Dunkles Bier und Spiele: Der Ostfriesen Bräu-Fünfkampf

Braukurs, Biertasting, Bierseminar – hier hat man hat die Qual der Wahl, wenn man sich in ein ostfriesisches Bierabenteuer stürzen will. Seit fast zwanzig Jahren betreibt René Krischer sein Ostfriesen Bräu in Bagband bei Leer und hat eine regelrechte Erlebniswelt um sein Landbier und seine Brauerei aufgebaut. Den meisten Spaß und ganz viel Action verspricht das Bierseminar. Das haben sich auch sechzehn Herren gedacht, die sich an einem Samstagnachmittag im September vor der historischen Landbrauerei versammeln und angetreten sind zur „Erlebnisreise durch die Geschichte des Bieres“, wie es in der Ankündigung heißt. Damit die Lehrstunde nicht zu trocken wird, startet das Seminar mit einem kräftigen Schluck vom original ostfriesischen Gerstensaft: „Angezapft ist. Prost!“

Los geht’s mit dem theoretischen Teil. Angefangen vom angeblichen Schutzpatron der Brauer, einem Herrn namens Gambrinus, bis zum deutschen Reinheitsgebot von 1516 erfährt man alles darüber, was Bier zu dem ganz besonderen Stoff unter den Alkoholika macht. So nennt der Deutsche Brauer-Bund rund eine Millionen unterschiedlicher Biersorten. Eine beeindruckende Zahl, wenn man bedenkt, dass nur vier Zutaten erlaubt sind: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Doch die Feinheit und die hohe Kunst des Brauens steckt bekanntermaßen im Detail: dem Wasser, aus dem Bier immerhin zu mehr als 90 Prozent besteht; dem Malz, das in Europa meistens aus Getreide hergestellt wird und wichtig für die Zuckerbildung ist; dem teuren Hopfen, der dem Bier sein typisches Aroma und dem Schaum seine Standfestigkeit gibt; und der Hefe, die den Gärprozess auslöst und den Alkohol erst ins Bier bringt. Das Bagbander Landbier ist ein untergäriges Bier, die Hefe setzt sich am Boden des Jungbieres ab. Männer, aufgepasst? Das wird später beim Quiz noch wichtig.

Die Gruppe zieht weiter ins Museum der Landbrauerei: Dort wird am historischen Gerät erklärt, was es mit den einzelnen Schritten damals wie heute auf sich hat. Denn obwohl die Technik und Gerätschaften im Brauwesen stetig modernisiert wurden, ist das Handwerk an sich unverändert. Auch das Lagern spielt beim Bierbrauen bis heute eine Rolle. Sechs bis acht Wochen ist das in Bagband der Fall. Danach wird abgefüllt. Alte Lagerfässer und eine Reihe historischer Abfüllvorrichtungen lassen sich im Museum während dieses Teils der Bildungsreise in Sachen Bier bestaunen. Auch jede Menge Flaschen und Biersorten aus aller Herren Länder bauen sich hinter dem gebürtigen Frankfurter Günter Becker auf, der die Gruppe fachkundig durch den historischen und theoretischen Teil des Bierseminars führt.


Ausgezeichnet

2005 und 2006 gewinnt das Ostfriesen Bräu zwei Mal in Folge den European Beer Star Gold Award in der Kategorie “Kellerbier dark“ für das Landbier dunkel. 2016 wurde das Sortiment erweitert. Neben dem Landbier dunkel und dem Bockbier sind auch noch Weizenbier, der Sömmerbris und der Törfbrand im Angebot.


Doch alle Theorie hat auch Mal ein Ende. Weiter geht’s für die Herrenrunde, alles Arbeitskollegen der Firma Bohlen & Doyen aus dem benachbarten Wiesmoor. Auf dem Programm stehen jetzt Bier und Spiele! Der moderne Bagbander Bier-Fünfkampf besteht aus den folgenden Disziplinen: Kronkorken-Schätzen,  Bierfass-Rollen, Bierbecher-Weitwurf, 3-Liter-Bierkrug-Stemmen und ein Bierquiz mit Fragen zum theoretischen Teil – falls man(n) sich an den noch erinnern kann… Der Fünfkampf fordert sämtliche Muskeln und den ganzen Mann. Und wer am Anfang noch deutlich unterhopft war, der ist spätestens nach zwei Stunden Bierseminar auch um einige praktische Erfahrung reicher.

