Joke Pouliart als Experte für nachhaltiges Reisen und Naturerlebnisse im UNESCO Weltnaturerbe und Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer auf einer Medienkonferenz in Zürich,  gemeinsam mit der Marketingorganisation OFI, die Ostfriesische Inseln GmbH. Die Schweiz ist natürlich erst ein Anfang in Richtung Internationalisierung, aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Bevor man ganz Europa in Visier nimmt, reicht es vielleicht schon, neue Zielgruppen im Inland anzusprechen. Neben den Regionen im Süden Deutschlands, die die Nordsee nicht mit der Muttermilch inhaliert haben wie viele Menschen in Nordrhein-Westfalen, sind es vor allen Dingen neue Milieus, die man nach Ansicht der lokalen Tourismusplaner zukünftig stärker adressieren sollte: Menschen, die den Lifestyle of Health and Sustainability pflegen. LoHaS nennen Soziologen diese Gruppe, die viel Wert auf Gesundheit und Nachhaltigkeit legt. Dazu gehören wohl definitiv Menschen, die mit dem WWF, dem World Wide Fund for Nature,  einen Ausflug an die Nordsee unternehmen. Der WWF hat 2019 einen Piloten gestartet. Joke Pouliart war für Naturerlebnisse im Wattenmeer dabei und entwickelte eine sehr inhaltsreiche dreistündige WWF-Wattexpedition. In Kooperation mit dem WWF hat er den Sommer über zwanzig Reisegruppen betreut. Jetzt soll das Programm in eine größere Reihe von WWF-Erlebnisreisen eingegliedert werden.

Neben der Betreuung von Reisegruppen hat Joke, wie er in der Wattwanderszene üblich nur mit dem Vornamen angesprochen wird, natürlich auch weiter seine individuell buchbaren Wattwanderungen im Programm. Darunter auch die „Königsetappe“ aller Touren, die überaus anspruchsvolle und nur von wenigen Wattführern angebotene Inseltour nach Langeoog. Sie geht stundenlang über tiefen Schlick, entlang großer Felder von Austernbänken mit schärfsten Kanten und durch hüfthohe Prile, bis man nach einem Gewaltmarsch von mehreren Stunden die Salzwiesen der Insel im Osten erreicht. Sie ist eine von unzähligen Touren die Joke im Sommer in der Saison macht. Entweder in Harlesiel, auf Langeoog, oder als große Inseletappe mittendrin im weiten Wattenmeer. Der Mann ist einfach nicht kaputt zu kriegen. Und er scheint die richtige Technik zum Wattwaten zu haben. Oder, sagen wir es so: Watt, das ist einfach sein Element!

Ein ganz besonderes Watt-Event gab es im Herbst 2019. Da fand nämlich im Schlick vor Harlesiel eine Premiere statt: ein Gottesdienst im Watt, um der Schöpfung zu danken für dieses wunderbare Geschenk der Natur – das Wattenmeer. Da hat Joke gerne zugesagt und die Gruppe aus Potshausen im südlichen Ostfriesland an einem strahlenden Sonntagmorgen die Stufen hinunter und hinaus ins heimische Watt geführt.

Das neue Zentrum: Der Gulfhof Friedrichsgroden

Während man das Wattwanderzentrum Ostfriesland als Kern von waddensea.travel betrachten kann, so hat sich der Wirkungskreis von Joke enorm erweitert, als er im Herbst 2017 den Gulfhof Friedrichsgroden in Carolinensiel direkt hinter der Deichlinie erwarb. Unter dem gewaltigen Dach des Hofgebäudes hat er privat sein Zuhause gefunden, aber gleichzeitig sein Angebot an Gäste um die Übernachtung in einem traditionellen Backsteinbau ergänzt.

Doch der Gulfhof Friedrichsgroden ist mittlerweile noch viel mehr – besonders für Einheimische: Er ist ein beliebtes Kultur- und Informationszentrum zur Küstenregion am Wattenmeer. Hier finden wechselnde Kunstausstellungen, Konzerte, Chansonabende und Theateraufführungen statt. Auch der Gulfhof ist zertifiziert: als Partner vom Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer. Es gibt Veranstaltungen und jede Menge Material zum Thema, und draußen am Backstein eine Installation mit Vögeln, die zum (In)formationsflug starten. Unterm großen Scheunendach haben die verschiedensten lokalen Gruppen, die in Sachen Nachhaltigkeit unterwegs sind, einen großartigen Aktionsraum.

Hier kommen Natur, Kultur und Menschen zusammen. Green Events ist die Spezialität des Hauses: seien es Wildnisübernachtungen oder Hoffeste mit regionalen Produkten. Auch der Biosphärenmarkt des Nationalpark Wattenmeer, der dieses Jahr zum ersten Mal veranstaltet wurde, erlebte hier in Carolinensiel seine Premiere und fand großen Zuspruch. Auf dem Gulfhof Friedrichsgroden ist eigentlich immer etwas los. Und ein Name darf an dieser Stelle auf keinen Fall fehlen, der von Romy. Denn ohne die Frau an seiner Seite, wäre das alles nicht möglich. Sie hält die Fäden zusammen, wenn Joke mal wieder unterwegs ist, irgendwo zwischen Wattwanderzentrum, den verschiedenen Tourismusorganisationen oder auf einer der vielen Inseln. 

