Stiftung Ökowerk Emden: Eine Ideenschmiede für die Welt

SalFar steht für „Saline Farming“ und ist der Name eines internationalen Projektes, das die EU ins Leben gerufen hat, um innovative und neue Methoden bei der landwirtschaftlichen Nutzung von salzhaltigen Böden zu entwickeln. An der Küste Ostfrieslands, direkt hinter einem hohen Deich an der Emsmündung, befindet sich eines der zehn europäischen SalFar-Forschungslabore. Denn das Ökowerk in Emden vertritt Deutschland in dem ambitionierten Programm zu dem sechs weitere Nordsee-Anrainerstaaten beitragen: Norwegen, Schweden, Dänemark, Holland, Belgien und Großbritannien sind auch mit dabei. Insgesamt arbeiten 14 sehr unterschiedliche Partner an der Untersuchung, darunter auch Universitäten für die akademische Begleitung. „Wir sind eine gute Kombination aus Denkern und Machern“, meint Detlef Stang, Geschäftsführer der Emder Stiftung und deutscher Projektleiter für SalFar.

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Detlef Stang (links) mit Uwe Janssen, Klaus Lübbers, Udo Wessels, Wiebke Seedorff (von rechts)

Wobei die Emder eindeutig die Rolle der Macher im internationalen Team von SalFar eingenommen haben. Stang: „Wir sind die Ideenschmiede und Umsetzungswerkstatt.“ So bringe jeder Projektteilnehmer seine eigene Erfahrungen und Interessen in den Verbund mit ein: “Wir haben sicherlich eine andere Sichtweise als ein Wissenschaftler, den nur die Versalzung interessiert. Wir blicken immer auch auf den ökologischen Aspekt und den der Nachhaltigkeit wie beispielsweise auf eine Salzwiesenpflanze, die sehr früh blüht, sehr viele Insekten anzieht, aber auch zu Nahrungsmangelzeiten eine mögliche Alternative bietet.“ Außerdem betont der Geschäftsführer: „Wir wagen manchmal auch einfach Dinge.“

Wie beispielsweise die „Schwimmenden Inseln“. Eine Konstruktion aus Korken und Draht mit eingelassenen Pflanzen. Die „Flooded Flowers“ sind für Gebiete gedacht, in denen Wasser unbrauchbar geworden ist, aber die mit der schwimmenden Lösung immer noch für eine Bepflanzung nutzbar sind. Angefangen haben die Tüftler des Ökowerks mit kleinen Drahtkörben, anfangs auch noch mit Styropor. Mittlerweile lassen sich die aus rein abbaubaren Materialien bestehenden Module zu großen Inseln verdrahten. Beim diesjährigen Stapellauf im April waren insgesamt 13 Körbe und Kästen zu einer sechseinhalb Quadratmeter großen Fläche verbunden.


Mit dem Anstieg der Meeresspiegel, ausgelöst durch den Klimawandel, drohen immer mehr Böden entlang der Küstenzonen der Welt zu versalzen. Um diese weiterhin landwirtschaftlich nutzen zu können, sucht man allerorten rund um den Globus nach Nutzpflanzen, die es im Salz aushalten: Halophyten ist ihr wissenschaftlicher Name. Salzpflanzen haben nach Ansicht vieler Experten gute Chancen, das Gemüse der Zukunft zu werden.


Queller, Löffelkraut und Herzblattsalat heißen momentan die Favoriten des Ökowerk Emdens. Seit den ersten Testphasen in 2017 haben diese Salzpflanzen schon die unterschiedlichsten Versuchsreihen durchlaufen, von Gewächshauspflanzungen, über eigene Aussaaten zu unterschiedlichen Jahreszeiten bis hin zur Freilandaufzucht.

