Primetime für Norden und den Ostfriesenkiller

Samstagabend, 20:15 Uhr, ZDF. Mehr kann sich eigentlich ein Autor und einer seiner Hauptdarsteller, die Stadt Norden, für die Verfilmung eines Buch-Bestsellers nicht wünschen. Gedreht wurde im September letzten Jahres. Und nun, am 1. April 2017, läuft er über die Bildschirme der Bundesrepublik:  „Ostfriesenkiller“ nach dem gleichnamigen Kriminalroman von Klaus-Peter Wolf, der damit einst seine überaus erfolgreiche Reihe an Ostfrieslandkrimis begründete. Mittlerweile sind elf Bände rund um Kriminalkommissarin Ann Kathrin Klaasen und ihre ermittelnden Kollegen erschienen. Seit das idyllische Norden den Hintergrund für fiktive Verbrecherjagden bietet, hat sich so Einiges für die kleine Stadt in Ostfriesland geändert, die bisher eigentlich ein ganz beschauliches Dasein führte. Bisher.

Ostfriesenkiller Dreh Streifen

Denn umso vertrauter der Leserschaft die Protagonisten der Bücher werden, umso präsenter werden ihnen auch die Orte und Kulissen des Krimitreibens. Der „Distelkamp“, eine kleine Straße im Norden von Norden und die private Adresse der Kommissarin im Buch (und bekanntermaßen auch des Autors …), ist Millionen von Menschen inzwischen ein Begriff und Zielort so mancher Krimipilgerfahrt nach Ostfriesland. Nicht nur der „Distelkamp“, auch Plätze, Cafés, Geschäfte und Restaurants der Ostfrieslandkrimis sind real existent ebenso wie viele Nebenfiguren der Romane.

Klaus-Peter Wolf  hat viel aus dem (seinem) echten Leben in Norden geschöpft. Eigentlich ein cleverer Schachzug des Autors, sorgt dieser doch allein schon für eine ordentliche Portion Authentizität in seinen Büchern. Doch vielleicht erweist sich dieser schriftstellerische Kunstgriff jetzt als Bumerang, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis alle die Flucht ergreifen: Klaus-Peter Wolf nebst Gattin und Liedermacherin Bettina Göschl sich ein neues Zuhause ohne an die Haustür klingelnde Leser suchen, Jörg Tapper vom Café ten Cate heimlich auf Metzger umschult und auch Holger Bloem vom Ostfriesland Magazin nur noch under cover mit Sonnenbrille und Kopfbedeckung durch Norden streift.

Schon jetzt bietet das örtliche Tourismusmarketing Stadttouren an, die ganz auf Personal und Orte der Ostfrieslandkrimis zugeschnitten sind. Ostfriesland Reloaded hat die letzte dieser Spezialführungen vor dem Sendetermin des ZDF besucht. Die Krimiführungen sind begehrt und in der Hochsaison empfiehlt es sich vorher seine Teilnahme anzumelden, wenn die Stadtführerin Marianne Rothensee gemeinsam mit ihrer Tochter Susanne Roth loszieht auf den Spuren von Mord und Totschlag in Norden.

Susanne Roth mit WidmungMit dem sechsten Krimi „Ostfriesenangst“ schaffte Klaus-Peter Wolf den Durchbruch, landete mit seiner Krimireihe zum ersten Mal einen Bestseller. Das war 2012. Seit diesem Jahr gibt es den Krimirundgang in Norden, der „Stadt der Ann Kathrin Klaasen“. Die beiden Damen haben sogar das Placet des großen Meisters höchstpersönlich, der zur Premiere selbst teilnahm und der Tour mit Widmung und Autogramm quasi sein Echtheitszertifikat erteilte: „Das haben Sie ganz wundervoll gemacht! Herzlichen Dank.“

Mutter und Tochter haben ein ausgesprochen abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, optimieren immer wieder: Konzentrierte sich zu Anfang noch alles um den historischen Marktplatz, geht es seit einiger Zeit auch durch die Innenstadt – gut zwei Stunden entlang der Hauptorte und Figuren des kriminalistischen Geschehens. Hier die Tatorte der Tour Criminel von Norden:

Da darf natürlich die echte Polizeistation Norden im schmucken historischen Backsteingebäude am Marktplatz nicht fehlen, aber auch nicht die Sparkasse in ihrem Zweckbau, in deren Kundenhalle traditionell immer die erste Lesung des neuen Ostfrieslandkrimis stattfindet. So auch heute, am 31. März 2017, wenn Klaus-Peter Wolf mit seinem neuesten Roman „Ostfriesentod“, dem elften der Reihe, die neue Saison einläutet. Genau einen Tag bevor „sein erster“ als Film Deutschland-Premiere feiert. Dazwischen liegen zehn Ostfrieslandkrimis, jedes Jahr einer. Zumindest dieses Lob fährt Klaus-Peter Wolf mit seiner Statistik immer wieder ein: dass er doch so ein „fleißiger Autor“ sei. Das ist er wohl und noch viel mehr, denn mit Fleiß alleine sind solche Erfolge nicht zu erklären.