Mobil sein in Ostfriesland: Barrierefreiheit

Mit dem Thema Mobilität setzt sich Joke schon seit langem auseinander. Im Winter ist er eigentlich immer in dieser Mission unterwegs, als geprüfter und offiziell beauftragter „Erheber“ für Barrierefreiheit. Erst letztes Jahr hat er im Auftrag der Nationalparkverwaltung Wattenmeer alle Nationalparkhäuser an der Küste und auf den Inseln zertifiziert – rund 16 hatte er dabei im Blick. Daneben gilt es aber auch jede Menge anderer touristischer Betriebe und Einrichtungen zu vermessen und zu bewerten – und bereits erteilte Zertifikate zu überprüfen und den Stand der Entwicklungen festzuhalten. Das ist alle drei Jahre der Fall. Gerade war Joke zur barrierefrei-Zertifizierung auf Borkum, Spiekeroog und Langeoog.

Bilanz: Es hat sich viel getan und geht immer weiter

In den letzten drei Jahren ist ein richtig kleiner Kosmos um sein waddensea.travel entstanden: das Wattwanderzentrum Ostfriesland, der Gulfhof Friedrichsgroden, die Erweiterung um kulturelle Angebote. „Ständige Anpassung“ nennt Joke das. Dynamisch wie das Wattenmeer, das sich immer wieder neu präsentiert, müsse man auch in Sachen Tourismus immer wieder neu denken. „Im Prinzip geht es dabei stets um die Zukunftsfähigkeit unserer Region“. Waddensea.travel, das ist mittlerweile ein Netzwerk für praktizierten Ökotourismus, Beratung und Entwicklung inklusive. Ein „ecotourism experience network and development“, so bezeichnet es Joke auch.

Langfristig wendet man sich an ein internationales Publikum. Vor allem aber, und das gilt für in- wie ausländische Gäste gleichermaßen, an eines mit Qualitätsbewusstsein. „Einer Qualität, die durch Tourismus eine Landschaft aber auch die Lebensqualität der Akteure und Bewohner der Region nicht schädigt, sondern ihre Arbeit und Authentizität wertschätzt.“ Und nur was der Mensch kennt, kann er auch schützen. Daher ist für Joke der Wissenstransfer und das Erlangen von Kompetenzen vor Ort ein entscheidender Baustein auf dem Weg zu mehr nachhaltiger Entwicklung, Klimaschutz, Artenschutz und Biodiversität in Ostfriesland. Kurz gesagt: Bildung und Bewusstsein, darauf kommt es an.

Das ist die Mission für die er angetreten ist und für die er immer mehr Öffentlichkeit bekommt: Die Fernsehauftritte des telegenen Wattführers nehmen zu. Immer häufiger ist Joke dort ein Gesicht und Botschafter – sei es im großen ndr-Portrait über Carolinensiel (die nordstory) oder mit Judith Rakers bei einer ihrer Inselreportagen, die sie diesen Sommer nach Langeoog führte. Gerade jetzt plant er für das neue Jahr wieder eine fernsehreife Aktion mit einem Ginfass, so eine Art Robinson Crusoe-Geschichte an der Nordsee. Mehr wird hier aber nicht verraten…

Joke m WattJoke der Rastlose, Joke der Ideenreiche, Joke der Zukunftsmacher. Ja, selbst ihm schwirrt ein wenig der Kopf angesichts der vielen Optionen, die er sieht und hat. Er lacht: „Im Moment sind es fast schon zu viele Gestaltungsmöglichkeiten“. In welche Richtung geht es weiter? Das fragen wir ihn einfach wieder in einigen Jahren. Und Ostfriesland Reloaded ist sich sehr sicher: Da hat Joke wieder jede Menge zu erzählen.

***


Kerzenzauber vor schwimmendem Tannenbaum

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© Joke Pouliart

Das Wattwanderzentrum Ostfriesland und der Gulfhof Friedrichsgroden präsentieren sich zur Zeit auf dem Winter- und Weihnachtsmarkt in Carolinensiel. Mit seinem Lichtermeer um den idyllischen Museumshafen und dem einzigen Tannenbaum Deutschlands, der auf dem Wasser schwimmt, ist er definitiv einer der schönsten Ostfrieslands. Die Chancen Joke dort zu treffen sind gut: von donnerstags bis sonntags ist sein Stand mit einem großen Sortiment an nordisch eleganten und vor allen Dingen ökologisch unbedenklichen Kerzen geöffnet. Fernab von Advent und Weihnachtszeit lohnt es sich auf jeden Fall immer auf seiner stets aktuellen Facebookseite vorbeizuschauen: www.facebook.com/naturerlebniswattenmeer.


Kontakt

Wattwanderzentrum Ostfriesland |Am Harlesiel 20 |26409 Carolinensiel-Harlesiel  und Gulfhof Friedrichsgroden | Friedrichsgroden 3 | 26409 Carolinensiel-Harlesiel  Tel.:  0173-9978231 |E-Mail:  info@wattwanderzentrum-ostfriesland.de
www.wattwanderzentrum-ostfriesland.de


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