Agility: Wenn Hund und Mensch als Team gemeinsam antreten

Man hört es schon von weitem am Bellen: Hier spielen Hunde die Hauptrolle. Und die haben Spaß auf ihrer grünen Wiese im ostfriesischen Willmsfeld bei Aurich. Denn dort trainieren zweimal pro Woche passionierte Hundehalter, die sehr erfolgreich an Agilityturnieren in Niedersachsen teilnehmen. Agility ist eine Sportart, die die Beweglichkeit der Vierbeiner in den Mittelpunkt stellt. 2016 war bisher das Jahr ihres größten Erfolgs, da erreichten sie zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte das Finale und vertraten zusammen mit zwei anderen Mannschaften das Bundesland Niedersachsen bei den Deutschen Agility Vereinsmeisterschaften in Hamburg. 46 Mannschaften nahmen insgesamt teil, mit einem hervorragenden achten Platz kehrte die Gruppe wieder zurück nach Ostfriesland.

Hinter dem Erfolg steht auch Christina Hermes, langjährige Trainerin der Agility-Abteilung, die im Schäferhund-Verein SV OG Holtriem beheimatet ist. Mit Agility hat dieser viel öffentliche Aufmerksamkeit und auch einen Zuwachs an Hunderassen bekommen. Denn für Agility kommen prinzipiell alle Hundearten und nicht nur Schäferhunde, wie es der Name des Vereins vermuten lässt, in Frage. Nur die Größe setzt eine Obergrenze: Größer als 65 bis 70 Zentimeter sollten die Hunde nicht sein, sonst wird es mit der Wendigkeit im Parcours schwierig.

Und der hat es in sich: Ähnlich wie bei Pferden gilt es auch bei einem Agility-Rennen einer vorher abgesteckten Parcours möglichst fehlerfrei und möglichst schnell zu absolvieren. Nur die Hindernisse unterscheiden sich etwas. Denn neben den Sprüngen müssen die Hunde noch Geschicklichkeitsübungen absolvieren wie beispielsweise einen mehrere Meter langen Slalomparcours. Im Abstand von 60 Zentimetern sind zwölf Stangen gesteckt, die es gemäß dem Reglement zu passieren gilt: Denn nur wenn der Hund rechts von der ersten Stange das Hindernis betritt und danach immer abwechselnd links und rechts die Stangen stehen lässt, ist alles korrekt. Das will trainiert sein. Thomas und Birgit Hasselberg besitzen mit Lucy und Sheila zwei Australian Shephards, die beide in der Klasse A3 Large starten: Large ist die Grössenklasse mit einer Widerristhöhe von 43 Zentimetern und mehr. Beide Hündinnen der Hasselbergs sind erfahrene Wettkampfteilnehmer, bewältigen souverän nicht nur den Slalom, sondern auch die schwankende Wippe, eines von verschiedenen Kontakthindernissen im Agility.

Zwei weitere Australian Shephards der höchsten Größenklasse gehören ebenfalls zu den Leistungsträgern der Holtriemer Mannschaft: Jodie und Maggie. Die Rasse gehört zu den Hütehunden und eignet sich wohl besonders gut für den Agility-Sport. Zusammen mit ihrer Besitzerin Maren Dunker sind sie ein eingespieltes Team, die Hindernisse wie den langen Tunnel problemlos absolvieren oder über die A-Wand, zwei schiefen zum Dach geformten Ebenen, sausen. Das Absolvieren des Parcours setzt ein hohes Maß an Geschick bei Mensch und Hund voraus. Da ist beim gesamten gemischten Doppel höchste Aufmerksamkeit gefragt, wechselt die Hundeführerin beim Belgischen Wechsel geschickt die führende Hand ohne ihr Tier aus den Augen zu verlieren. Denn auch wenn Agility als Hundesport geführt wird, fordert es Tier wie Mensch gleichermaßen.

