„Kein Deich. Kein Land. Kein Leben!“: Albert Brahms, Pionier des Küstenschutz aus Jever

Er hat sie persönlich erlitten, die verheerende Sturmflut von Weihnachten 1717. Sie wurde zu einem Wendepunkt in seinem Leben. Sein ganzes weiteres Dasein widmete der junge Mann fortan dem Küstenschutz und Deichbau. Die Rede ist vom Landwirt Albert Brahms, den die Umstände und eine große Wissbegierde zum Deichrichter und weithin anerkannten Experten machten. Er gilt als Pionier des Deichbaus und des modernen Küstenschutzes.

Brahms war 25 Jahre alt, als er wohnhaft im Amt Jever in der Weihnachtsnacht von der hereinbrechenden Flut überrascht wird und mit seiner Frau und einem soeben geborenen Kind drei Tage und Nächte vom Wasser eingeschlossen in klirrender Kälte auf den Dachboden zubringt. Er und seine Familie überleben, doch sein Grund und Boden sind durch das Salzwasser verseucht und nicht mehr zu gebrauchen. Im März 1718 wird ihm die Verantwortung für die Notdeicharbeiten in seinem Sprengel übertragen. Und er macht seine Sache gut: Eine weitere schwere Sturmflut im Dezember 1718 richtet keinen bedeutenden Schaden an. Das ist sein Gesellenstück und qualifiziert ihn für höhere Aufgaben. Von 1718 bis 1752, 34 Jahre lang, ist er Deich- und Sielrichter im Kirchspiel Sande. In dieser Zeit unternimmt er einige Studienreisen, auch nach Holland um dort neueste Entwicklungen zum Bau von Deichen, Schleusen und Sielwerken zu beobachten.

anfangs-grunde-der-deich-und-wasser-baukunstBerühmt wurde er durch seine Anfangs-Gründe der Deich- und Wasserbaukunst, in dem er das Berufsbild des Deichbaumeisters beschreibt und Techniken der Baumeisterkunst erläutert. Die Bücher, deren erster Band 1754 erschien, gelten als die ersten Fachbücher des modernen Küsteningenieurwesens. Der zweite Teil erscheint 1757, den dritten Teil konnte Brahms vor seinem Tod am 3. August 1758 nicht mehr vollenden.

Brahms beschäftigt sich auch sehr mit dem idealen Profil eines Deiches und kommt zu dem Schluss, dass er zur Seeseite nicht steil, sondern unten sehr breit und nach oben hin immer flacher werdend am Besten den starken Wellen einer Sturmflut Widerstand leisten kann. Das war für die damalige Zeit, die auf gerade Holzwände oder steile Deichwälle zur Seeseite als Küstenschutz setzte, ein ganz neuer Ansatz. Der aber im Prinzip bis heute gilt. Berühmt bis heute ist auch sein Wahlspruch:

Kein Deich. Kein Land. Kein Leben!

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