Premiere für Niedersachsen: Klimaneutral An- und Abreisen

Tourismus und Umweltschutz sind kein Widerspruch. Das beweist ganz aktuell Carolinensiel-Harlesiel mit einer Initiative zur Kompensation von CO2-Ausstoß, die jede PKW-Reise an die Nordseeküste unweigerlich mit sich bringt. Und das Auto ist für 90 Prozent der Gäste in Ostfriesland immer noch das Transportmittel der Wahl. Nur 10 Prozent der Touristen reisen mit der Bahn an. Zwar sind bei einer Autofahrt in heimische Gefilde die Umweltsünden nicht ganz so groß wie bei einer Fernreise mit dem Flugzeug, doch je nach Entfernung und bei jährlich 5,15 Millionen (2018) Menschen, die an der Nordsee Urlaub machen, summiert sich da Einiges an ausgestoßenem Kohlendioxid: dem Gas, das maßgeblich für den Klimawandel und den weltweiten Anstieg des Meeresspiegels verantwortlich ist.

In der Fliegerei schon lange bekannt, aber für den regionalen Tourismus in Niedersachen nun eine absolute Premiere: die Kompensation des CO2-Ausstoßes. Dahinter steht die Idee, die eigene Umweltsünde durch ein Umweltschutzprojekt an anderer Stelle wieder auszugleichen und damit – global gesehen – wieder für eine ausbalancierte Umweltbilanz zu sorgen. Eine Art ökologischer Ablasshandel ist das, mag da manch Zyniker sagen. Aber derzeit ist es immer noch die einzige Möglichkeit als Auto fahrender oder fliegender Urlauber umweltbewusst zu handeln, so lange Verbrennungsmotoren oder Kerosin für Flugzeuge noch die marktüblichen Antriebe sind und die Schiene im Einzelfall keine Alternative darstellt.

Rund 75 Prozent aller CO2-Emissionen, die dem Tourismus zugerechnet werden stammen aus dem Verkehr, und dabei vor allem aus der An- und Abreise. Hier setzt das vorbildliche Projekt der Tourismusverantwortlichen von Carolinensiel-Harlesiel an. Jeder Urlaubsgast, der über die Webseite auf http://www.carolinensiel.de oder über die Zimmervermittlung des Ortes unter der Telefon-Nummer 04464/9493-93 bucht, kann sich nun seinen ökologischen Fußabdruck bei der An- und Abreise berechnen lassen und diesen über den Kauf von CO2-Zertifikaten, die geprüften Umweltschutzprojekten zugute kommen, kompensieren. Für den Gast ist das Prozedere relativ einfach: Als Berechnungsgrundlage dient die Postleitzahl des Heimatortes mit dem direkten Weg nach Carolinensiel-Harlesiel und zurück.

Hier ein kleines Beispiel für einen Urlauber aus Essen: Die Fahrt mit dem PKW nach Carolinensiel ist für die Hin- und Rückreise insgesamt 314 Kilometer lang. Dabei wird die Umwelt pro Person mit 0,126t CO2e-Emissionen belastet, was umgerechnet 126,02kg CO2e-Emissionen entspricht. Die CO2-Kompensation dafür beträgt zirka zwischen 1,50 und 2,00 Euro, rechnet Marcus Harazim vor. Ein relativ kleiner Betrag, den einem eine intakte Umwelt vielleicht Wert sein sollte. Der Marketingleiter des Nordseebades sieht durchaus die Grenzen, aber auch die Chancen des eigenen Klimaschutz-Projektes: „Die C02-Kompensation ist sicherlich keine langfristige Ideallösung, aber wir möchten Zeichen setzen und Impulse geben, so dass sich Menschen über ihr grundsätzliches Verhalten Gedanken machen. Ein Mikroschritt ist besser als gar kein Schritt.“

Siegel_csm_KlimapatenschaftFür die Berechnung wie die Kompensation arbeitet das innovative Nordseebad mit der Klimapatenschaft GmbH aus Elmshom zusammen, die die CO2-Zertifikate wiederum aus internationalen Gold Standard-Projekten bezieht. Diese können von der Förderung regenerativer Energien oder emissionsarmer Gaskocher bis hin zur Wiedervernässung von Mooren reichen. Da die zu starke Belastung der Atmosphäre durch Treibhausgase ein globales Problem darstellt, wird eine Kompensation an geographisch unterschiedlichen Orten möglich, selbst, wenn die Treibhausgase geographisch woanders entstanden sind.

Zur Auswahl stehen etwa Klimaschutzprojekte in Kenia und Indien. Das ist geografisch weit entfernt vom Reiseziel Ostfriesland, so dass sich die Initiatoren noch für eine weitere lokale Komponente entschieden haben, um auch vor Ort das eigene Engagement zu zeigen und sichtbar zu machen: In Zukunft wird pro Buchung ein fester Betrag in regionale Umwelt- oder Naturschutzprojekte des Nordseebades investiert. So wird der Verein Naturflächen e.V. eine Schwarzdornbepflanzung im neuen Kurpark an der Cliner Quelle fördern.

Footprint in Gruen_pixaFür Carolinensiel-Harlesiel ist das CO2-Kompensationsprojekt ein weiterer Meilenstein in der Umsetzung eines neuen Tourismusleitbildes, das vor vier Jahren gemeinsam mit der Bevölkerung definiert wurde und in dem Nachhaltigkeit ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung ist: „Das am Weltnaturerbe Wattenmeer neben den ökonomischen und sozialen Themen, der ökologische Fußabdruck von großer Bedeutung ist, ergibt sich von selbst“ erläutern Geschäftsführer Kai Koch und Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Claußen von der Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel GmbH.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies weiß um den Wert dieses Vorstoßes der Touristiker von der ostfriesischen Nordseeküste: „Der Klimawandel spielt für die Tourismusregion Wattenmeer in zweierlei Hinsicht eine wichtige Rolle: Einerseits ist dieses einzigartige Ökosystem vom Klimawandel bedroht, gleichzeitig werden auch durch den Tourismus Treibhausgas-Emissionen verursacht. Das Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel zeigt mit einem nachhaltigen und klimafreundlichen Angebot vorbildlich, wie eine Tourismusregion in diesem Spannungsfeld agieren kann. So leistet die Region einen wichtigen Beitrag für mehr Klimaschutz“.

Einer Meinung, der sich die vielen Entscheider von Gemeinde, Landkreis und Nationalpark Wattenmeer gerne anschlossen, die sich Ende März zur Vorstellung dieser erst- und einmaligen CO2-Kompensation im niedersächsischen Tourismus im idyllischen Sielort an der Nordsee versammelten.

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Freuen sich über die Premiere für Niedersachsen: Peter Südbeck (Leiter Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer), Eike Cornelius (Ortsvorsteher Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel), Olaf Lies (Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz), Heiko Willms (stellv. Landrat Landkreis Wittmund), Kai Koch (Geschäftsführer Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel GmbH) sowie Rolf Claußen (Aufsichtsratsvorsitzender der Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel GmbH und Bürgermeister der Stadt Wittmund) – Von links nach rechts. Copyright: Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel GmbH

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