Im Portrait: Eckhard Janßen und die FRIESLAND

Geradezu stürmisch begann ihre Liebe: Als Eckhard Janßen 2002 sein frisch erworbenes Schiff von der Ostsee abholte, peitschte der Wind mit einer Stärke von bis zu 10 Beaufort über das Wasser. Unterwegs von Travemünde überraschte ihn zwischen Fehmarn und Kiel ein auch vom Wetterdienst nicht vorhergesagter schwerer Sturm, der die ganze Nacht wütete. Zwölf Stunden war er ununterbrochen am Ruder. Zum Glück war mit ihm eine erfahrene Crew an Bord, auch wenn es zunächst statt in die Nordsee zurück in den sicheren Hafen von Heiligenhafen an der Ostsee ging. „Im Portrait: Eckhard Janßen und die FRIESLAND“ weiterlesen

Unter Deck: Auf einen Tee mit dem Kapitän

Nun ja, es war dann mehr als eine Tasse Tee. Mindestens drei. Es steckt ja schon im Wort: Teetied. Sich Zeit nehmen – für Tee, aber so nebenbei auch für die wichtigen Dinge, mit denen sich ein Plattbodenschiffer wie Eckhard Janßen im Alltag immer wieder auseinandersetzen muss. Eines davon: das „Freie Liegen“ im Museumshafen von Carolinensiel.  Das war und ist eines der Erfolgsrezepte für den Tourismus am Ort.

Zur ersten Tasse ein paar Infos als Hintergrund: Die Idee, historischen Frachtenseglern kostenlos Liegeplätze im alten Hafen von Carolinensiel anzubieten, geht auf eine Initiative von Frerich Eilts zurück, der in einem der alten Kapitänshäuser direkt am Hafenrund wohnte. Damit zog man vor dreißig Jahren die ersten Traditionsschiffe an die Harle, und immer mehr folgten dem verlockenden Ruf. Eine Win-win-Situation für alle: Die einen hatten ihren Hafen sichtbar touristisch aufgewertet, die anderen eine überaus günstige Möglichkeit gefunden, ihren traditionellen Schiffen einen Liegeplatz zu sichern. „Unter Deck: Auf einen Tee mit dem Kapitän“ weiterlesen

Was gefällt Ihnen an Ostfriesland, Herr Janßen?

Ostfriesland bietet viele abwechslungsreiche Orte: Kleine Städte, weites Land, die Küste, das Wattenmeer, die Inseln, die Fehndörfer und -kanäle. Oft ist noch deren Ursprünglichkeit zu erkennen. Das gefällt mir ebenso wie viele Sitten und Gebräuche sowie die plattdeutsche Sprache und die in ihr beschriebenen Geschichten aus früheren Zeiten. Nicht zu vergessen das für Ostfriesland typische Bild der grasenden Kühe auf grüner Weide unter blauem Himmel mit dicken weißen Wolken.

Was nicht?

Die Verspargelung der Landschaft durch Windräder, die meiner Meinung nach jetzt ein erträgliches Maß übersteigt, manche verkehrspolitische Planung sowie die zunehmende individuelle Beförderung von und zu den Ostfriesischen Inseln. „Kurz nachgefragt bei Skipper Eckhard Janßen“ weiterlesen

Die Kolonie, der Müll und die Silbermöwen

Der Möwenbestand schwankte in den letzten beiden Jahrhunderten stark und war auch immer Ausdruck seiner Zeit. Noch Ende des 19. Jahrhunderts wurden Möwen gerne nur zum Vergnügen und Zeitvertreib gejagt: Ihre langen Federn waren in Mode und zierten die Hüte der Damenwelt. Auch auf Langeoog war der Bestand daher fast komplett dezimiert. 1875 errichtete man für die Möwenkolonie beim »Dreebargen« ein Naturschutzgebiet, das deutschlandweit erste und älteste Naturschutzgebiet für eine Tierart.

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Zum Fressen gern! Von Menschen und Möwen

Man kann schon sagen: Die Beziehung zwischen dem fliegenden Federvieh und uns Zweibeinern ist vor allen Dingen eine kulinarische. Die Liebe zu den Vögeln ging für uns Menschen lange Zeit lange durch den Magen. Denn bis weit ins 20. Jahrhundert hinein galten Möweneier als Delikatesse. Historische Dokumente belegen etwa für Langeoog, dass das Sammeln von Möweneiern auf der Insel von jeher eine große Rolle spielte, als Nahrung und wichtige Einnahmequelle.