Soviel Heben und Bewegen muss belohnt werden: Mit einer Urkunde und einem Erinnerungsglas verlässt hier jeder das Lokal. Und selbstverständlich wird der Gesamtsieger des Ostfriesen Bräu-Fünfkampfes noch extra mit einer Premium-Flasche besten Landbieres bedacht. Für die meisten Gruppen gestaltet sich der Abschluss kulinarisch. Denn in der rustikalen Gaststätte auf dem Brauereigeländes lässt sich stilecht weiter genießen. Passend zum Bier gibt es zünftige Brotzeiten und Deftiges, das den Geschmack des Hopfens unterstreicht. Zur Verdauung oder als Nachtisch empfiehlt sich auch allerlei Destilliertes wie der hauseigene Bierschnaps oder ein Bierlikör. Der ist dann wohl eher etwas für die Dame.

Und an dieser Stelle möchte Ostfriesland Reloaded noch eine Erkenntnis des Tages besonders festhalten: Die ersten Bierbrauer in Babylon vor 12.000 Jahren waren Frauen. Darauf ein „Hoch, die Gläser, meine Herren!“ Schön war’s mit Euch, Gentlemen! Danke!

5 Gruppenbild ohne Dame
Von Startnummer 1 bis 16 des Ostfriesen Bräu-Fünfkampfes waren dabei: Peter Tönjes, Fabian Claaßen, Detlev Labohm, Frank de Freese, Thorsten Meinen, Wolfgang Schmidt, Jörg Schuster, Michael Schröder, Holger Bruns, Toni Hedemann, Michael Schoone, Thomas Wiessler, Jens Bekel, Günter Hartmann, Hermann Fohrden und Jens Schoone (auf dem Bild in anderer Reihenfolge).

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Und noch etwas

Wer das Handwerk beim Meister direkt lernen will, der hat dazu fast jeden Samstag Gelegenheit, wenn ein Braukurs in der Brauerei startet. Die Kurse gibt es seit 2008 und dauern einen ganzen Tag: Von halb neun Uhr morgens bis fünf Uhr nachmittags führt René Krischer in die Geheimnisse der Braukunst ein, zeigt im Sudhaus an modernstem Gerät wie man Bier nach handwerklich traditioneller Art braut. Hier wird nicht nur über die Qualität des Wassers beim Bierbrauen diskutiert, über Malz, Hopfen und schließlich über die Hefe, die alles zum Gären bringt, sondern hier wird ganz praktisch gearbeitet, hier dampft’s und brodelt’s richtig.

Nicht nur aus eigener Herstellung stammen die Produkte, die während eines so genannten Biertasting beim Ostfriesen Bräu angeboten werden. Ähnlich wie bei einer Weinprobe geht es hier ja gerade darum, verschiedene Biere aus unterschiedlichen Brauereien Deutschlands kennen zu lernen und die Vielfalt des Gerstensaftes zu erschmecken. Zur Begrüßung gibt es aber auf jeden Fall für alle das Original Ostfriesen Bräu-Landbier aus Bagband und zum Abschied noch viele andere Erinnerungen an eine Verkostung der besonderen Art.


Hintergrund

Vor genau zwanzig Jahren nahm die Erfolgsgeschichte des Ostfriesen Bräu ihren Anfang: 1998 kaufte René Krischer, gebürtiger Leverkusener und Wahlostfriese, das Grundstück der alten Molkerei in Bagband/Großefehn in der Nähe von Leer. Da, wo einst frische Milchprodukte fabriziert wurden, wurde 1999 pünktlich zum Tag des Bieres, am 23. April, eine Braugaststätte mit angeschlossenem Brauereimuseum eröffnet: das Ostfriesen Bräu. Von Anfang an wurde in Bagband nicht nur Bier verkauft, sondern auch selbst Bier gebraut. Zunächst auf einer über 100 Jahre alten historischen Anlage und seit 2001 in einem dafür errichteten Brauereigebäude mit einer Sudanlage, die einst in Dortmund ihre Heimat hatte und ein Brauvolumen von 7000 Liter Bier in der Woche ermöglichte. Seitdem wurde stetig optimiert und ausgebaut, das Museum 2002 nach dem Ausscheiden des Partners Leschner in ein separates Gebäude mit Keller und historischen Abfüll- und Lagergefäßen umgesiedelt. Heute ist das Ostfriesen Bräu in Bagband eine feste Institution und ein beliebtes Ausflugsziel. Auch namhafte Politiker ließen sich hier immer gerne blicken, sei es Jürgen Trittin auf Wahlkampftour oder Christian Wulff noch als Landesvater. Auch Fernsehsendungen wie „Hallo Niedersachsen“ diente die Bauerei schon als Kulisse, auch beim RTL2-Wettbewerb „Mein Lokal-Dein Lokal“ waren die Bagbander 2015 ganz vorne mit dabei.


Kontakt:

René Krischer
Ostfriesen Bräu | Historische Landbrauerei mit Brauhaus
Voerstad 8 | 26629 Großefehn

Telefon: +49 (4946) 203
Telefax: +49 (4946) 1055
E-Mail: post@ostfriesenbraeu.de

Internet: www.ostfriesenbraeu.de

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