Blau, blau, überall blau: Im Rausch der Farbe von Himmel und Nordsee

„90 Prozent Himmel plus 10 Prozent Erde, das ergibt 100 Prozent Ostfriesland“ hat mal einer gesagt. Und wo er Recht hat, hat er Recht. Über einem nichts als der Himmel. Auch das ist ostfriesische Freiheit. Nirgendwo sonst reicht der Horizont so weit, nirgendwo sonst findet das blaue Gewölbe über einem so gar kein Ende. Auf dem Wasser verschmelzen die beiden Flächen, geht der Horizont nahtlos über in den Himmel. Dann ist Ostfriesland ein einzig blaues Wasser-Himmel-Reich. Wohin der Blick auch schweift – alles blau.

Dahinter steckt zunächst mal pure Physik: Das Sonnenlicht besteht aus elektromagnetischer Strahlung unterschiedlicher Wellenlänge – vom langwelligen rot über orange und gelb bis hin zum kurzwelligen violetten und blauen Licht. Die Gasmoleküle der Atmosphäre streuen diese Lichtwellen unterschiedlich. Tagsüber bei hoch stehender Sonne wird das blaue, kurzwellige Licht am stärksten gestreut. So kommt’s, dass wir den Himmel blau sehen. Sind es in der Luft die Gasmoleküle der Atmosphäre, so sind es im Meer die Wassermoleküle, die dafür sorgen, dass nur noch die blauen Lichtanteile gestreut werden, und wir ins tiefe Blau der Ozeane blicken. Die Oberfläche der Erde besteht zu etwa 70 Prozent aus Wasser und sieht daher vom All sehr blau aus: „Blue Marble“  – wie eine blaue Murmel, unser blauer Planet.

Blau ist die Farbe der Nordsee, blau ist die Farbe des Himmels, ganz blau im Rausch dieser einen Farbe kann man an manchen Tagen an der Küste werden. Blau ist definitiv die Farbe Ostfrieslands!

Man findet sie überall: Etwa das maritime Blau der Seeleute, das vorzugsweise mit Weiß ringelt, aber auch uni und solo so gut wie alles an Körper und Kopf bekleidet, auch ausgewiesen erfahrene Kapitäne aus dem Stamm der Blaubären. Hier noch drei weitere triftige Gründe, warum das Thema „Blau“ Ostfriesland Reloaded immer einen Schwerpunkt wert ist:

  1. Welche Marke ist blauer als Nivea? Wohl keine. Mit der Feuchtigkeitscrème aus dem kreisrunden Blautopf sind wir alle groß geworden, mit dem Ball aus glänzendem Plastik haben wir als Kinder noch jeden Nordseeurlaub verbracht. Als überdimensionale blaue Kugel grüßt Nivea in Dornumersiel seit mehr als vierzig Jahren von weitem die Touristen. Der Nivea-Turm, Ausguck der DLRG, ist der letzte seiner Art in Deutschland und soll jetzt fit gemacht werden für sein bevorstehendes 50. Jubiläum. Denn von dem blauen Fixpunkt an der ostfriesischen Küste will sich keiner trennen – weder Gemeinde noch Gäste.
  2. Indigo aus heimischem Färberwaid oder tropischer Herkunft war für viele Jahrhunderte der einzige Farbton, den es zum Blaufärben von Stoffen gab, auch für die ostfriesischen Blaudrucker. Der Blaudruck ist vor Kurzem erst in die deutsche Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Im friesischen Jever wird in der Blaudruckerei im Kattrepel geforscht und gefärbt, was der Indigo-Bottich hergibt – eine der ersten Anlaufstellen für die Liebhaber dieser alten Handwerkskunst mit mehr als 500 druckbaren historischen Motiven.
  3. Zur Wohn- und Lebenskultur in Ostfriesland gehörten auch lange Zeit Fliesen mit Unterglasur-Malereien aus Kobaltblau, zierten gebrannte Keramikquadrate mit maritimen Motiven oder Szenen aus dem Alltag ganze Wände. Vor dem Brand ist das Kobaltblau noch grau, erst wenn es aus dem Ofen kommt entwickelt es die für die Delfter Fliesen so typischen Blautöne, je nach Pinselstrich in dunkleren oder helleren Abstufungen. Heute ist die Delfter Fliese etwas aus der Mode gekommen und nicht mehr oft zu finden. Kamine oder Tischbilder mit den historischen Fliesen in Kobaltblau sind kostbare Raritäten. Die alte Handwerkskunst wird nur noch von ganz wenig Kundigen gepflegt wie etwa von der einzigen Fliesenmanufaktur Ostfrieslands in Loquard auf der Krummhörn.

Blau war immer schon eine seltene, eine kostbare Farbe, denn sie kommt in der Natur äußerst selten vor. Für das Blau aus Lapislazuli, dem Ultramarin, gab man in früheren Zeiten ein Vermögen aus, spendierte es in Kirchengemälden nur den blauen Umhängen besonders heiliger Menschen. Nicht umsonst war blau schon immer eine königliche Farbe, reserviert für Liliendekore und Adelshäuser. Bis heute schmücken sich Firmen, die gerne ein seriöses und vertrauenswürdiges Image pflegen, oft mit blauen Logos.

Blau ist schön. Blau ist die Lieblingsfarbe der Menschen weltweit, auch die der Deutschen. Das Himmelsfirmament ist blau und beständig, so verbinden wir mit Blau Harmonie, Sympathie und Zufriedenheit. Blau wirkt emotional ausgleichend, beruhigt, senkt die Körpertemperatur und verlangsamt den Stoffwechsel, diese Wirkung attestieren Farbpsychologen. Und macht im anglo-amerikanischem Raum auch melancholisch: „To feel blue“ heißt es da, den „Blues“ haben oder den „Blues“ hören in den stillen Momenten des Lebens.

Brandung_unsplashGleichzeitig ist Blau auch ungemein erfrischend. Blau ist eine kalte Farbe: kühlend wie Gletscherblau und klar wie ein tiefblauer Bergsee. Außerdem hat es reinigende Kräfte: Kein Duschgel, Waschmittel oder Weichspüler, der nicht mit Blau in Inhalt und Verpackung für Hygiene und Sauberkeit bürgt. Die Chemie hat da für die bekannten Hersteller spezielle blaue Granulate im Angebot mit so klingenden Namen wie Puricolor Blue, das beispielsweise die BASF verkauft. Damit bekommt dann auch ein Haarshampoo namens „Ocean Breeze“ den passenden Farbton: natürlich Blau.

Erfrischend wie ein Shampoo! Das wäre doch mal ein Slogan für Ostfriesland, dem Land der blauen Töne. Der Blick in blaue Weiten ist wie ein Schaumbad für die Seele. Ostfriesland Reloaded lädt alle herzlich ein zu einer reinigenden Fahrt ins Blaue!

Horizont

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