So beschwerte sich im Herbst 1824 die Pächterin der Meierei, eines Hofgutes im Osten der Insel, darüber, dass die Insulaner ihren Brunnen durch das Hineinwerfen von faulen Eiern verunreinigen würden. Die Hauptaufgabe der Vogelwarte von Langeoog war einst, die Seevogelkolonie vor Eierdieben zu schützen. „Zum Fressen gern! Von Menschen und Möwen“ weiterlesen

Die Möwen sehen alle aus
als ob sie Emma hiessen.
Sie tragen einen weissen Flaus
und sind mit Schrot zu schiessen.

Ich schiesse keine Möwe tot,
ich lass sie lieber leben –
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.

O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heissest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.

(Das „Möwenlied“ aus den scharfsinnigen „Galgenliedern“ des Dichters Christian Morgenstern, 1871 – 1914)

Sechs Meter hoch: „Mut zum Wagnis“ auf Spiekeroog

Florian Fock, Schulleiter von Deutschlands einzigem Inselinternat, suchte viele Jahre nach dem gewissen Etwas. Etwas Eigenem. Ein kleines Kunstwerk, das Gesicht und Seele der Schule nach außen repräsentiert. Schön anzusehen, eine Schöpfung, welche zum Denken anregt und zum Handeln anstiftet – und gleichzeitig das erst kürzlich renovierte Hauptgebäude der Hermann Lietz-Schule vervollständigt. Dass aus dem kleinen Kunstwerk eine über sechs Meter hohe Bronze-Skulptur wurde, verdankt er dem Kölner Bildhauer Hannes Helmke, der mit „Mut zum Wagnis“ ein künstlerisch ausdrucksstarkes Statement vor die Backsteinfassade setzte. Der Name ist gleichzeitig Programm, und die überdimensionale Figur ist der in Bronze gegossene pädagogische Leitgedanke der Schule und ihres Gründervaters Alfred Andreesen. „Sechs Meter hoch: „Mut zum Wagnis“ auf Spiekeroog“ weiterlesen

Heiß geliebt und in Bronze gegossen: Lale Andersen

Bronzefiguren zählen in der Kunst zur Gattung der Bildhauerei. Doch gehauen wird hier in aller Regel nichts, sondern gegossen. Auch die wohl meist fotografierte Bronze Ostfrieslands, das Lale Andersen-Denkmal unter dem Wasserturm von Langeoog, ist ein Bronzeguss. Das Modell dazu fertigte die Langeooger Goldschmiedin und Künstlerin Eva Recker an. Pünktlich zum 23. März 2005, dem 100. Geburtstag des Weltstars, wurde die Skulptur feierlich eingeweiht. Die Sängerin der „Lili Marleen“ hatte sich auf der ostfriesischen Insel kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieg niedergelassen, hier war sie bis zu ihrem Lebensende Zuhause. Obwohl sie im Alter von 67 Jahren am 29. August 1972 in Wien starb, wurde sie auf eigenen Wunsch in den Dünen von Langeoog begraben.

Unter großer Anteilnahme der Insulaner geschah das. Bis heute ist Lale Andersen noch tief im Gedächtnis der Nordsee-Insel verwurzelt, wie auch ein eigener Raum, den das Langeooger Heimatmuseum ihr in großer Anerkennung widmet, belegt. Jede Woche erklingen ihre Lieder und Evergreens aus hunderten von Kehlen beim beliebten Dünensingen So war es vielleicht nur eine Frage der Zeit bis man der mit Abstand berühmtesten Frau der Insel ein eigenes Denkmal stiftete. Mittlerweile ist die Bronzefigur von Eva Recker fast ebenso bekannt wie der Wasserturm, das Wahrzeichen Langeoogs, hinter ihr. „Heiß geliebt und in Bronze gegossen: Lale Andersen“ weiterlesen

Was macht eigentlich der Alte Fritz an der Knock?

Er ist hier nun wirklich nicht zu übersehen: Friedrich der Große, der mächtige Herrscher über Ostfriesland. Mehr als vierzig Jahre lang bestimmte der Preußenkönig aus Berlin über die Geschicke des Landes, auf dessen Weite er hier als Monumentalkunstwerk aus Bronze so entschlossen blickt. Der Standort jedenfalls ist außergewöhnlich. Eigentlich hätte man ein Denkmal von solchem Format – 2,75 Meter ist allein die Figur groß, dazu kommt noch ein 1,50 Meter hoher Sockel – an etwas repräsentativerer Stelle vermutet. Was macht er eigentlich hier an der Knock, ganz am Rande von Emden, am Rysumer Nacken, dem südwestlichsten Zipfel Ostfrieslands, wo die Straße nach nur wenigen Metern im Niemandsland endet? „Was macht eigentlich der Alte Fritz an der Knock?“ weiterlesen