Fake News zu Ostfriesland: Goodbye, Stupidedia!

Um 1107 kamen die ersten ostfriesischen Einwanderer ins Gebiet des heutigen Ostfrieslands. Gründer ist nach schriftlichen Überlieferungen der frühere Pizzabote Jens Jannßen. Die Gründung begeistert bis heute noch so viele Leute, dass die meisten mit Nachnamen Jannßen, Janßen, Jannssen oder Janssen heißen. Es ist vergleichbar mit der Häufigkeit des Namens Müller in Deutschland.

So kann ostfriesische Geschichtsschreibung auch aussehen, wenn sie aus der Feder von Stupidedia kommt. Das ist die freie Humor- und Satire-Enzyklopädie des Internets und sie funktioniert im Prinzip genau wie das Original, wie Wikipedia. Viele Verfasser erstellen kostenfrei einen Text für die Allgemeinheit. Nur dass es bei Stupidedia nicht so sehr auf die Wahrheit ankommt, sondern auf Erfindungsreichtum, Geistesblitze und kreativen Unsinn. Zu Ostfriesland gibt es gleich zwei Varianten der satirischen Heimatkunde: fantastisch oder enzyklopädisch. In der Letzteren finden sich unverzichtbare Hintergrundinformationen zu Land und Leuten wie etwa diese:

180px-Homer_SimpsonOstfriesland liegt zwischen dem Emsland und der Nordsee und wird oft fälschlicherweise als rückständig bezeichnet, weil es so aussieht. Die Bewohner trinken sehr viel Tee, um sich gegen Alzheimer, für den die Ostfriesen sehr anfällig sind, zu schützen. Wenn Ostfriesland ein eigener Staat wäre, dann wäre das Land die größte Volkswirtschaft der Welt, wenn man sich die 50 größten wegdenkt.

Obwohl Ostfriesland (noch) kein unabhängiger Staat ist gibt es einen Präsidenten: Homer Jay Simpson. Er ist seit 1958 im Amt, obwohl er erst seit 1963 ostfriesischer Staatsbürger ist.

Und wer es noch nicht wußte, der erfährt spätestens jetzt von der „ostfriesischen Unabhängigkeitsbewegung“, die dem Land beinahe auch einen Platz an der Sonne gebracht hätte:

In Ostfriesland gibt es seit Jahrhunderten eine Unabhängigkeitsbewegung, die stärker ist als die IRA oder ETA. Die Welt weiß nur nichts davon, weil die Fernsehsender nicht davon berichten. Der Grundsatz der Unabhängigkeitsbewegung lautet, das Unrecht, das die Preussen den Ostfriesen angetan haben, zu beseitigen. Seit 1744 wird nämlich von den Preussen behauptet, dass der ostfriesische Häuptling Keno Cirksena keinen Nachfolger hatte und deshalb Ostfriesland an die Preussen fiel. In Wirklichkeit haben die Preussen aber den Sohn des Häuptlings entführt. Der Urenkel des Sohnes wurde später Wilhelm der Zweite, der für Deutschland einen Platz an der Sonne wollte. Hätte er von seiner wahren Herkunft gewusst, hätte er den Platz an der Sonne natürlich für Ostfriesland gefordert. Die ostfriesische Unabhängigkeitsbewegung (OUB) fordert deshalb auch, dass die ehemaligen deutschen Kolonien an Ostfriesland abgegeben werden. Zusätzlich fordern sie mehr Wettbewerb im Tee-, Kandis– und Sahnehandel. Ziel der OUB ist ein großostfriesisches Reich.

In der fantastischen Ostfriesland-Version gibt es dagegen nur noch wenig Bezüge zum real existierenden Ostfriesland und seiner Historie. Das Nedme und Reel der Karte lassen sich schnell als Anagramme von Emden und Leer entschüsseln, ansonsten entstehen hier vollkommen neue Fantasiewelten:

Ostfriesland_Landkarte

Auch klärt uns Stupidedia endlich über den Ursprung des Ostfriesenwitzes auf. Denn der stammt erstaunlicherweise gar nicht aus Ostfriesland:

Der Ostfriesenwitz ist eine Erfindung der Bayern. Während der zahlreichen erfolglosen Kriege, die die Bayern gegen Ostfriesland führten, versuchte die militärische Leitung der Bayern, ihre Streitkräfte mit den Ostfriesenwitzen einerseits zu erheitern und natürlich auch zu stärken. Die Ostfriesen andererseits sollten demoralisiert werden. Der Ostfriesenwitz verhalf den Bayern aber zu keinem Erfolg. Im Gegenteil. Die Ostfriesen kamen auf den Geschmack und noch immer wird jede Möglichkeit genutzt, einen Bayernwitz zu machen. Die Erfindung des Ostfriesenwitzes ähnelt damit der Erfindung der Engländer, die das „made in Germany“ erfanden, um zu zeigen, dass ihre Produkte besser seien als die der Deutschen, was in Wirklichkeit aber ja auch nicht so war.

In dem Stil geht es munter weiter in der Internet-Enzyklopädie, die nicht nur über Ostfriesland so einfallsreich informiert. Stupidedia liefert nach eigener Aussage „irrelevante Informationen aus allen Bereichen“. Seit dem Dezember 2004 sind so mittlerweile rund 24.000 Artikel entstanden. Doch jetzt ist damit Schluss. Nach dreizehn Jahren Unsinn stellt die muntere Satire-Seite genau heute, am 31.1.2018, ihren aktiven Betrieb mit der Community der Autoren ein. Was aber nicht das Ende der Seite bedeutet: Denn alles, was bisher geschrieben, bleibt erhalten – so auch die fantastisch verrückten, manchmal scharfsinnig humorigen Beiträge über Ostfriesland: Ostfriesland Fiction in Reinkultur, sozusagen „echte“ Fake News.

Goodbye und vielen Dank für das kreative Sprühen, Stupidedia!

 

 

 

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