Doch zurück zur Stadtführung, die zielsicher dann auch zur Fußgängerzone Neuer Weg und dort in die Kneipe Mittelhaus führt, zum Café Remmers oder auch zum Fischgeschäft Weissig, bei dem nicht nur die Romanhelden Köstlichkeiten aus der Nordsee erstehen, sondern auch der Schriftsteller die Zutaten für seinen publikumswirksamen Auftritt 2013 bei der Fernsehsendung „Das perfekte Dinner“ holte. Beim Stadthotel Smutje, ebenfalls einer der krimibekannten Gastronomen vor Ort, ist dann die Endstation des unterhaltsamen Rundgangs.

Dazwischen liegt ein Stopp ohne den kein Ostfrieslandkrimi auskommt: das traditionsreiche Café ten Cate in der Osterstraße 153. Denn nur hier gibt es den originalen Seehund aus weißem Marzipan, den der fiktive Krimi-Kripochef Ubbo Heide, ein erwiesener Kenner dieser Süßigkeit, zu seiner Leibspeise, Belohnung und Seelentröster erklärt hat. Eine Köstlichkeit des Hauses, was sich auch bei Überprüfung am originalen Objekt der Begierde aufs Erfreulichste bestätigt und bereits für 3,90 Euro zu haben ist. Eine weitere Spezialität aus den Krimis ist der Deichgraf:  Ein kugelrunder Trüffel mit edler Vollmilchschokolade auf Marzipan, einem Kern aus Sahnenougat und karamellisierten Nussstückchen, mit Arnak abgeschmeckt und in Goldfolie gehüllt, zur wahren Luxuspraline Ostfrieslands geadelt, genau das Richtige für naschhafte Kriminalgourmets.

Schokoladenstöckelschuhe gehören auch zu den Spezialitäten dieses Cafés, das noch die alte Kunst der Konditorei aufs Beste pflegt. Ob die schmackhaften Schuhe bisher eine Rolle in den Krimis des Klaus-Peter Wolf gespielt haben, entzieht sich jedoch der Kenntnis von Ostfriesland Reloaded.

Vielleicht sollte man an dieser Stelle mal Susanne Roth fragen, denn die Jüngere der beiden ist die eigentliche Krimifachfrau des munteren Stadtführerduos. Denn natürlich wird jeder Halt mit entsprechenden Lesepassagen aus den Werken untermalt, findet sich sofort der passende Textauszug zu Seehund und Deichgraf. Im Trolley, den die Ostfrieslandkrimi-Spezialistin als mobile Bibliothek stets hinter sich herzieht, sind sie die ganze Zeit mit dabei: alle Krimibände der Reihe, die eigentlichen Führer des Rundgangs. Hört man den Texten an den Originalschauplätzen zu, dann wird die Fiktion merkwürdig real. Dann meint man, die Romanfigur Ann Kathrin Klaasen kommt gleich um die Ecke spaziert. Ist das wirklich alles nur erfunden?

Norder StadtfuehrerinnenManche Teilnehmer der Stadtführung sind ausgesprochene Fans von Klaus-Peter Wolf und seinen Krimis, haben sämtliche Bände der Reihe verschlungen und auf ihrem Bücherregal daheim stehen. Die meisten kommen aber aus Neugier, haben einfach Spaß an dieser etwas anderen Art des Stadtrundgangs. Den klassischen Part zur Geschichte von Stadt und Gebäuden übernimmt Mutter Marianne Rothensee. Der sieht man ihre 78 Jahre überhaupt nicht an, dafür merkt man aber umso deutlicher ihre langjährige Erfahrung als Stadtführerin in Norden, der ältesten Stadt Ostfrieslands. So ergänzen sich die beiden perfekt und haben auf der kurzweiligen Tour jede Menge Überraschungen parat. Ostfriesland Reloaded hat versprochen, davon nichts zu verraten. Nur soviel: Es lohnt sich und es schmeckt. Am besten selbst ausprobieren und sich für eine der nächsten Krimi-Stadtführungen anmelden!


Mit dem Erfolg der Ostfrieslandkrimis wurde Norden-Norddeich zur Krimiküste. Unter diesem Label vermarktet der Tourismusservice der Stadt ein ganzes Paket an Angeboten rund um die Kriminalromane von Klaus-Peter Wolf: VIP-Tickets zur Buchpremiere, Bustouren zu den Schauplätzen der Krimis in Ostfriesland wie auch einmal im Monat Krimiführungen durch die Stadt Norden. Diese starten immer um 15:30 Uhr am Marktplatz vor dem Rathaus. Mehr Informationen, Termine, Anmeldung und Preise finden sich hier.

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