Volleyball auf Langeoog: Der Klassiker aller Strandturniere

Zu seinen besten Zeiten spielten hier 144 Mannschaften gegeneinander, war das Strand-Volleyballturnier auf Langeoog das größte in ganz Europa. Bis heute ist das Event auf der sportlichen Nordsee-Insel ein Publikumsmagnet, wenn auch die Konkurrenz durch den Trendsport Beachvolleyball und Volleyballturnieren auf den anderen Ostfriesischen Inseln größer geworden ist. Fast 600 Volleyballer und Volleyballerinnen traten in diesem Jahr zur mittlerweile 33. Auflage des Traditionswettkampfs im feinen Sand von Langeoog wieder gegeneinander an, um sich ganz klassisch sechs gegen sechs am Netz zu messen.

„Wir sind ganz bewusst nie ein Beachvolleyball-Turnier geworden, haben uns immer als Strandvolleyball-Turnier positioniert“, erläutert Klaus Kremer, seit 2002 verantwortlich für die Organisation des zweitägigen Turniers. „Bei uns besteht jedes Team aus drei Herren und drei Damen. 90 Prozent der Teams kommen regelmäßig, sind Stammgäste. 10 Prozent sind komplett neu gemeldete Mannschaften. So entdecken jedes Jahr über den Volleyball immer wieder neue Gäste unsere Insel. Da sind die Neuzugänge in den alt bekannten Mannschaften noch gar nicht eingerechnet.“ Und Kremer kennt seine Mannschaften gut. Die zeichnen sich nicht nur durch ihren sportlichen Ehrgeiz aus, sondern auch durch eine gewisse Kreativität bei der Namensgebung.

Einen kleinen Eindruck davon gibt ein Blick auf die Ewige Bestenliste, die seit 1996 geführt wird: Ganz vorne in der Top Ten liegen die Strandhasen gefolgt von den Bayern Bazies, Die >Greifen<, Butz Alarm, Muschelschuppser, SC Verschleißheim, Salza, Nord-Süd-Gefälle, Beachfreaks und Inselschlümpfe. 2017 war auch Beach Bang Theory dabei. Die Ergebnisliste nennt das Team an Platz 20 in einem Feld von insgesamt 56 Teams, die im Juni am Strand von Langeoog gegeneinander antraten. Eine Zahl, die laut Kremer noch zu steigern wäre: „Wir hatten auch schon viele Jahre mit 80 Teams. Für einen optimalen Turnierverlauf brauchen wir eigentlich 64 Mannschaften. Dieses Jahr stellte schon eine Untergrenze dar. Darunter wird es eigentlich nicht mehr sinnvoll, ein Turnier auszutragen.“

Dass es aber noch lange weiter geht, wünschen sich viele der begeisterten Turnierspieler, die es regelmäßig im Frühsommer aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen an Langeoogs langen Strand treibt, die aber auch von weiter her aus Greifswald oder Bayern extra zum Volleyball-Klassiker anreisen. Kremer selbst ist seit dem ersten großen Turnier auf Langeoog dabei, das bereits 1985 ausgetragen wurde. Damals noch als Aktiver: Es war eher zufällig, als er für einen ausgefallenen Kollegen spontan einsprang und mit seiner Mannschaft gleich Zweiter wurde.

Da stand das Turnier noch unter der Regie des langjährigen Leiters Hans-Jörg „Atze“ Numrich. Er ist der „Vater des Strandvolleyball-Turniers auf Langeoog“, gilt als die prägende Gestalt bis heute. Die Idee zu einem richtigen Volleyball-Event, wie man heute wohl sagen würde, kam ihm 1984 als 20 Mannschaften, darunter so hochrangige Volleyballer wie der USC München aus der Zweiten Bundesliga und ostfriesische Auswahlteams, am Langeooger Strand antraten. Warum so etwas nicht wiederholen und im größeren Stil aufziehen? Numrich, Leiter der Volleyballabteilung des TSV Langeoog, hatte gute Kontakte in die Volleyballszene, zum Deutschen und zum Niedersächsischen Volleyballverband, und setzte seine Idee in die Tat um – ein Netz aus guten Beziehungen zu Spitzensportlern, das er für „sein“ Event zu nutzen wußte. Sogar die Deutsche Nationalmannschaft der Volleyballfrauen war mal für zwei Wochen zum Training auf der Insel.

