Das Original ist aus Upleward: Schlickschlittenrennen

Ganz im Westen und ganz im Osten der ostfriesischen Halbinsel liegen die Metropolen eines Sports, den man nur im Wattenmeer ausüben kann: das Schlickschlittenrennen. Im Spätsommer zieht es wahre Heerscharen zu den „Wältmeisterschaften“ in einen kleinen Ort in der Krummhörn. Im Frühsommer können sich die Fans der Sportart beim  Watt’n Schlick-Festival im friesischen Dangast schon Mal aufwärmen. Doch die größte Veranstaltung dieser Art und die mit der längsten Tradition ist einfach das ostfriesische Original in Upleward südlich von Greetsiel. Seit mehr als dreißig Jahren werden hier Wettkämpfe in den unterschiedlichsten Disziplinen ausgetragen: Vom Watt-Fußball über den Aal-Sprint und dem Watt’n Achter bis zum Wattziehen reicht die schmutzige Palette. Hunderte Wettkämpfer und Wettkämpferinnen suhlen sich im feuchten Schlick und sehen nachher aus wie die Schweine: jedesmal ein Heidenspass für die Wattlethen und die vielen begeisterten Zuschauer an den Deichrängen.

Die diesjährige Veranstaltung in Upleward am 19. August war jedoch geprägt von schwierigsten Wetterverhältnissen. Ein plötzlicher Wolkenbruch führte sogar zu einer kurzfristigen Unterbrechung, einige Wettkämpfe konnten daher nicht ausgetragen werden. Aber der alljährliche Höhepunkt fand dann doch noch statt, die Sonne liess sich sogar vereinzelt blicken und die Gladiatoren zogen in die vom frischen Regen noch silbern glänzende Wattarena. Und hier sind sie:

Die neuen Sieger der 34. Schlickschlittenrennen-„Wältmeisterschaften“ 2017 im ostfriesischen Upleward stehen fest. Gewonnen hat in diesem Jahr das Team Rathaus um den SPD-Wahlkreiskandidaten Johann Saathoff, knapp vor den geschlagenen Vorjahressiegern Waterhörn. Überraschungsdritter wurde das Dream Team Woquard. Wo, wenn nicht im wilden Ostfriesland, kann man schon einen waschechten Bundestagsabgeordneten sehen, der ein derartig schmutziges Hobby hat?

Wer aber einmal bei den Schlick-Festspielen von Upleward war, der weiß, dass dabei sein alles ist! Daher möchte es Ostfriesland Reloaded auch nicht versäumen, die Watt Lurche vorzustellen, dieses Jahr die Langsamsten und damit die ungeschlagenen „Wattschnecken“ von 2017. Dicht gefolgt vom Team Chic im Schlick, den Zweitletzten. Auch Crewzifest bestach vor allen Dingen durch seine originelle Kostümierung im Ganzkörper-Kuhfell, was Bestzeiten wahrlich verhinderte …

Drei Disziplinen galt es im Hauptwettkampf, dem großen Rennen um die „Wältmeisterschaft“ mit dem Schlickschlitten, zu absolvieren: Im ersten Durchlauf kam es auf die Geschwindigkeit an, im zweiten – dem Reusenrennen – auf die Kombination von Schieben des Schlittens und einem Fußsprint zu den Reusen und zurück, im dritten abschließenden Durchgang musste der Teamerfolg im Staffelrennen bewiesen werden.  „Auf die Plätze, fertig – WATT!!!“ schallte das Startkommando weit über die Arena im Schlick.

Für einen Platz im vorderen Teilnehmerfeld, nämlich dem sechsten, reichte es den Danish Vikings. Das Wikingerteam reist jedes Jahr aus Dänemark zum legendären Spektakel in die Krummhörn. 2013 ergatterten sie ein Autogramm von Tamme Hanken, dem 2016 gestorbenen XXL-Ostfriesen, das sie seitdem als Glücksbringer begleitet.

Watt’n Verkehr: Alle packen an und helfen mit beim Aufräumen. Denn was unten im Schlick war, das muss auch wieder rauf. Besonders schwierig in der Handhabung: das Fußballtor. Doch wo viele Hände kräftig walten, ist auch das bald gemeinsam geschafft.

Fertig! Im wahrsten Sinne des Wortes. Oben sammelt sich dann alles wieder: die Ausrüstung und die Athleten. Die einen stehen schmutzig strahlend, das Siegerteam sitzt noch ein wenig erschöpft.

Doch die Entspannung kommt schnell wieder. Die einen legen einfach eine flotte Sohle mit dem Gegner aufs Parkett, die anderen säubern ihren Euter unter der Dusche und manche freuen sich einfach nur.

Zur Siegerehrung erscheinen dann wieder alle und warten gespannt auf das Ergebnis: Team Rathaus stellt sich für Ostfriesland Reloaded in Siegerpose, Waterhörn kann auch den zweiten Platz in diesem Jahr genießen und begießen, großer Jubel für den überraschenden dritten Platz bei dem Dream Team Woquard. Nur knapp an einem Podiumsplatz vorbei schrammte La Familia, denen ein wetterbedingt hart geprüfter, aber stets souveräner Moderator Heinrich Heinenberg selbstverständlich auch gratulierte.

Am Ende eines aufregenden Tages mit vielen Wetterkapriolen durften sich der Elternverein für krebskranke Kinder in Ostfriesland und die Niedersächsische Krebsgesellschaft über die Spende der freiwilligen Eintrittsgelder freuen. Denn der „schmutzige Sport für eine saubere Sache“ ist in Upleward immer auch eine Benefizveranstaltung, die von zahlreichen Sponsoren aus der Region wie auch dem Veranstalter, der Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel, unterstützt wird. Zurück blieben viele dreckige Schlickschlitten und die Flut, die sich langsam aber sicher wieder das Spielfeld im Watt vor dem Deich von Upleward zurück eroberte…

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