Das Highlight Ostfrieslands oder ein Leuchtturm am Stiel

Ganz hoch strahlt ein Licht bei Campen in der Krummhörn: Dort ruht auf einem Stahlfachwerk der höchste Leuchtturm von ganz Deutschland. Rund 65,3 Meter misst der lange Lulatsch vom Boden bis zur Spitze. Er wurde bereits 1889/1890 errichtet, setzt aber noch heute den bundesweiten Höhenrekord. Der „kleine Bruder des Eiffelturms“ wird der Leuchtturm von Campen auch gerne genannt. Denn er ist nicht nur im selben Jahr wie das Pariser Wahrzeichen erbaut, sondern auch die Konstruktion aus genieteten Eisenteilen gleicht dem berühmten Vorbild. Auch technisch war er seiner Zeit weit voraus: Er wurde nämlich von Anfang an elektrisch betrieben.

Der Strom für den Betrieb der Lampen wurde dabei direkt im Maschinenhaus der Leuchtfeueranstalt Campen erzeugt. Erst kam dieser von Dampfmaschinen, 1906 wurden sie durch zwei einzylindrige Dieselmotoren mit einer Leistung von 20 PS ersetzt. 1932 wurde der Leuchtturm an das Überlandnetz der Stromversorgungs-Aktiengesellschaft Oldenburg-Ostfriesland angeschlossen. Heute wird er automatisch betrieben und von der Verkehrszentrale des Wasser- und Schifffahrtsamtes an der Krummhörner Knock ferngesteuert und -überwacht. Über eine Wendeltreppe und die mehr als 300 Stufen des ummantelten Treppenschachtes geht es für Besucher hinauf zu einer Aussichtsplattform mit einem sagenhaften Rundblick über das Meer. Der reicht bis nach Borkum – falls das Wetter mitspielt.

Gittertürme sind im Vergleich zu Leuchttürmen aus Stein verhältnismäßig leicht. Doch trotz der filigranen Eisenkonstruktion bringt es der Campener Leuchtturm auf 300 Tonnen Gesamtgewicht. Je nach Windstärke können in der Verankerung zudem noch Zugkräfte von etwa 135 Tonnen entstehen. Wegen des starken Windes und des sehr weichen Marschbodens direkt am Deich bekam der Leuchtturm entsprechend tiefe Fundamente. Vier eiserne  Brunnenschlingen – drei für die Pfeiler und einen für den Treppenschacht – wurden damals etwa 14 Meter tief auf festen Sandboden getrieben. Erst darauf wurde dann das Mauerwerk für das Fundament gesetzt.

Das Licht von Campen strahlt weit: Es reicht von der ostfriesischen Westküste knapp 30 Seemeilen, das sind 55 Kilometer, auf das offene Meer hinaus. Damit hat dieser Riese unter den Leuchttürmen Deutschlands auch die größte Strahlkraft von allen. Sein starkes Leuchtfeuer leitet bis heute große und kleine Schiffe sicher am Borkumriff vorbei in die Emsmündung bei Emden. Seine exakte Position lautet: 53°24‘ N, 07° 01‘ E.

Ob der höchste auch der schönste Leuchtturm ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Schließlich ist die Konkurrenz groß und lauert gleich nebenan: Denn der Superstar unter den Leuchttürmen Ostfrieslands ist der kleinste seiner Art. Der berühmte Otto-Leuchtturm von Pilsum mit seinen markanten gelb-roten Ringeln ist gerade mal 11 Meter hoch. Wer lieber Türme aus Backstein mag als solche Ungetüme aus Stahl, der wird auf den Inseln garantiert seinen Favoriten finden. Auf Wangerooge, Norderney und Borkum gibt es jede Menge davon und allesamt Unikate ihrer Art.

Vielleicht wäre das momentan auch eine bessere Idee, meint Ostfriesland Reloaded. Denn rund um den Leuchtturm von Campen befindet sich eine riesige Baustelle. Der Deich an dieser Stelle der Krummhörn wird gerade erhöht und verstärkt, wie man hier sieht:

 

 

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