Pioniere: Auf dem Weg zur UNESCO Biosphärenschule

Sie sind ganz vorne mit dabei, die sieben Berufsschüler aus Wittmund, und haben allen Grund zu strahlen. Ostfriesland will sich als Modellregion für eine nachhaltige Entwicklung positionieren und dabei spielt Bildung eine zentrale Rolle. Sie sind quasi Pioniere: Mit Thermobechern, aus denen möglichst bald alle in der berufsbildenden Schule trinken und die Plastikbecher in ihrer Cafeteria überflüssig machen sollen. Die BBS Wittmund ist eine von fünf Schulen, die der Nationalpark Wattenmeer im Rahmen eines Pilotprojekts zur „UNESCO Biosphärenschule“ zertifizieren will.

Die OBS Borssum in Emden, die ISG Krummhörn in Pewsum, die Grundschule Carolinensiel, das Amandus-Abendroth-Gymnasium in Cuxhaven – und eben die BBS in Wittmund. Sie repräsentieren auch fünf unterschiedliche Schulformen, darunter eine Oberschule und eine integrierte Gesamtschule. Mehr Vielfalt geht fast nicht, und auch die geografische Abdeckung des Projekts ist optimal: Von ganz im Westen bis zum Osten reicht das Einzugsgebiet der Pilotschulen. Leana Frisch vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer mit Sitz in Wilhelmshaven ist daher viel unterwegs. Sie ist verantwortlich für die Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung bei der Nationalparkverwaltung und steuert die angehenden „Biosphären-Schulen“ durch das Pilotjahr.

Ostfriesland ist auf dem Weg zur Modellregion für nachhaltige Entwicklung. Bildung spielt dabei eine zentrale Rolle, insbesondere das Bewusstsein für den ganz speziellen Naturraum in dem man lebt, so direkt am Weltnaturerbe Wattenmeer. Nationalpark-Schulen, die gibt es auch in anderen Ländern. Was macht eigentlich die UNESCO Biosphärenschulen so besonders und anders? „Das ist vor allen Dingen die Mensch-Umwelt-Beziehung. Bei diesem Pilotprojekt sind es nicht nur die ökologischen Aspekte, die eine Rolle spielen, sondern auch immer kulturelle Aspekte der Nachhaltigkeit“, erläutert Frisch.

Die regionale Verbundenheit mit Ostfriesland entspricht auch dem Leitbild der BBS in Wittmund, wie Schulleiterin Christine Steinröder ausdrücklich betont. Wobei die Botschafterschule des europäischen Parlaments durchaus in überregionalen Kategorien zu Hause ist. Das Biosphärenprojekt erfährt große Unterstützung im Lehrerkollegium, wie eine Online-Befragung Anfang des Jahres ergeben hat. Von den zwei Dritteln, die geantwortet hatten, waren fast alle dafür, sich hier zu engagieren und Pionierarbeit zu leisten. Auch der Schulträger, Landrat Holger Heymann, unterstützte und so konnte es schnell losgehen. Zur Kerngruppe des „Biosphären-Schulprojektes“ an der BBS zählen heute acht Lehrer aus unterschiedlichen Disziplinen wie etwa der Metalltechnik oder Sozialpädagogik.

Unter Regie der engagierten BBS-Bereichsleiterin und Pädagogin Melanie Jochens wurde direkt nach Planungstreffen aller beteiligten Schulen im Frühjahr ein Projekt zur „Nachhaltigkeit in der Gastronomie“ in Angriff genommen. Die „Wattenmeer-Happen“ waren das erste überzeugende Resultat mit denen die Wittmunder im Sommer bereits punkteten. Da zauberten die Schüler aus regionalen und saisonalen Produkten vom Wochenmarkt und Spezialitäten aus dem Wattenmeer Leckereien, die die Besonderheiten des Landstrichs an der Nordseeküste widerspiegelten: Esskultur am Wattenmeer. Serviert wurden so Köstlichkeiten wie Tortellini mit Spargel und Sanddorn, Queller-Erdbeer-Salat mit Ziegenfrischkäse oder Panna cotta vom Ostfriesentee mit Eierlikörschaum.

wattenmeerhappen_foto bbsAuch im Herbst ist es wieder der gastronomische Arm, der mit einem neuen Projekt auf sich aufmerksam macht: Es geht um das Thema „Plastik“ und dessen Vermeidung. Warum nicht gleich in der eigenen Schule anfangen? Warum nicht die Plastikbecher, die jeden Tag im eigenen Haus in Mengen verbraucht werden, ersetzen durch eine nachhaltigere Lösung, die weniger die Umwelt verschmutzt? Thermobecher für die ganze Schule! Doch wie sollte man die an den Mann, sprich seine Mitschüler und Lehrer bringen?

Bei der Umsetzung haben die angehenden Gastronomie- und Ernährungsexperten gleich einen Kurs in BWL und Marketing absolviert. Denn es hieß, ein geeignetes Objekt zu finden, es zu testen, den Preis zu kalkulieren und vor allen Dingen Kaufanreize zu schaffen. Das ist ihnen auch gelungen: Die neuen Becher ziert das Logo der Schule in Blau und Orange, sie werden so zu Botschaftern der Marke BBS. Das erste Exemplar erstand Direktorin Steinröder, das zweite der Serie ging an Ostfriesland Reloaded

Auf den ErfolgZehn Euro kostet er in der Herstellung und nur zu diesem Preis wird er verkauft. Eine sinnvolle Investition. Erste Kooperationen mit der Cafeteria im Haus sind auch schon gemacht. Der Verbreitung der nachhaltigen Idee steht also nichts mehr im Wege.

In Sachen Plastik denkt man an der BBS schon weiter, etwa an die Entwicklung mobiler Abwaschstationen. Und natürlich denkt man in Wittmund auch an das Ende des Pilotjahres im Dezember. Denn danach wird entschieden, ob die Zertifizierung zur Biosphärenschule gelungen ist. Vorher gibt es aber noch einen hausinternen Wettbewerb, den Harle-Sparkassen-Cup, bei dem sich die Auszubildenden der Gastronomie dem Urteil einer Fachjury stellen.

PartnerFür die Nationalparkverwaltung ist die Entwicklung von Biosphärenschulen ein wichtiger Strang beim Aufbau eines umfassenden Bildungsnetzwerks, das das Wattenmeer als Puls und Impulsgeber für die gesamte Küstenregion begreift. Ein ebenso wichtiger Knotenpunkt bei der Wissensvermittlung im wertvollen Lebensraum Wattenmeer sind die 18 Nationalparkhäuser und -bildungseinrichtungen, die Ende September vom niedersächsischen Kultusministerium als außerschulischer Lernort anerkannt wurden. Für die Nationalpark-Netzwerkerin Frisch ein weiterer Meilenstein.

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Bildhinweis: Das Beitragsbild zu Beginn zeigt die kreativen Geister hinter dem „Thermobecher-Projekt“ Celina Meiners, Carina Buss, André Ussel, Vivien Frings, Julien Neumann; Milena Zimmerling und Nina Blankenheim.

 

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