Die große Baggerei: Am Strand von Wangerooge

Der Sand ist knapp auf Wangerooge. Er fehlt quasi an allen Ecken und Kanten, und Anfang der Saision wurde er vor allen Dingen am Hauptbadestrand vermisst. Denn der hatte sich im Herbst unvermittelt in eine Steilküste verwandelt. Orkan Herwart und Xavier schlugen unbarmherzig zu und rissen rund 80 Prozent des Sandes an diesem Strandabschnitt weg. Ausgerechnet an der Stelle des Strandes, die zum Herz des Inseltourismus im Sommer zählt. Direkt unterhalb der zentralen Strandpromenade war das blanke Nichts. Wohin mit den Strandkörben, wohin mit den Gästen? Eine kleine Katastrophe für die Insel und Kurdirektor Christian Pollmann.

75.000 Kubikmeter Sand galt es wieder aufzuschütten. Mit schwerem Gerät war man von Mitte März bis Pfingsten in Tag- und Nachtschichten im Einsatz, um das verloren gegangene Terrain wieder zu gewinnen. Der Sand kam ganz aus dem Osten der Insel, so weit weg wie nie, was deutlich mehr kostete als bei früheren Aufschüttungen im Frühjahr. Denn die Gemeinde konnte nicht mehr auf die Sandentnahmestelle des Bundes zurückgreifen, die dieser selbst benötigt für den Weiterbau des Deckwerks am westlichen Ende der Insel. Und auch das Land konnte nur bedingt Hilfe bieten: Wegen Küstenschutzmaßnahmen hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Küsten-, Wasser- und Naturschutz (NLKWN) Eigenbedarf angemeldet und damit die Entnahme von Sand für die Kurverwaltung eingeschränkt.

Im vergangenen Jahr kostete die Wiederaufschüttung des Sandes Wangerooge 324.855 Euro. Für dieses Jahr wird mit einem Anstieg der Kosten um ein Sechstel gerechnet, was ein Investitionsvolumen von rund 439.000 Euro bedeutet. Bund und Land haben laut Pollmann Unterstützung angeboten. Der Landkreis hat eine Finanzhilfe von 100.000 Euro zugesagt, das Land steht mit 200.000 Euro im Wort.

Bereits Anfang April, zum frühen Ostern diesen Jahres, waren zentrale Bereiche des Hauptbadestrands direkt vor dem Inselzentrum wieder auf hoch aufgeschüttet, die ersten Urlauber genossen die warme Frühjahrssonne schon in den Strandkörben. Doch nebenan wurde noch schwer gearbeitet:

Immer wieder näherten sich die gelben Sandkipper aus der Ferne, brachten tonnenweise Sand aus dem Osten und luden ihn vor der Promenade ab: wieder, wieder, und immer wieder, bis sich Berge über Berge aus Sand neu auftürmten, neuer Strand gewonnen war.

Jetzt im Sommer, merkt der Badegast nichts mehr von den unzähligen Fahrten, die nötig waren, um ihm sein gewohntes Bade- und Bräunvergnügen zu sichern, dafür die Insel umso mehr im Gemeindesäckel. 1,4 Millionen Euro musste das kleine Wangerooge in den vergangenen vier Jahren ausgeben, um den Traumstrand zu erhalten. Viel Geld, das die Insel eigentlich nicht hat: Sie muss momentan einen Schuldenberg von zwei Millionen Euro abbauen.

Das grundsätzliche Problem: Badestrände sind für den Tourismus und dienen nicht vorwiegend dem Küstenschutz Niedersachsens. Nur für den stehen planmäßig Gelder bereit. Aber mittlerweile ist es nicht nur eine finanzielle Frage, sondern auch eine über die Versorgung mit Sand. Denn den brauchen beide, Küstenschutz wie Tourismus, und zwischen denen gilt es zukünftig die Balance zu halten. Schließlich hat auch die Insel, die nur über eine einzige Dünenkette als Schutz zur Nordsee verfügt, ein ureigenes Interesse am Küstenschutz. Hierzu Kurdirektor Pollmann: „Wir müssen zumindest mittelfristig die Sandentnahme für uns sichern und zugleich die Schutzmaßnahmen für den Strand voranbringen, damit der Sandabtrag abnimmt.“

Ende März war der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies auf Wangerooge und hat sich die Situation vor Ort angesehen. Für dieses Jahr sei die Sandmenge gerecht verteilt, so der Politiker, für 2019 und 2020 müsse eine Lösung gefunden werden. Bis dahin hilft sich die Gemeinde- und Kurverwaltung Wangerooge indem sie den Strand neu profiliert – also in manchen Bereichen flacher anlegt oder auslaufen lässt – und hofft, dadurch einfach mit weniger Sand auszukommen als bisher.

Bagger***

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