Roadmovie Ostfriesland: Landpartie mit der Kraft von Wind und Sonne

Das Auto und Ostfriesland: Das ist die Geschichte einer ganz besonders engen Beziehung. Ostfriesland ohne Auto? Man möchte schon fast sagen, das geht gar nicht. Oder jedenfalls nur sehr schwer. Mobil zu sein, das ist eine Voraussetzung um hier auf dem Land gut zu leben. Mobil zu sein, das ist auch eine Voraussetzung um die Weiten Ostfrieslands als Tourist zu „erfahren“. Denn die Zeiten sind lange vorbei, als sich die Nordseeküste noch per Eisenbahn erschließen ließ. „Unnerwegens“, das heißt heute vor allen Dingen auf den eigenen, meistens vier, Rädern unterwegs zu sein.

Autofahren: eine rasende Leidenschaft, dem die Kunsthalle Emden 2017 sogar eine eigene Ausstellung widmete: Das Auto in der Kunst machte deutlich, dass keine technische Erfindung Künstler so nachhaltig beschäftigt hat, wie das Automobil. Das Auto in der KunstEs war und ist Kult – geliebter Gebrauchsgegenstand, soziales Symbol oder ästhetisches Objekt. Und immer auch Projektionsfläche von Emotionen, Kontroversen und Spiegelbild einer Gesellschaft. Zu Anfang ein technisches Meisterwerk, bewundert, begehrt und geliebt, Ikone der Pop-Art und Produkt der Wirtschaftswunderjahre. Mit der Öl-Krise in den Siebzigern war dann pötzlich Schluss mit der unvoreingenommenen Begeisterung für die Verbrennungsmotoren. Es begann zu Bröckeln am Mythos Auto, der Glanz der frühen Jahre war vorbei und vor allen Dingen auch vermehrt die Rolle als wichtiges Statussymbol. Gerade die jungen Menschen in der Stadt haben sich heute emotional schon längst verabschiedet von Führerschein und vom eigenen PKW, der für frühere Youngster-Generationen zum Erwachsenwerden selbstverständlich dazu gehörte.

Der Kult um das Auto wird dennoch bundesweit weiter gepflegt, und sei es als Zeitreise in die Vergangenheit. Auch in Ostfriesland gibt es so einen Ort, in dem man sentimental den vergangenen Jahrzehnten, den frühen Anfängen und den Glanzzeiten der (Auto-)Mobilisierung nachspüren kann: Automobilmuseum EinfahrtIm Automobil- & Spielzeugmuseum Nordsee ganz in der Nähe von Norddeich sind auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern viele Oldtimer und wahre Klassiker des 19. Jahrhunderts ausgestellt: Autos, Motorräder und Mopeds, deren einmalige Ästhetik nicht nur Technikfreaks bis heute bezaubern. Zu verfehlen ist das Gebäude nicht, dafür sorgt schon der auffällige Eingangsbogen aus blechernen Karosserien. Fragt sich nur, was eine überdimensionale Schnapsflasche direkt neben einem Automobilmuseum zu suchen hat?

Wer Klassiker nicht nur anschauen, sondern selbst fahren will, der kann das in Ostfriesland übrigens auch tun: Denn mit der Hot Rod City Tour gibt es mittlerweile eine Variante, sich in kleine Cabrio-Einsitzer im Retro-Design zu versenken und über die Landstraßen zu flitzen. Die begleiteten Touren starten in Norden und führen durch den Westen der Region. Ostfriesland Reloaded hat dem Freiluft-Spaß in der stylischen Seifenkiste in diesem Themenscherpunkt einen Extra-Artikel gewidmet.

Noch mehr PS: Am Rande des ostfriesischen Hochmoores südlich von Hage befindet sich das größte Speedwaystadion Europas, das Motodrom Halbemond. Wie ein alter Tempel erhebt sich das Oval mit Platz für 34.000 Zuschauer aus der dünn besiedelten flachen Umgebung.

Motodrom Halbemond aus der Luftauf
Motodrom Halbemond (© Andreas Müller)

Heute ist die 396 Meter lange und in den Kurven 16 Meter breite Rennbahn, die einst zu den schnellsten der Welt gehörte, nur noch selten Kulisse für einen PS-starken Motorrad-Wettkampf. Hier wurden Weltmeisterschafts-Finale ausgetragen, 1983 sogar mit Egon Müller der einzige Speedway-Weltmeister Deutschlands gekürt. Doch das Interesse für die Sportart brach ein, und damit ging auch die große Zeit des Motodroms zu Ende. 2008 fand im Rahmen der Junioren-WM erstmals nach 25 Jahren wieder ein WM-Lauf statt. Heute ist das gewaltige Motodrom Halbemond ein Multifunktionsstadion für Zeltlager, Konzerte und Ausstellungen und natürlich weiterhin für den Motorsport. Am Pfingstsonntag, den 9. Juni, steht ein seltenes Speedway-Spektakel auf dem Programm: der ADAC Störtebeker Superpokal MC Norden. Erwartet wird ein internationales Starterfeld.

