Ost nach West: Turmwanderung auf der Insel Wangerooge

Wangerooge ist eine Insel der Türme. Es gibt einen großen alten Leuchtturm in der Stadtmitte, dann noch einen riesigen neuen Leuchtturm, der sein Licht weit in die Deutsche Bucht hinaus strahlt, und einen kleinen Turm der früheren Marine-Signalstation am westlichen Ende der Strandpromenade. Draußen auf dem Meer kann man sogar noch den bekannten Leuchtturm Roter Sand und seinen Nachfolger Rote Weser oder beispielsweise das Leuchtfeuer Helgoland sehen.

Doch der Turm aller Türme auf Wangerooge ist der Westturm. Der massive Backsteinbau mit seinem markanten Kupferdach ist das Wahrzeichen der Insel, schon von weitem auf der Fähre zu erkennen. Die Geschichte dieses Leuchtfeuers ist außergewöhnlich, denn er gehört zu den ältesten der Nordsee. Genau nachzulesen ist das alles in einem sehr schönen Portrait auf leuchttuerme.net, dem Online-Archiv der Leuchttürme. Hier die wichtigsten Highlights:

Eigentlich gab es im Verlauf der Geschichte drei Westtürme auf Wangerooge, die aber zu ihrer Zeit jeweils unterschiedliche Funktionen hatten. Der erste Westturm war ein Kirchturm und gehörte zur Nikolai-Kirche im Inseldorf. Dorf, Kirche und Friedhof mussten aufgrund der dramatischen Ostverlagerung der Insel aufgegeben werden und so stürzte der Nikolai-Turm im Westen um 1590 unter dem Druck des Wassers ein, seine 15 Meter hohe Ruine diente noch lange danach als Seezeichen.

Der zweite Westturm wurde 1602 errichtet und fungierte als Landmarke für einfahrende Schiffe. Das war Voraussetzung für das Eintreiben von Zollgebühren, die für das Großherzogtum Oldenburg lange die wichtigsten Staatseinnahmen darstellten. Neben der Orientierung für Schiffe diente das 50 Meter hohe Gebäude den unterschiedlichsten Zwecken. Auf fünf Stockwerken wurde es als Kirche, Zufluchtsort bei Sturmfluten, als Gefängnis, Eiskeller und Lagerraum für Strandgut genutzt.

Der Turm diente aufgrund seiner Höhe auch als trigonometrischer Punkt für Landesvermessungen. 1825 hielt sich sogar Carl Friedrich Gauß bei der Vermessung des Königreiches Hannover auf Wangerooge auf. Eben jener berühmte Mathematiker, dem wir unter vielem anderen die Normalverteilung in der Statistik zu verdanken haben, und der in dem Bestseller „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann, eine Hauptfigur darstellt.

Das imposante Turmgebäude befand sich ursprünglich an der Ostspitze. Durch die enormen Sandverlagerungen „wanderte“ es im Verlauf der Jahrhunderte über die Insel und mutierte zum Westturm. Dort trotzte er in der Brandung stehend lange den Fluten. Den Garaus machte ihm dann schließlich nicht die Nordsee, sondern der Erste Weltkrieg. Um dem Gegner nicht eine Orientierungshilfe auf dem Weg zum Kriegshafen Wilhelmshaven zu geben, sprengte man ihn 1915.

1932 errichtete man an neuer Stelle eine fast exakte Nachbildung des alten Westturms. Über dem Eingang wurde der Wappenstein des originalen Vorgängerbaus zur Erinnerung eingemauert. Dieser dritte Westturm steht noch bis heute. 1933 diente er den Herrschern als Herberge für die Hitlerjugend. Nach dem Krieg übernahm dann der Deutsche Jugendherbergsverband (DJH) die Regie, die 2005 einen modernen Neubau hinzufügte.

Beitragsbild WestturmDer Westturm ist wohl eines der außergewöhnlichsten Angebote im Programm des DJH. 90 Betten gibt es im alten, denkmalgeschützten Turm, der sich über einem quadratischen Grundriss von 12 Metern Seitenlänge über sieben Stockwerke erhebt. 56 Meter ist er insgesamt hoch und bietet eine grandiose Aussicht über die Ostfriesischen Inseln und die Nordsee, die ihresgleichen sucht.

Welch einen fantastischen Rundblick man aus seinem Zimmer in luftiger Höhe haben kann, das zeigen eindrucksvoll Bilder aus dem DJH-Blog „heiter bis stürmisch“. Unter #Mal was anderes: Eine Nacht im Wahrzeichen von Wangerooge kann sich jeder schon Mal vorab einen direkten Eindruck von diesem ganz besonderen Urlaubserlebnis verschaffen.

DJH Wangerooge Jugendherberge
Copyright: Deutscher Jugendherbergsverband (DJH)

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Kontakt

Jugendherberge Wangerooge / Westturm

26486  Wangerooge / Nordsee

Tel.  04469 439

 

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