Es ist hier alles Gold, was glänzt: Ostfriesland und das Edelmetall

Es verspricht ein goldenes Jahr zu werden, dieses 2019: Der Goldpreis steigt wieder und geht es nach dem Manager Magazin, kommt jetzt die Zeit für Goldfans. Wie passend für ein Jahr, das das zweite Jahrzehnt der 2000er Jahre abschließen wird, bevor wir dann in die Goldenen Zwanziger starten. Ein echtes Übergangsjahr also, wie gemacht für Gold, das die Chemiker als Übergangsmetall in ihrem Periodensystem der Elemente definieren.  Dort hat es mit der Ordnungszahl 79 und unter dem Symbol Au für lateinisch Aurum Platz genommen, in einer Nebengruppe, in der sich auch Kupfer und Silber befinden, die Münzmetalle.

Gold, dazu hat Ostfriesland überraschend viel zu sagen. Immer wieder springt dieses Wort einen an in diesem Land, das eigentlich durch nichts stärker geprägt wird als durch Blau, die Farbe von Nordsee und dem unvergleichlichen ostfriesischen Himmel. Blau ist der Grundton Ostfrieslands, doch Gold schon immer der Glanz obendrauf.

Denn die Ostfriesen sind berühmt für ihren Goldschmuck: Im 16. Jahrhundert kleiden sich ihre Frauen zu Festtagen wie Königinnen, mit Diademen auf der Stirn, über und über mit Gold behangen, die Kleider mit langen Reihen metallener Platten zu goldenen Rüstungen verstärkt. Fasziniert verfolgten Zeitzeugen dieses Spektakel im Norden. Goldschmieden fertigten mit großer Handwerkskunst damals wahre Geschmeide. Allein im kleinen Ort Westeel bei Marienhafe, der 1373 bei der großen Dionysosflut unterging, gab es fünf Goldschmiedewerkstätten.

Heute ist nur noch den Wenigsten bekannt, wie unsagbar reich Ostfriesland einst war. An diese Zeiten erinnert Ostfriesland Reloaded nun im Themenschwerpunkt „Gold“: Darin geht es um die gekrönten Häupter freier Ostfriesinnen; es geht um kostbaren Filigranschmuck und die letzten Meister dieser traditionsreichen Goldschmiedekunst; und es geht um das Leben eines Mannes, der wie kein anderer spürte, dass das Goldene Zeitalter der Ostfriesen bald vorbei sein sollte.

Gold_pixabayDoch woher stammte all das Gold der Friesen eigentlich?

Zu ihrem Reichtum kamen die Ostfriesen wohl durch das Meer, wie Historiker vermuten. Denn schon immer zog es die Menschen von der Küste zu Handel und Schiffahrt hinaus auf die See, lockte die Ferne. Zwischen 500 und 900 waren es einzig die Friesen, die Handelsbeziehungen in Nordeuropa aufrecht erhielten. Das viele Gold, über das die Ostfriesen zu späterer Zeit verfügten und zu ihrem sagenhaften Schmuck verarbeiteten, stammte aus dem Fernhandel dieser Jahre, aus Verkäufen und Transporten, die sie bis nach Rom führten und reich machten.

Doch es gab auch ein Problem: Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches dauerte es bis zu Karl dem Großen bis um 800 wieder ein einheitliches Geldsystem installiert war. Es gab lange kein Geld im westlichen und nördlichen Europa. Das wurde aber für den Fernhandel dringend gebraucht. Und so produzierten die Friesen im 7. und 8. Jahrhundert kurzerhand ihr eigenes: die Sceattas.

Auch viele Jahrhunderte später ist das Münzwesen noch eine Spezialität Ostfrieslands. Goldene Münzen wie auch silberne und kupferne Exemplare erzählen die Geschichte Ostfrieslands aus einer ganz einzigartigen Perspektive, insbesondere für Emden, das bereits Mitte des 11. Jahrhunderts als Münzprägungsstätte erwähnt wird und im 17. Jahrhundert mit der MONETA NOVA EMBDENSIS sogar unter eigener Souveränität Münzen prägte. Dort gibt es heute im edlen Münzkabinett des Ostfriesischen Landesmuseums einer der größten Münzsammlungen zwischen Bremen und Groningen zu bestaunen.

Muenzstempel
Prägestempel im Münzkabinett (Ostfriesisches Landesmuseum).

Kreisrund und fast ganz aus Gold ist auch ein Fundstück, das im 20. Jahrhundert für Schlagzeilen sorgte: die Sonnenscheibe von Moordorf. 1910 wurde sie in dem Dorf der Moorkolonisten beim Torfgraben entdeckt. 14,5 Zentimeter im Durchmesser ist sie groß und nur 0,14 Millimeter flach. Als Vitus Dirks das schmutzige Metallblech aus dem schwarzen Boden zog, erkannte er ihren Wert nicht und gab sie seinen Kindern zum Spielen. Drei Mark erhielt er für die Scheibe als er sie vor hundert Jahren, 1919, an einen Händler verkaufte. Seitdem ist sie durch viele Hände und Museen gegangen – und hat in der Zwischenzeit eine deutliche Wertsteigerung erfahren. 3.500 Jahre soll sie alt sein, aus der Nordischen Älteren Bronzezeit von 1.500 bis 1.300 vor Christus stammen. Heute ist sie wahrscheinlich unbezahlbar. Das Original befindet sich im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover.

Insbesondere ihr für antike Funde ungewöhnlich hoher Goldanteil von 99,8 Prozent sorgte Anfang 2016 unter Fachleuten für Zweifel an der Echheit. Es ist noch (fast) alles Gold, was hier glänzt. Aber auch tatsächlich so alt?

Sonnenscheibe Moordorf
Die Goldscheibe von Moordorf (Niedersächsisches Landesmuseum).

Solange die Experten sich nicht einig sind, enthält sich Ostfriesland Reloaded eines Urteils  – denn es gibt auch genug Thesen, die das hohe Alter der Moordorfer Goldscheibe bestätigen, seitdem ähnliche Funde andernorts gemacht wurden. Über tausend Striche und Punkte wurden mit Punzen von hinten in das dünne Goldblech betrieben. Um eine (ehemalige) Wölbung in der Mitte ziehen sich vier Kreisringe in größer werdenden Radien nach außen, die mit Kreis-, Strich- und Dreiecksmustern gefüllt sind. Wozu das runde Gold benutzt wurde, darüber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Eine Replik des Goldstücks sowie viele Informationen rund um den Sensationsfund aus dem Moor und seine wechselhafte Geschichte hält das Moormuseum in Moordorf bereit.

Ob schwerer oder filigraner Goldschmuck, Münzen oder historische Blechscheiben – Gold ist ein absolut ostfriesisches Thema. Ganz zu schweigen vom Goldenen Ring oder der Goldenen Linie, die aus Ostfrieslands Geschichte ebenfalls nicht wegzudenken sind, wie viele schon wissen. Wer nicht, der klicke einfach auf die zwei Begriffe und findet über die Links schnell zu den beiden ebenfalls sehr goldenen Kapiteln der Region.

Allen Lesern und Leserinnen ein goldenes 2019

wünscht Ostfriesland Reloaded!

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