Mobilität ist das Thema der Stunde: Der Tourismus beschreitet neue Wege

Keine Nachrichtensendung, kein Zeitungsartikel, keine Talkshow kommt zurzeit ohne eine Diskussion zu der Frage aus, wie wir uns in Zukunft von A nach B bewegen. Von künstlicher Intelligenz und autonomen Fahren ist die Rede, vom Ausbau öffentlicher Verkehrsinfrastrukturen mit Bus und Bahn wird gesprochen, neue Carsharing-Konzepte diskutiert. Besonders im Vordergrund bei aller Zukunftsplanung um das Auto stehen jedoch die Aspekte um Umweltschutz und Klimawandel. Denn fraglos ist die dringend gebotene Reduktion von CO2 in der Atmosphäre das Maß aller Dinge und unsere globale Zukunft.

Vorbild und ein Pionier in Niedersachen ist hierbei das idyllische Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel, das mit der Saison 2019 seinen Gästen ein neuartiges CO2-Kompensationsmodell anbietet, das die klimaschädlichen Folgen der meist mit dem Auto erfolgten An- und Abreise an anderer Stelle ausgleicht. Das kennt man zwar schon vom Buchen bei Flügen, ist aber für das gesamte Bundesland eine Premiere. Wie’s genau funktioniert, lesen Sie hier im aktuellen Schwerpunkt von Ostfriesland Reloaded, der sich in dieser Ausgabe um die Frage von Mobilität und Tourismus dreht.

Ein besonders schönes Beispiel für neue und nachhaltige Ideen rund um die Mobilität im Urlaub ist der solarbetriebene Strandrollstuhl, der auf einigen ostfriesischen Inseln bereits im Einsatz ist. Vorangetrieben wurde die Idee von Spiekeroog und seinem Tourismuschef. Auf die Idee gebracht hat ihn eine Urlauberin und Stammgast: Andrea Krosse genießt seitdem eine ungeahnte Freiheit. Ostfriesland Reloaded hat mit ihr einen Spaziergang mit Profil gemacht, immer entlang des weißen Traumstrandes.

E-Bike im RapsfeldDas E-Zeitalter hat begonnen und schreitet rasend voran

In den meisten Fällen ist es der Wind, der in Ostfriesland für den alternativen Strom sorgt, und damit erst das ermöglicht, auf das die Bundesrepublik hinsteuert: ein Land, das durch elektrische Energie in Bewegung gesetzt wird. Das E-Zeitalter hat bereits überall begonnen. Besonders erfolgreich ist darin bereits die Fahrradbranche unterwegs. Laut dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) wurden in 2017 allein 3,85 Millionen Fahrräder in Deutschland verkauft. Der Anteil der Elektrofahrräder betrug bereits 19 Prozent, Tendenz steigend. Die Akkus werden größer – für 130 Kilometer langt eine Ladung mittlerweile. Auch die Motoren werden stärker und erreichen 25 Kilometer pro Stunde. Das sind rosige Aussichten für alle, die in Ostfriesland mit dem Fahrrad unterwegs sind. Jetzt kann kein Gegenwind mehr schrecken.

An insgesamt neun Orten entlang der gesamten friesischen Nordseeküste – von Greetsiel bis Dangast – gibt es E-Tankstellen für das Aufladen von Elektrofahrzeugen. Das ist ein ausgesprochen dichtes Netz und macht jede Spritztour durch das Land am Wattenmeer zu einer sicheren Angelegenheit für Gäste, die mit einem E-Auto angereist sind. In drei dieser Küstenorte gibt es auch in 2019 mit dem Nordsee-Flitzer wieder ein Angebot, das einmalig sein dürfte an der Nordsee: In Greetsiel, Dornum und dem Wangerland kann man die Testfahrt für ein E-Auto in den Urlaub verlagern und sich statt eines normalen Mietwagens einfach ein Elektroauto der Marke Renault Zoe leihen. Für Inhaber der Nordsee-ServiceCard sind vier Stunden mit dem E-Auto sogar umsonst: 0,- Euro, damit lässt es sich gut werben und auch einfach Mal einsteigen.

Ganz entspannt kann man bis zu einer Akku-Reichweite von 120 Kilometern die grüne Küste erkunden und dabei mal selbst ausprobieren, wie es sich so fährt mit den fast geräuschlosen Automobilen, die wohl bald unser aller Zukunft sein werden.

Denn daran hat auch kürzlich VW-Chef Herbert Diess in einer Fernseh-Talkrunde des ZDF keinen Zweifel gelassen: Der E-Mobilität gehört die Zukunft und sein Konzern stellt die komplette Produktpalette darauf um. Was das für die Zukunft Ostfrieslands und für viele Menschen bedeutet, wird sich noch weisen, und ist vor allen Dingen eine Frage der Perspektive. In einer Region, in der die VW-Werke in Emden der größte Arbeitgeber weit und breit sind, hat die Aussage des Vorstandvorsitzenden einiges Gewicht. Doch das ist dann kein Thema von Mobilität und Tourismus mehr, sondern eines von Arbeitsplätzen und Strukturwandel.

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