Einen großen Aufwand betreibt das Ökowerk mit unterschiedlichen Testreihen für Schlick, dem sandigen Sediment des salzigen Wattenmeers. So wurden in einem Gewächshaus am See im Frühjahr von den Ökowerkern mehr als 1.200 Töpfe mit Salzpflanzen bestückt und mit unterschiedlichem Schlick-Substraten versehen. Denn Stickstoff, Phospat und Kalium gehören zu den Nachteilen des Nährbodens, die durch die experimentellen Versuchsaufbauten näher ergründet und durch wechselnde Substratzusammensetzungen auf Optimierung getestet werden.

Eine weitere Versuchsstation befindet sich ganz in der Nähe des Deiches. Hier werden die Pflanzen und der Schlickdünger unter Freilandbedingungen geprüft. Auf die Menge und die Mischung kommt es an, so die Erfahrung der Salzwasserpflanzen-Experten aus Emden. Nicht jede Pflanze verträgt ein hochkonzentriertes Ganzkörper-Schlickbad. Sehr gut gedeiht aber mittlerweile das Löffelkraut, bei der Stang und seine Mitarbeiter das richtige Rezept wohl gefunden haben.

Neben den biologisch-ökologischen Aspekten kommt es letztendlich aber auf den Geschmack an und auf Produkte aus Wattenmeerpflanzen, die am Markt bestehen. Da ist das Team des Ökowerks schon sehr kreativ unterwegs: Als Grünen-Politker Anton Hofreiter letzten Sommer in Emden vorbeischaute wurde Fingerfood aus Salzpflanzen serviert. Es gab Cranberrycreme mit Herzblattsalat, Yufka-Röllchen mit Bärlauch-Löffelkraut-Pesto, Ajvar mit Queller und ein Tomaten-Paprika-Queller-Chutney. Das hört sich doch schon sehr vielversprechend an. Dem Spargel aus dem Meer, wie die Welt gerade treffend über den Queller titelte, steht wohl noch eine große kulinarische Zukunft bevor!

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Hintergrund

Das SalFar-Programm hat einen zeitlichen Rahmen von 2014 bis 2020. Nach einem Kick-Off in Großbritannien in der University of Lincoln in 2017, folgte ein weiteres Treffen im März 2018 bei der SalFar-Foundation im niederländischen Texel. Sie ist die zweite Stiftung im Verbund. Auch im Ökowerk Emden gab es bereits ein gemeinsames Treffen. In der Vorbereitung schauten bereits alle SalFar-Partner bei den Praktikern in Ostfriesland vorbei. „Die sehr angetan waren, insbesondere von der Vielseitigkeit unserer Einrichtung“, wie sich Stang gerne erinnert.

Im Ökowerk Emden steht für das SalFar-Projekt ein Gesamtbudget von einer halben Millionen Euro zur Verfügung, einer der größten Summen im europaweiten SalFar-Verbund. Die Hälfte wird dabei von der EU ko-finanziert, die andere Hälfte, 250.000 Euro, müssen die Emder über Partner und Projekte selbst aufbringen. Der Aufwand für die Verwaltung sei nicht unerheblich, aber mittlerweile habe man sich laut Stang mit den geforderten Ausschreibungs-und Abrechungsprozessen der EU vertraut gemacht. Die Mitarbeit in internationalen Projekten dieser Größenordnung sichere dem Ökowerk ein nachhaltiges Wirtschaften, gibt der Geschäftsführer zu Bedenken.

Adresse und Öffnungszeiten

Emder Bürgerstiftung Regionales Umweltzentrum Ökowerk Emden
Kaierweg 40 a
26725 Emden

Telefon: 04921/954023
Fax: 04921/954025
E-Mail: info@oekowerk-emden.de

Öffnungszeiten

 

Während der Sommermonate von Mai – September kann das Ökowerk zu folgenden Zeiten besucht werden:
Montag bis Donnerstag 07:00 – 17:00 Uhr
Freitag 07:00 – 12:30 Uhr
Der Eintritt ist frei.
An Feiertagen und Brückentagen bleibt das Ökowerk geschlossen.

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