Bee different: Süßes in Ton aus der Honigmanufaktur

Man fühlt sich wie bei einer Weinprobe: Darf es eher der frühblühende Raps sein oder die späte Senfblüte? Oder doch ein würziger, kräftiger Spätsommer-Cuvee? Der Nordseehof Ostfriesland hat sie alle: die ganze Vielfalt des Honigs aus ostfriesischer Ernte. Und wer gedacht hat, Fenchel- und Akazienhonig seien doch bestimmt importiert, der irrt gewaltig. Denn auch diese exotisch klingenden Sorten haben ihre Heimat an der Nordsee.

Nicht dass diese beiden Pflanzen in Mengen die ostfriesische Landschaft zieren würden, aber dafür gibt es ja Hinrich Becker in Dornum (Nesse) und andere Imker der Region, die sich zusammengeschlossen haben und extra Weiden mit diesen Pflanzen anlegen. Dort setzen sie dann ganz gezielt Bienenstöcke aus: ein einzigartiges Revier, aus dem dann später die für Ostfriesland so seltenen Honigsorten entstehen. Zum so genannten „Weidehonig“ zählt auch der Kornblumenhonig, für den von den Imkern ebenfalls spezielle Felder für die Pflanze mit den auffällig blauen Blüten angelegt werden.

Zu den eher klassischen Sorten gehören dagegen der Lindenhonig oder auch der Rapshonig. „Kinder mögen den ganz besonders gerne“, weiß Imker Becker zu berichten. Der Raps steht im Moment in voller Blüte, gelbe Teppiche überziehen das Land, leuchten vor dem satten Grün der Weiden und dem strahlenden Blau des Himmels. Doch nur noch ein paar Wochen, dann ist sie vorbei und der erste Rapshonig der Saison 2017 kann in Ostfriesland geerntet werden. Wären Imker Winzer würden sie anstatt des jungen Beaujolais wohl den „Raps primeur“, den jungen Honig des Jahres feiern.

Kostprobe und BeratungDoch auf diese Idee ist selbst Becker, der Kreative unter dem eher bodenständigen Volk der Imker, noch nicht gekommen. „Bee different“, das amüsante Wortspiel mit dem doppelten „e“ steht nicht nur auf seinem Bienen-T-Shirt, sondern ist gleichzeitig auch ein persönliches Leitmotiv. Vor drei Jahren war es, zum Ritterfest in Dornum, als ihm der Gedanke kam, den Honig nicht wie gewohnt in Gläsern, sondern in Tontöpfen anzubieten. „Honig ist sehr lichtempfindlich und sollte nicht zu hell gelagert werden. Eine Lagerung in blickdichten Tontöpfen ist daher ideal“, erläutert der Imker. „Schon die alten Ägypter haben ihren Honig in Tongefäßen aufbewahrt.“

Doch die hatten wahrscheinlich nicht solch schöne Töpfe wie der Dornumer Bienenexperte: Die Tontöpfe bezieht er aus dem Westerwald, dem berühmten Kannenbäckerland mit seiner anerkannt hohen Qualität bei Ton und Keramik. Geschlossen werden sie passgenau mit Naturkork aus Portugal. Für jede Honigsorte gibt es den Tontopf in einer anderen Farbe: Für Rapshonig ist beispielsweise ein gelber reserviert, der Kornblumenhonig findet seinen Platz in blauem Tongefäß, der Fenchelhonig beispielsweise im schickem schwarzen. Auch sind verschieden große und geformte Honigtöpfe erhältlich. Wer „Mehr als ein Kilo“ möchte, dessen Wahl fällt dann wohl auf das XXL-Format mit 1.100 Gramm köstlichsten Honig inside. Das Standardformat bietet Platz für 310 Gramm Süßes aus der Natur. Auf jeden Fall ist der „Honig in Ton“ ein sehr naturnahes und lange haltbares Geschenk für jeden Anlass oder auch nur eine geschmackvolle Erinnerung an einen Urlaub in Ostfriesland.

Sortiment AuswahlDie Preise für Beckers Honig sind sehr unterschiedlich und richten sich auch nach der Arbeit, die in ihnen steckt. So ist etwa der Heidehonig sehr aufwändig in der Herstellung: Jede Wabe muss einzeln angestochen werden, bevor der Honig herausgeschleudert werden kann.

Der kostbare Heidehonig in Beckers reichhaltigem Sortiment ist genau genommen nicht „echt ostfriesisch“. Seine Bienen fliegen zum Bestäuben über die Heide des benachbarten Emslandes, aber das ist ja nicht allzu weit weg. Ein richtiger Import im Angebot ist dagegen der Schwarzwälder Fichtenhonig. Er stammt von Imkern aus Süddeutschland. Ein wenig Blattläusesekret ist bei dieser Sorte übrigens immer dabei. Denn der Honig wird nicht vom Nektar einer Blüte geerntet, sondern vom Honigtau auf den Fichtennadeln. Und den mögen nicht nur Bienen, sondern auch Blattläuse sehr gerne…

Um einen so genannten „Nektarhonig“ handelt es sich beim Senfblütenhonig. Die gelbe Blüte des Senfs sieht der des Raps zum Verwechseln ähnlich. Was aber in der Praxis kaum passieren kann, da der Senf erst sehr viel später im Jahr als der Raps blüht: im Spätsommer, bis in den Herbst hinein. Ein „später Honig“ ist auch der Sommer-/Spätsommerhonig, wie der Name schon andeutet. Er erhält seinen würzigen, kräftigen Geschmack von Sonnenblumen-, Herbstastern- und Knöterichblüten, die die Bienen rund um ihren am Waldrand positionierten Bienenstock anfliegen. Ein echter „Cuvee“ also, eine Honigmischung aus dem Besten später Sommertage.

Und wie bei einer Weinprobe hilft bei der Suche nach dem passenden Honig für den eigenen Geschmack nur Probieren. Erst auf der Zunge eröffnet sich dem Gaumen die ganze Vielfalt ostfriesischer Honigsorten. Ein Geschmackserlebnis ganz besonderer Natur, aber auch ein unerwarteter Augenschmaus. Denn aus den bunten Töpfen Beckers strahlt der Honig im Glanz ganz unterschiedlicher Gold- und Brauntöne, fast wie Bernstein.

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Imkerei  & Kellerei – Nordseehof Ostfriesland
Hinrich Becker
Breitwasserweg 3
26553 Dornum (Nesse)
Tel: 04933/7159 145
Mail: Imkerei-Becker@vodafone.de
Neben dem Nordseehof Ostfriesland in Dornumer Ortsteil Nesse ist der Honig im Tontopf sowie Met, Obstweine, Liköre und Edelbrände aus eigener Herstellung von Hinrich Becker auch auf dem Markt samstags in Norden sowie bei verschiedenen Veranstaltungen in der Region erhältlich.

 

 

 

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