Insbesondere die Sprunghürden haben es im Trainigsparcours dieses Mal in sich. Ständige Richtungswechsel fordern nicht nur die Hunde, sondern auch den Mensch im Team. Die Hindernissse sind mit farbigen Hütchen einzeln durchnummeriert, manche sind mehrfach zu überspringen. Anregungungen für die Übungs-Parcours holt sich Trainierin Hermes gerne von Wettkämpfen: „Heute habe ich mal einen richtig schweren gesteckt, damit auch die Leistungsträger der Mannschaft gefordert werden.“ Bei den vergangenen Trainings sei der Parcours eher auf die Anfänger abgestimmt gewesen.

Denn das ist auch eine Spezialität beim Agility: der Parcours ist jedesmal anders. Im Wettkampf haben die Hundehalter genau 6 Minuten Zeit sich den Parcours anzuschauen und ihn sich zu merken, bevor es in die Entscheidung geht: eine extreme Herausforderung für Gedächtnis und Koordination.

Ganz klein und mit dabeiWobei Hundehalter hier eigentlich das falsche Wort ist. Denn die Hunde werden während des Wettkampfes eben nicht an der Leine gehalten, sondern ausschließlich mit Körpersprache und Stimme durch den Parcours geführt. Das macht auch ganz kleinen Hunden sichtbar Spaß, wie Nala, der Hündin von Lisa Barghorn. Mit einem Widerrist unter 35 Zentimetern befindet sie sich in der Größenkategorie Small, die Sprunghürden sind für sie auf die kleinste Höhe gesteckt.

Zur mittleren Größenkategorie, Medium, mit einer Höhe von 35 bis unter 43 Zentimern gehört Olli, ein waschechter Lakeland-Terrier. Der ist zur Freude seines Frauchens Heike Klaassen ein ausgesprochen leistungsstarker Springer. Gut gemacht in der Klasse MDie vielen Sprunghindernisse im Parcours absolviert er wie ein Flummi, springt mit riesigem Abstand über die Hürden, die vorher genau auf die mittlere Höhe eingestellt wurden. Im Wettkampf gibt es neben den drei Größenklassen auch drei unterschiedliche Leistungsklassen, die mit A1 bis A3 bezeichnet werden, und noch eine für Senioren. Bewertet wird ein Lauf durch den Parcours von einem Richter, unterstützt von einem Seher und einem Schreiber. Zu diesem Dreigespann, dass die Geschicklichkeit bewertet, gesellt sich noch ein Zeitnehmer, wobei zur Sicherheit sowohl die elektronische Zeit erfasst wie auch parallel noch eine Handmessung durchgeführt wird. Dazu kommen noch Leinenträger, Chipkontrolleure, Parcourshelfer, die die Hindernisse wieder aufstellen, ein „Stadion“-Sprecher sowie natürlich Menschen, die die Ergebnisse auswerten. Ein Wettkampf ist für den ausrichtenden Verein immer eine gewaltige Herausforderung – aus Wettkampfsicht, aber auch aus logistischen Gründen, was die Verpflegung von Hunden und Menschen angeht.

Sein Mega-Event des Jahres hat der SV OG Holtriem gerade erst hinter sich: Am 10., 11. und 17. Juni war der Verein Ausrichter für die Qualifikation zu den Deutschen Meisterschaften 2017 in Hannover mit elf Mannschaften und rund 80 startenden Hund-Mensch-Teams. Fast hätte man in Willmsfeld die Qualifikation wieder geschafft. Aber auch mit dem vierten Platz ist der Gastgeber sehr zufrieden. Hermes: „Wir sind mit einer Nachwuchsmannschaft angetreten.“ Apropos Nachwuchs: Nicht nur bei der Trainerin stellt sich bald welcher ein, auch der SV OG Holtriem freut sich über jeden, der mal zuschauen oder gleich einsteigen möchte bei der Agility-Truppe. Mittwochs um 16:00 und samstags um 15:00 Uhr wird immer trainiert. Einfach mal vorbei schnuppern!

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Kontakt:
SV – OG Holtriem
http://www.og-holtriem.de
Auricher Str. 43a
26556 Willmsfeld
https://de-de.facebook.com/OGHoltriem/

 

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