Himmelsstürmer: Rasend schnell in die Stratosphäre

Auf Norderney befindet sich eine von neun Stationen, mit denen der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit Sitz in Offenbach die Atmosphäre erforscht. Sie bilden das aerologische Messnetz für Deutschland. Die einzige in Niedersachsen steht auf der Insel in der Nordsee und deckt mit ihren Beobachtungen den äußersten Nordwesten der Republik ab. Gemessen werden die Daten mit Radiosonden, die an einem weißen Heliumballon befestigt bis in unglaubliche Höhen von 35 Kilometern aufsteigen. Dort platzt der Ballon, und die  kostbare Sonde segelt an einem kleinen Fallschirm wieder zurück Erde. Meistens landet sie in der Nordsee, doch manchmal auch auf dem Festland.

Radiosonde
Eine der begehrten Radionsonden.

Radiosonden sind begehrte Fundstücke. Es gibt sogar regelrechte Sondenjäger, die sich auf die Pirsch machen nach dem kleinen weißen Plastik, das gerade Mal so groß ist wie eine Butterdose. Hinter dem unscheinbaren Äußeren verbirgt sich jedoch eine ausgeklügelte Messtechnik mit der die Sonde auf ihrem Weg nach oben wichtige Daten für die Meteorologen unten auf der Erde liefert. Sie jagt mit einer Geschwindigkeit von fünf Metern die Sekunde durch die Wolken und analysiert dabei Schicht um Schicht die Atmosphäre, die uns umgibt. Direkt erfasst werden Temperatur, Luftfeuchte und Luftdruck. Mittels GPS können Windgeschwindigkeit und Windrichtung ermittelt werden. Die Messdaten werden während des Höhenflugs sofort hinunter zur DWD-Wetterwarte auf Norderney gefunkt.

Die befindet sich ganz in der Nähe des Aussichtpunkts Georgshöhe mit einem Traumblick auf den Strand und die Brandung der Nordsee. Das Gelände ist eingezäunt, sein hoheitlicher Auftrag sofort am Bundesadler neben dem Briefkasten zu erkennen. Direkt am Weg zum Hauptgebäude befindet sich die Aufstiegsanlage für die Radiosonden.  Dort spielt sich täglich das gleiche Schauspiel ab. Pünktlich um 10:45 und 22:45 Uhr öffnen sich zwei Klappen in einem gelben Metallcontainer und ein weißer Wetterballon schießt heraus. Rasend schnell steigt er hoch in die Lüfte, entfernt sich immer weiter, ist in wenigen Sekunden kaum noch am Himmel zu erkennen.

AbschussDoch Vorsicht bei den Zeitangaben! „Für uns zählt nur die Weltzeit“, erläutert der DWD-Wetterwart und klärt für all diejenigen auf, die um die oben genannten Uhrzeiten noch nie einen Ballon haben starten sehen: „In der Sommerzeit müssen wir in Deutschland zwei und im Winter eine Stunde zur Weltzeit hinzurechnen.“ In der Sommersaison startet der erste Ballon des Tages demnach also mittags um Punkt 12:45 Uhr. Gelegentliche Nachtschwärmer können den zweiten dann um 0:45 Uhr Ortszeit auf seinem Weg in den Himmel verfolgen.

Nach Bedarf und auf Anfrage der Meteorologen aus der Offenbacher DWD-Zentrale werden je nach Wetterlage auch mal zusätzliche Ballons gestartet, bis zu vier Starts sind ohne großen Aufwand möglich. Denn der Vorgang ist weitestgehend automatisiert.

In der ATSO, der automatischen Startanlage, befindet sich ein großes Karussell mit Platz für 24 Ballons mit Sonden. Bei einer Standardauslastung von zwei Ballons pro Tag reicht das für insgesamt zwölf Tage. Zum Start dreht sich jeweils ein Ballon auf Startposition, wird mit Helium gefüllt und sobald die Klappen über ihm aufgehen, startet er in die Lüfte. Auch wenn alles voll automatisch abläuft, bedarf es doch der Überwachung und Wartung durch den Menschen, müssen die Helium-Gasflaschen gelagert und ersetzt werden, das Karussell regelmäßig mit neuen Ballons und Sonden bestückt und die Technik überwacht werden.

Mit seiner Zwei-Mann-Besatzung liefert die Wetterwarte auf der Ostfriesischen Insel nicht nur die areologischen Daten aus der Stratosphäre, sondern mit seinen Bodenmessungen an der Station auch die klassischen Kennzahlen für die tägliche Wettervorhersage aus Offenbach. Denn Norderney bildet den Außenposten der deutschen Wetterbeobachtung Richtung Nordsee – und die ist besonders häufig bestimmend für unsere nationale Wetterlage.

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