Schnaps vom Apotheker: Bödeker’s Magenbitter

Einst gab es ihn sogar auf Rezept: den hochprozentigen Klassiker für die leichte Verdauung. 33 Volumen Prozent steckt in der Flasche mit der goldenen Schutzkappe. Doch das Getränk ist weniger Spirituose, sondern „eher als Medizin zu sehen“. Das sagt einer, der es wissen muss: Denn Dr. Florian Penner ist seit 2014 Inhaber der traditionsreichen Löwen-Apotheke in Emden und damit im Besitz der 200 Jahre alten Geheimrezeptur für „Apotheker Bödeker’s Magenbitter“. Der Pharmazeut ist skeptisch gegenüber jenen Thesen, dass Alkohol in Maßen sogar gesundheitsförderlich sei: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Nutzen den Schaden überwiegt“, mahnt er zur Vorsicht bei jeglichem Genuss von alkoholischen Getränken, da wohl immer mit einer Gesundheitsschädigung zu rechnen sei. „Natürlich macht die Dosis das Gift,“ ergänzt er und gibt Entwarnung für den Alkoholgehalt in Arzneimitteln oder auch in seinem Magenbitter, da in aller Regel nur geringe Mengen davon konsumiert werden (sollten).

Das war in seiner Branche lange anders, da war die Apotheke so etwas wie der beliebte Stammtisch des Ortes. Denn Apothekern war es lange Zeit gesetzlich erlaubt, nicht nur Medikamente zu verkaufen, sondern auch Selbstgebranntes auszuschenken. Auch die Löwen-Apotheke in Emden betrieb im 19. Jahrhundert einen äußerst gut florierenden Schnapsausschank. Im Backsteingebäude zwischen den beiden Sielen versammelten sich oft 10 bis 15 Personen im Ladengeschäft um „Tobac zu rauchen, zu schnapsen und zu plaudern während die wichtigsten Recepte gemacht wurden.“ Das ist einem Faltblatt zu entnehmen, mit dem Apotheker Penner heute seine Kunden über die alten Bräuche seiner Zunft informiert und über Carl Bödeker, der den berühmten Magenbitter erfand und ihm seinen Namen gab.

Bödeker, seit 1799 bis zu seinem Tod 1839 Eigentümer der Apotheke, war ein äußerst geschäftstüchtiger Mann. So erweiterte er das Geschäft mit den Medikamenten etwa um einen Handel mit Mineralwässern, wie Selters, Fachinger, Emser und Pyrmonter Wasser, wofür er in Emden die exklusiven Rechte besaß. Im Jahr 1812 richtete er sogar eine Badeanstalt ein, in der seiner Kundschaft von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends Schwefel-, Kräuter- und Stahlbäder verabreicht wurden. Aus dieser Zeit stammt auch seine „China-Pomeranzen-Bitter-Essenz“, die bis zum heutigen Tag als „Bödekers Magenbitter“ über den Ladentisch geht.

Das Rezept ist bis heute geheim. Nur der Inhaber der Löwen-Apotheke kennt Zutaten und Verfahren und gibt dieses Wissen jeweils an seinen Nachfolger weiter. Dr. Penner ist das letzte Glied einer langen Kette. Er repräsentiert die mittlerweile neunte Apothekergeneration, die das Geheimnis um den Magenbitter hütet – und das seit mehr als zweihundert Jahren. Zauberkräfte verleiht dieser nicht, und auch Misteln werden nicht mit goldener Sichel geschnitten, doch ein wenig hat das alte Ritual etwas von der Magie eines Miraculix, wird der Doktor zweimal im Jahr zum Druiden. Selbst seine Mitarbeiter kennen das genaue Rezept für „Apotheker Bödeker’s Magenbitter“ nicht, das an sicherer Stelle aufbewahrt wird.

Soviel konnte Dr. Penner aber Ostfriesland Reloaded verraten: Der Extrakt besteht aus geschnittenen Drogen – das ist der wissenschaftliche Begriff für getrocknete Teile von Pflanzen, die zur Herstellung von Arzneimitteln verwendet werden. Diese werden mit Alkohol extrahiert, ausgezogen und gleichzeitig konserviert. Der Extrakt muss vier Wochen ruhen. Danach wird die Flüssigkeit abfiltriert bis ein Konzentrat übrig bleibt. Dieses wird mit einer Flüssigkeit und dem gewünschten Alkoholgehalt zum bekannten Magenbitter komponiert. Heraus kommt eine in goldenen Bernsteintönen schillernde Spirituose. Sie schmeckt gar nicht so bitter, wie man es den Namen nach vermuten würde, sondern ein wenig wie britische Orangen-Marmelade mit Alkohol. Sehr bekömmlich! Und dazu noch so gesund! Denn wie Dr. Penner ausführt: „Die enthaltenen Bitterstoffe sind sekretionsfördernd. Da fangen die Magensäfte an zu laufen und die Verdauung kommt in Schwung.“

Wer sich nach einem üppigen Mahl etwas Gutes tun will, dem sei „Apotheker Bödeker’s Magenbitter“ empfohlen. Er ist ideal als Digestif und Aperitif, und eignet sich gerade im Herbst und Winter, wenn die Essen schwerer und fetter werden, auch hervorragend als Geschenk. Den gesunden Schnaps gibt es nur und exklusiv in der Löwen-Apotheke in Emden: Die 700 Milliliter-Flasche kostet 11,49 Euro, 200 Milliliter sind für 4,49 Euro zu haben. Wohl bekommt’s!

Wer nicht persönlich vorbeikommen kann, der kann die leckere Medizin auf der Internetseite der Löwen-Apotheke oder telefonisch bestellen.

Löwen-Apotheke

Zwischen den Sielen 36, 26721 Emden

E-Mail: info@loewen-apo.de

Internet: www.loewen-apo.de

Tel: 04921/9736-0 | Fax: 04921/9736-99

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Und noch etwas

Ist die Geschichte des Magenbitters schon eine traditionsreiche, so geht die Geschichte der Löwen-Apotheke in Emden um mehr als vierhundert Jahre bis auf 1598 zurück. Aus diesem Jahr ist eine Schuldforderung des Apothekers Guiliam Martin erhalten, die erste schriftliche Erwähnung dieser Emder Institution, von der in Folge die Namen vieler Besitzer bekannt sind. Der Erfinder des Magenbitters, Carl Bödeker, war es dann auch, der die wirtschaftliche Blütezeit Emdens um die Jahre 1797 und 1801 zu nutzen wusste und die Apotheke von der Neutorstraße 10 in die Straße „Zwischen beiden Sielen“ verlegte, wo sie bis heute ihren Sitz hat. Aus dieser Zeit, seit mindestens 1840, hat sie ihren Namen „Löwen-Apotheke“. 95 Jahre lang, seit 1919, war die Löwen-Apotheke durchgehend im Besitz der Apothekerfamilie Mälzer, bevor Dr. Florian Penner im April 2014 ihr neuer Inhaber wurde.

 

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