Niveas letzter seiner Art: Dornumersiel bleibt am Ball

Sein genialer Erfinder ist unbekannt. Sicher ist jedoch, dass er in den späten 1930er Jahren das erste Mal an deutschen Stränden auftauchte: der blaue NIVEA-Ball. Im klassischen Format ist er aus hoch glänzendem Plastik. Aufgeblasen misst er ungefähr fünfzig Zentimeter im Durchmesser. Ein wahrer Gigant des runden Markenbotschafters befindet sich jedoch an der ostfriesischen Nordseeküste, direkt am Strand von Dornumersiel:  Ein riesiger NIVEA-Ball aus glasfaserverstärktem Kunststoff thront dort in zehn Metern Höhe auf einem Mast mit Ausguck. Seit 1973 steht die monumentale Kugel dort, mittlerweile ein Wahrzeichen des Küstenortes und geliebtes Kultobjekt. Er ist der letzte seiner Art.

Als die Firma Beiersdorf in den siebziger Jahren damit begann, ihre weiße Creme auch im Großformat zu bewerben, war der NIVEA-Ball von Dornumersiel noch einer von vielen in der Bundesrepublik, die die Strände überall an Nord- und Ostseeküste säumten. Marlene Heyken von der Tourismus GmbH der Gemeinde Dornum hat für Ostfriesland Reloaded ein wenig im Archiv nachgeforscht und kann folgendes berichten: „Am  12. August 1970 bekam das Verkehrsbüro in Dornumersiel eine schriftliche Anfrage von der Firma Beiersdorf, ob Interesse an der Errichtung eines DLRG-Rettungs- und Beobachtungsturms bestünde. Größer werdende und dichter belegte Strände machten den damaligen DLRG-Mannschaften Sorgen. Deshalb wurde 1967 bereits in Dahme der erste DLRG-Rettungsturm errichtet. 1970 waren es bereits 16 Türme an der Ostsee und zwei an der Nordsee. Vier weitere waren in Bau.“

Ursprünglich war der NIVEA-Ball von Dornumersiel wie ein Heißluftballon getakelt, der Ausguck glich dabei einem Ballonkorb.  Dieser wurde später ersetzt durch einen rechteckigen Glaskasten unter dem Ball, der bis heute rundherum gute Sicht auf das Geschehen am Strand liefert. Die Sicherheit der Feriengäste stand bei der Errichtung des Objektes im Vordergrund. Er war wichtig für die Lebensretter auf ihrem Ausguck, aber auch in umgekehrter Richtung für die Schwimmer und Wattwanderer. Denn bis heute ist der hohe Mast mit der blauen Kugel ein guter Orientierungspunkt für alle, die sich von Wasserseite Richtung Land bewegen – und zudem ein guter Treffpunkt. „Am NIVEA-Ball“ heißt es immer noch, wenn man in Dornumersiel zu Sport und Spaß am Strand zusammen kommt.

Der NIVEA-Ball von Dornumersiel ist mittlerweile ein Monument deutscher Zeitgeschichte, dokumentiert er doch den Beginn des Tourismusbooms an der Nordseeküste in den siebziger Jahren. indexAn ihm lässt sich aber auch gut dem Zeitgeist jener Tage nachspüren, als der NIVEA-Ball fester Bestandteil der Großen Ferien war und Beiersdorf mit großen Werbekampagnen rund um die blaue Plastikkugel auch der internationale Durchbruch gelang. 1971 wurden 50.000 von dem Werbeschlager produziert, 1977 bereits 410.000 Stück und 1999 kam es zur Rekordauflage von 2,2 Millionen Bällen. Die unglaubliche Zahl von 20 Millionen Bällen waren es laut der Markengeschichte von Beiersdorf in den vergangenen 40 Jahren.

Bis heute sind die königsblauen Bälle im Werbeeinsatz: So besucht während der laufenden Sommersaison die DLRG gemeinsam mit Partner NIVEA insgesamt 40 Seebäder entlang der deutschen Ost- und Nordseeküste. Am 16. Juli machte die Strandfest-Tour der beiden auch in Dornumersiel halt, direkt unter dem riesigen blauen Pendant des Nordseebades. „Wir machen wasserfest“, so das Motto der Veranstaltung, die vor allem den Nachwuchs adressierte. Und natürlich war auch der Original-Wasserball von NIVEA mit dabei: 1.000 blaue Bälle sorgten für viel Spaß – wohl nicht nur bei den kleinen Gästen.

Nach und nach verschwanden die blauen Nivea-Rettungstürme wieder von den Stränden, entweder weil sie baufällig wurden, die DLRG sie nicht mehr benötigte oder sie den Rechtsauflagen des Landschaftsschutzes nicht mehr genügten. Nur ein einziger Ausguck blieb als Relikt einer inzwischen längst vergangenen Zeit an der Nordseeküste übrig: der NIVEA-Ball von Dornumersiel. „Wir wollen dieses Urlaubs-Wahrzeichen unbedingt erhalten“, wünscht sich der verantwortliche Tourismus-Chef Rolf Kopper. 17 Jahre ist die letzte Sanierung her, bei der man das Fundament mit Zement verstärkte, die Stahlschellen zur Befestigung des Balls entrostete und dem Ball einen neuen Anstrich gönnte – ermöglicht auch durch eine Finanzspritze von Beiersdorf in Höhe von 15.000 Euro.

Jetzt soll der kultige NIVEA-Ball von Dornumersiel wieder runderneuert werden. Schließlich wird das Kulturdenkmal 2023 fünfzig Jahre alt. Bis dahin soll alles fertig sein, der blaue Gigant sich wie neu über den Strand erheben. Zurzeit prüfen Kopper und sein Team den Zustand und die Bausubstanz, um rechtzeitig die notwendigen Maßnahmen einzuleiten. Unterstützung haben Gäste wie Einheimische bereits angekündigt. Vielleicht ist ja auch Beiersdorf nochmals dabei?

niveaball imqrum***

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