Abstraktes auf Grün: 10 Jahre Skulpturengarten Funnix

Ein Garten von großer Kraft und Energie liegt da inmitten der Marsch, in den Weiten des Harlingerlands zwischen Wittmund und Carolinensiel: meterhohe Stahlplastiken im satten Grün, große abstrakte Kunst eingebettet in den Blätter- und Blütenzauber des Junis. Ein Hektar ist das ungewöhnliche Gartengelände groß, durchzogen von geschwungenen Pfaden, unterbrochen von Inseln der Kunst, von ungewöhnlichen und immer neuen Perspektiven auf riesige Kunstobjekte aus Stahl und Metall und auf eine Pflanzenkulisse, die all dieses auf’s Herrlichste einrahmt: Der Skulpturengarten Funnix ist ein wahres Kleinod unter den Gärten Ostfrieslands, das auch der TV-Landpartie vom NDR an die Ostfriesische Küste, ausgestrahlt am 1. Mai 2017, einen Abstecher wert war.

10 Jahre ist es nun her, als Leonard und Gisela Wübbena anfingen, ihren Traum unter den ostfriesischen Himmel zu setzen und dreidimensionale Kunstobjekte auf eine ganz neue Art zu präsentieren: „Schön wäre es, nicht nur die Menschen zu erreichen, die sowieso ins Museum gehen“, war ihr Gedanke. Was lag da näher als den heimischen, großen Garten zum Magneten zu machen und mit ihm die Besucher an Kunst, auch noch an die nicht so leicht zugängliche Abstrakte, heranzuführen. Ein Experiment, das mehr als gelungen ist. Selbst wer sonst nichts für Kunst und deren Getriebe übrig hat, kann sich der besonderen Magie dieses Ortes nicht entziehen: Wenn tonnenschwere Stahlobjekte sich leicht über weite Rasenflächen verteilen, wenn riesiges Rostrot sich kontrastreich vom Wiesengrün und Himmelblau des Unter- und des Hintergrundes abhebt.

Aus den Anfängen des Skulpturengartens stammt auch die Freitreppe aus rostigem Stahl: „Marschblick“ von Leonard Wübbena ist bis heute eines der Lieblingsmotive vieler Besucher. Erlaubt sie doch den Rundblick von oben über den Kunstpark und einen Blick durchs weit geöffnete Stahlfenster hinaus auf die umliegende Marschlandschaft.

Bei den Wübbenas waren die Aufgaben von Anfang an klar verteilt: Sie macht den Garten und er die Skulpturen. Zwei Künstler, wahre Meister in ihrem Metier. Einer ohne den anderen geht nicht. „Wenn einer von uns ausfällt, dann ist hier Ende“, beschreibt Leonard Wübbena das symbiotische Miteinander. Die WuebbenasSeine Stahl- und Metallkunst ist Kräfte zehrend. Seit 20 Jahren leidet er an Asthma, nach zu vielen ungesunden Dämpfen beim Schweißen und Feinstaub in den Lungen. Eine ungesunde Kunst ist sie, die den 71jährigen aber immer noch treibt, immer noch die Augen leuchten lässt im Gespräch mit Kunstförderern, Künstlern und Besuchern in seinem grünen Kreativ- und Ausstellungszentrum: „Stahl ist ein fantastisches Material, lässt sich einfach wunderbar formen und verarbeiten.“

Bereits 2007 entstand der Grasgarten, ein asiatisch inspirierter Bereich aus Bambuspflanzen und Gräsern, der die Besucher bis heute empfängt und von dem es auf Stahlrosten in das Innere der Anlage geht. Im Grasgarten steht die Herrin des ganzen Grüns, Gisela Wübbena, freut sich über ihren Frauenmantel und begrüßt die Gäste, die an diesem herrlichen Frühsommertag den stählernden Steg entlang schreiten. Die Gitterroste stammen übrigens vom Ausleger eines Baustellenkrans, über den man einst in luftiger Höhe bis ganz nach vorne lief. Heute führen sie in das Herz des Skulpturengartens von Funnix.

Zum Jubiläum ist ein Bildband erschienen. „Im Dialog mit der Kunst“, so der Titel, ist ein Rückblick auf die Anfänge und auf zehn Jahre voll mit Künstlern, die die zeitgenössische Szene der dreidimensionalen Plastik prägen. Der Blick zurück gilt aber auch dem prächtigen Wachstum und Gedeihen vom privaten Garten zum Kunstpark. Und das ist nicht ganz ohne Einfluss auf die abstrakte Kunst Wübbenas geblieben: Meine Werke wurden mit den Jahren floraler“, stellt er fest. Gartenfreunde sind es denn auch, die es vor allem nach Funnix in den Skulpturengarten zieht: „Wir laden Menschen ein, die sich für Gärten und Gartenarchitektur interessieren. Gleichzeitig werden sie auch an die zeitgenössische Kunst herangeführt über die Verbindung von Natur und Kunst.“

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Der Skulpturengarten Funnix ist vom 25. Mai bis 3. September 2017 geöffnet. Donnerstags und samstags von 14:00 bis 18:00 Uhr, Sonntags von 13:00 bis 18:00 Uhr.
Neben den Stahlobjekten von Leonard Wübbena gehören Plastiken und Skulpturen zahlreicher zeitgenössischer Künstler zum festen Ausstellungsprogramm. Die diesjährige Sonderausstellung hat den Titel „Sagenhaft“. Nähere Informationen finden sich unter
http://www.skulpturengarten-funnix.de
Unter diesem Link gibt es auch weitere Informationen zur Anfahrt und Preisen wie Hintergründe zu Ausstellung und Künstlern.

 

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