Strandvolleyballturnier Langeoog
Die alte Riege (3. v.l.: „Atze“ Numrich“, 2. v.r.: Klaus Kremer)

Damals war noch vieles anders, wie beide, Kremer und Numrich, feststellen. Vor allen Dingen, was die Unterbringung der Sportler und Sportlerinnen angeht. Da hat man sommers noch in den leeren Hallen geschlafen, in denen im Winter die Strandkörbe zwischengelagert werden. Da hat man zum Abschluss gemeinsam gegrillt, da gab es viele freiwillige Helfer, wie etwa die jungen Volleyballschüler aus Numrichs Verein, heute auch alles gestandene Herren um die fünfzig. Sonst wäre eine Veranstaltung mit der Größenordnung seiner absoluten Rekordzeiten für Numrich, der dies alles nach Feierabend neben seinem Handwerksbetrieb managte, überhaupt nicht durchzuführen gewesen. Denn die Anmeldungen, die Turnierlisten, die Auswertung – alles wurde noch von Hand gemacht, keine Anmeldeformulare im Internet, keine Datenbanken und Excel-Sheets.

Andere Zeiten, an die sich Numrich, heute 75 Jahre alt, gerne und auch ein wenig wehmütig zurückerinnert. Er ist froh, dass Kremer sein Kind übernommen hat, in moderne, digitale Zeiten geführt hat und seit mittlerweile auch fünfzehn Jahren mit großem Einsatz dafür sorgt, dass es weiterlebt. Nur er selbst, er kann sich das Turnier nicht mehr anschauen: „Im ersten Jahr, nachdem ich die Leitung abgegeben hatte, war ich noch dabei. Seitdem nicht mehr. Es kommen einfach zu viele Erinnerungen hoch.“ Bis vor zehn Jahren hat er noch seine Volleyballabteilung geführt, vor Kurzem hat er nach 40 Jahren komplett mit dem Volleyball aufgehört, seiner lebenslangen Leidenschaft – auch um seine im Rollstuhl sitzende Frau besser betreuen zu können.

Die Ansprüche an den Komfort und die Unterbringung sind mit den Jahren und dem Alter der Stammgäste gestiegen. Die leeren Strandkorbhallen darf man aus versicherungstechnischen Gründen nicht mehr nutzen. Manche Volleyballer lassen sich heute auf den extra zum Anlass bereitgestellten Zeltplatz nieder, viele übernachten mittlerweile aber in Hotels und Ferienwohnungen auf der Insel. So ist der Veranstalter des Strandvolleyball-Turniers mittlerweile fast auch ein Tourismusmanager, jedenfalls für ein Wochenende im Jahr.

Kremer weiß auch von einer kuriosen Saison zu berichten, an dem es eine ganz besondere Siegerin gab: das „Tief Kathrin“. Das wütete 2006 dermaßen stark über die Insel, dass der zweite Spieltag komplett ins Wasser fiel und ganz abgesagt werden musste. In diesem Jahr gab es auch 16 Mannschaften, die alle auf dem zweiten Platz landeten, weil die entscheidende Endrunde nicht mehr ausgetragen werden konnte. „Unsere Volleyballer sind extrem wetterfest, aber das war wirklich zuviel.“

In diesem legendären Jahr hat keine Mannschaft den Siegerpokal mit nach Hause genommen. Der ist nämlich ein Wanderpokal und ist in den Jahrzehnten des Strandvolleyball-Turniers auf Langeoog schon durch viele Hände gegangen. 2017 gab es einen neuen Sockel für das Prachtstück. Auf dem alten war einfach kein Platz mehr für neue Siegerplaketten. Aber der alte Pokal blieb. Denn seine Dellen, Kratzer, Beulen zeugen von einer bewegten, einmaligen Vergangenheit und könnten sicher noch manch weitere Geschichte erzählen.

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Ostfriesland Reloaded dankt der Langeoog News für die freundliche Genehmigung, Bildmaterial vom Strandvolleyball-Turnier 2017 wie auch aus vergangenen Jahren zu nutzen.
Frei nach dem Motto „Nach dem Event ist vor dem Event“ hat auf Langeoog die Planung für das nächste Strandvolleyball-Turnier hinter den Kulissen bereits begonnen. Das findet vom 23. – 24. Juni 2018 statt. Ab 15. Januar 2018 kann man sich hier für das nächste Jahr online anmelden. Auch auf Langeoog News, dem täglichen Internet- Nachrichtenmagazin, sind unter dem Reiter „Buddelei-Sport“ jede Menge Informationen zum großen Volleyball-Event der Insel nachzulesen.

 

 

 

 

 

 

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